Rost fetzt

Kein Konzept für den Erhalt der denkmalgeschützten Yorckbrücken als Ensemble in Sicht

Um den Umbau der Yorckbrücke Nr. 5 für Fußgänger und Radfahrer in Höhe von 860.000 € zu finanzieren, verlangt die Deutsche Bahn im Gegenzug vom Bezirk Tempelhof-Schöneberg die Erlaubnis zum Abriss von sechs der als Ensemble denkmalgeschützten Yorckbrücken. Dies berichtete der Tagesspiegel vor ein paar Tagen.

Damit scheint sich die Befürchtung zu bestätigen, die ich an dieser Stelle geäußert hatte, als im Januar 2016 vier Yorckbrücken ausgehoben und auf die Hochfläche hinter Hellweg transportiert wurden, um dort instandgesetzt zu werden. Was ist mit den anderen 18 Yorckbrücken? schrieb ich damals. Es fehlt ein Konzept für den Erhalt der Yockbrücken als Ensemble.

Denn bei den damals prognostizierten Sanierungskosten von 800.000.- € pro Brückensteg wären rund 15 Mio. € notwendig, um 18 weitere Brückenstege ebenfalls zu sanieren. Wer soll das bezahlen? Nach der aufwendigen Instandsetzung von vier, bzw. fünf Brückenstegen würden die Beteiligten argumentieren, nun haben wir schon soviel investiert, mehr ist nicht zumutbar.

Nun, fast drei Jahre später scheint sich die Befürchtung zu bestätigen. Doch wie kommt diese Information an die Öffentlichkeit? Der Tagesspiegel zitiert eine Bürgerinitiative um Helge Hedtke und hat wohl bei der Bahn nachgefragt. Man fragt sich jedoch, warum Bezirk und Senat, die seit Jahren mit der Bahn über die Yorckbrücken verhandeln, nicht selbst an die Öffentlichkeit gehen, sondern eine Bürgerinitiative vorschicken, die sich laut Tagesspiegel seit 2007 für die Yorckbrücke Nr. 5 als Zugang vom Bautzener Kiez in den Gleisdreieck-Park einsetzt, eine Bürgerinitiative, die jedoch bisher noch nie öffentlich im Stadtteil aufgetreten ist, die weder Internet zu finden ist, noch einen Namen hat.

Der Komplexität des Sachverhaltes wäre angemessen, wenn sich die Beteiligten bei Senat und Bezirk selber an die Öffentlichkeit wendeten und transparent machten, worin die Probleme bestehen, welche Fragen mit der Deutschen Bahn geklärt sind und welche noch nicht, welche Verträge geschlossen wurden.

Die hohen Kosten für den Erhalt aller Brückenstege ergeben sich nicht nur aus dem Instandsetzungsbedarf, damit kein Rost abplatzt und auf Passanten und Autos herunterfällt. Die hohen Kosten ergeben sich auch aus dem geforderten Umbau der Brücken. Wurden die Lasten der Brücken bisher über die am Fahrbahnrand paarweise platzierten Stützen abgefangen, sollen die Brückenstege nun ganz alleine halten. Damit sie nicht abstürzen, wenn ein LKW die Stützen umfährt. Dies fordert die Brückenabteilung der Senatsverwaltung für die als Fuß- und Fahrrad genutzten Brücken. Wenn man das konsequent weiter denkt, müsste man das anwenden auf alle, also auf 18 weitere Brückenstege. Denn für den Nutzer der Yorckstraße macht es keinen Unterschied, ob ihm eine genutzte oder ungenutzte Brücke auf den Kopf fällt. Gibt es eine Alternative zu diesem teuren Umbau? Immerhin ist in den Jahren seit Bestehen der Yorckbrücken ein solcher Unfall mit Absturz einer Brücke nie passiert.

Für den Erhalt des Ensemble müssten bei dem bisherigen Konzept also 15 bis 20 Mio. € aufgebracht werden. Für das Land Berlin eine hohe Summe, genauso wie für die Deutsche Bahn AG.

Wenn man die Pressemitteilung des Bezirks Tempelhof-Schöneberg von Juni 2017 liest, bekommt man den Eindruck, dass immer nur über einzelne Yorckbrücken verhandelt wurde. Unter der Überschrift „Einigung über die Sanierung und Ertüchtigung der denkmalgeschützten Yorckbrücken geglückt!“ wurde berichtet, dass man nun noch über die Brücke Nr. 1 ganz westlich und über die Brücke Nr. 30 ganz östlich sprechen möchte. Als habe man sich über die Nicht-Sanierung und den daraus zwangsläufig folgenden Abriss der anderen 16 Brückenstege schon geeinigt. Möglicherweise geht es also jetzt nur darum, wem die Schuld für das Scheitern des Erhalts der Yorckbrücken als Ensemble zugeschoben werden kann.

Link zum Antrag XX – Denkmalschutz ernst nehmen_ Die Yorckbrücken bleiben alle! von Bertram von Boxberg, der auf der Tagesordnung der kommenden Bezirksverordnetenversammlung im Rathaus Schöneberg am Mittwoch steht.

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Veröffentlicht in Yorckstrasse

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