Über sieben Yorckbrücken musst du gehen . . .

Neuer Anlauf zur Sanierung der Yorckbrücken 11, 14, 15 und 17

Der Tagesspiegel hat es genau ausgerechnet: zwei Jahre, neue Monate und sieben Tage lagen die vier ausgebauten Yorckbrücken Nr. 11, 14, 15 und 17 vor sich hinrostend auf der Hochfläche nördlich des Baumarktes Hellweg. Link zum Bericht des Tagesspiegels
Nun, kommende diese Woche, am Montag und Dienstag sollen sie per Tieflader abtransportiert werden, um dann in einem Stahlbaubetrieb saniert und umgebaut zu werden.

Nach dem Ausbau der vier Brückenstege am 29. und 30. Januar 2016 hatte der damalige Staatssekretär Christian Gaebler stolz verkündet, dass die Brücken auf der Hochfläche nördlich des Baumarktes Hellweg bis zum im Herbst 2016 saniert und dann wieder eingebaut würden, um als weitere Verbindungen zwischen Ostpark und Flaschenhalspark zu funktionieren. Dafür stünden 4 Mio. Euro zu Verfügung, von denen das Land Berlin nur 10 % selber tragen müsse. Daraus wurde nichts, das Geld für den damaligen Ausbau und Transport der Brückenstege – sicher mehrere hunderttausend Euro – wurde unnütz verballert. Nebenbei wurde die Hochfläche nördlich des Baumarktes auf Jahre blockiert und damit auch die Idee eines Gemeinschaftsgarten, der dort als Zwischennutzung hätte stattfinden können.

Das WIE der Sanierung

Dass die Sanierung nicht geklappt hat, lag nicht am fehlenden Geld, sondern daran, dass es kein Konzept gab. Nach dem Ausbau entstand ein Streit über das Wie der Sanierung. Die Denkmalschützer wollten die Brückenstege möglichst originalgetreu wieder herstellen, die Brückenspezialisten der Senatsverwaltung argumentierten, dass ein LKW mit den Stützen am Fahrbahnrand kollidieren und so die Brücken zum Einsturz bringen könnte. Das müsse verhindert werden, in dem die Statik der Brückenstege so verändert wird, dass die Brücken auch ohne die Stützen tragen.

Bisher wurde jeder Brückensteg von vier Stützen getragen. Auf jeder Seite stehen zwei Stützen am Rand der Bürgersteige zur Fahrbahn. Manche der Stützenauflager wurden während des zweiten Weltkrieges mit Beton ummantelt. Damit wollte man verhindern, dass die Stützen durch Luftdruck nach Bombenabwürfen aus ihren Lagern gehoben werden können. Im Prinzip sind die Stützen jedoch fast alle gelenkig gelagert, so dass die Gefahr des Herausspringens bei einer Kollision mit einem LKW wohl nicht auszuschließen ist, auch wenn es in den letzten Jahrzehnten glücklicherweise nie passiert ist. Die Auflager an den Stützmauern des Bahngeländes nahmen nur einen kleinen Teil der Lasten auf und dienten hauptsächlich zu Aussteifung der Brückenstege.

In Zukunft soll die Statik anders funktionieren. Die Lasten der Brückenstege sollen direkt in die seitlichen Stützmauern geleitet werden. Dafür müssen die Auflager umgebaut werden und die Brückenstege, die bisher als dreiteilige Gerberträger ausgelegt waren, müssen nun als durchlaufende Balken gestaltet werden. Die Stützen am Fahrbahnrand werden in Zukunft keine tragende Funktion mehr haben. Das Bild der Yorckbrücken wird sich also ändern. Wie es genau aussehen wird, ist leider noch nicht bekannt.

Yorckbrücke Nr. 14, Gelenk des Gerberträgers oberhalb einer der Stützen

Wenn man das zuende denkt, müssten eigentlich noch weitere 14 Yorckbrückenstege saniert werden. Denn macht es einen Unterschied, ob einem eine sanierte Brücke auf dem Kopf fällt oder eine unsanierte? Außer, dass bei einer sanierten Brücke mit Fußgänger- und Fahrradverkehr zwischen den Parkteilen das Land Berlin zuständig ist, bei den anderen Brücken die Deutsche Bahn? Die Yorckbrücken stehen als Ensemble unter Denkmalsschutz. Wie die Erhaltung dieses Ensemble finanziell bewerkstelligt werden kann, ist noch völlig unklar. Frühere Artikel zu den Yorckbrücken Nr. 11, 14, 15 und 17:

Was ist eigentlich mit der Yorckbrücke Nr. 5 ?

Die Yorckbrücke Nr. 5 ist eine der ältetsten und filigransten Stege des Ensembles. Sie wurde schon im Jahr 2012 denkmalgerecht saniert, einschließlich der Kugelgelenke der Stützen. 432.000.- € der Gesamtkosten wurden aus dem Programm Stadtumbau West bezahlt.

Gelenkig gelagerter Stützenfuss der Yorckbrücke Nr. 5

Nur wird die Senatsverwaltung die Nutzung der Yorckbrücke Nr. 5 in der Form nicht zulassen. Das wurde durch die Stellungnahmen im Bebauungsplanverfahren 7-66VE Bautzener Straße klar. Auch diese Brücke muss umgebaut und nachgerüstet werden. Als vor einigen Monaten das Konzept zur Sanierung der Yorckbrücken Nr. 11, 14, 15 und 17 im Nutzerbeirat des Gleisdreieckparks vorgestellt wurde, habe ich vorgeschlagen, dass auch die Yorckbrücke Nr. 5 gleich mit abtransportiert und umgebaut wird. Vergeblich.

Bis der Weg über die Yorckbrücke Nr. 5 von der Bautzener Straße bis in den Westpark des Gleisdreieck funktionieren wird,  sind also noch viele Probleme zu lösen. Siehe dazu den Artikel von letzter Woche, in dem es um die Probleme der Wegeführung bis in den Westpark des Gleisdreiecks geht.

Die Yorckbrücke Nr. 10

Seit 2014 dient die Yorckbrücke Nr. 10 als Übergang zwischen Ostpark und Flaschenhals. Nach Eröffnung des Flaschenhalsparks im März 2014 wurde die Brücke erst freigegeben, nachdem Abendschau und Tagesspiegel über die Proteste gegen die gefährliche Querung der Yorckstraße berichteten. Zuvor hatte die Senatsverwaltung geplant, die Brücke erst nach der Sanierung freizugeben, was noch X Jahre gedauert hätte. Die Yorckbrücke Nr. 10 stammt aus den 1930er Jahren. Sie ist weniger filigran und weniger verrostet als die anderen Brücken. Die Stützen sind weniger empfindlich, es handelt sich um eine massive Rahmenkonstruktion, die wahrscheinlich auch heutige Sicherheitsanforderungen erfüllt. Dennoch soll die Brücke Nr. 10 auch saniert werden, wenn die Brücken Nr. 11, 14, 15 und 17 fertiggestellt sind.

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