Atelier Loidl und Grün Berlin beplanen den Flaschenhals

Endet der Fahrradweg Berlin-Leipzig in einer Sackgasse?

Seit ein paar Tagen sind die Planungen für den Flaschenhals auf der Website der Grün Berlin GmbH zu finden. Der Flaschenhals ist die Fortsetzung des Gleisdreieck-Parks südlich der Yorckstraße. Die Fläche ist bekannt für die wunderbare Wildnis, in denen sich versteckt Ruinen alter Eisenbahnanlagen befinden. „Grüntangente statt Westtangente“, also Grünverbindung statt Autobahn – so lautete die alte Forderung der Bürgerinitiativen. Der Flaschenhals ist ein wichtiges Bindeglied in dieser Grüntangente, die – wenn alles gut geht – vom Tiergarten ausgehend bis zum südlichen und nördlichen  Stadtrand reichen wird.

Auf der Website von Grün Berlin ist nun zu lesen, dass die übergeordnete Radewege-Verbindung Berlin-Leipzig durch den Flaschenhals läuft. Auf dem Plan sieht man, wie dieser Radweg an der Monumentenbrücke endet. Grün Berlin schreibt, dass hier der Anschluss an den Nord-Süd-Grünzug hergestellt würde. Es wird aber nicht gezeigt wie.
Südlich der Monumentenbrücke verjüngt sich das Gelände, östlich der neuen Fernbahntrasse ist nicht mehr genug Platz. Der Fernwanderweg muss auf die Fläche westlich der Fernbahn hinüberwechseln. Dazu muss der Radweg erst 6 m hoch auf die Monumentenbrücke und dann am westlichen Ende der Bücke wieder 6 m runter. Wie kann man einen überregionalen Fahrradweg planen, ohne dieses Problem gelöst zu haben?

Plan von der Grün-Berlin Website 06.12.09, kommentiert und erläutert
Plan von der Grün-Berlin Website 06.12.09, kommentiert und erläutert

Große Rampen wären nötig, im Plan werden sie aber nicht gezeigt. Oder liegen diese Rampen außerhalb des Planausschnitts, also südlich der Monumentenbrücke? Dazu müsste Radweg unter der Monumentenbrücke hindurchgehen, dann die Gleise der Museumsbahn queren und über das angrenzende Grundstück der VIVICO nach oben führen. Eine sehr kostenintensive und hässliche, aber auch unrealistische Lösung. Endet der Fahrradweg, der am Potsdamer Platz den Landwehrkanal mittels der sogenannten Schildbürgerbrücke überquert, ein paar Kilometer südlich als Sackgasse?

Eine einfache Lösung ist in Sicht: Wenn der Fernradwanderweg insgesamt auf die Westseite der Fernbahnhtrasse verlagert würde, könnte er ohne Höhenversprung vom Gleisdreieck bis zum Bahnhof Südkreuz durchlaufen. Ein weiterer positiver Effekt dieser Wegeführung wäre der barrierefreie Anschluss des Kiezes an der Bautzener Straße an den zukünftigen Park. Die Kreuzung Großgörschenstraße/Bautzener Straße würde damit zum Parkeingang. Die Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck hat dies schon seit langen gefordert, z. B. in der Stellungnahme der AG Gleisdreieck zum B’Plan Gleisdreieck im Jahr 2006.

Auszug aus der Stellungnahme der AG Gleisdreieck zum B'plan Gleisdreieck zeigt die alternative Trssenführung für den Fahrradweg
Auszug aus der Stellungnahme der AG Gleisdreieck zum B’plan Gleisdreieck vom 27. 07. 06 zeigt die alternative Trassenführung für den Fahrradweg

Download: vollständige Stellungnahme der AG Gleisdreieck zum B-Plan VI-140 vom 27. 06. 2006

Noch ein Wort zur wunderbaren Wildnis im Flaschenhals: Grün Berlin GmbH spricht von einer „behutsamen Erschließung des Bestandes“ und davon, dass die neuen Wege den Gleistrassen folgen würden. Typisch für Bahnlinien sind jedoch fließende Richtungsänderungen mittels gekrümmter Schienen. Genauso sehen auch die vorhandenen Bahntrassen im Flaschenhals aus.
Ein Blick auf dem Plan zeigt jedoch schnurgerade Wege mit eckigen Richtungsänderungen –  das bekannte Markenzeichen des Atelier Loidls. Es ist zu befürchten, dass das sture Festhalten an dieser  Design-Idee überflüssige Eingriffe in die wertvolle Vegetation zur Folge hat. Verschwiegen wird im Text von Grün Berlin außerdem, dass ein guter Teil des Wäldchens (siehe Skizze) abgeholzt werden soll.
Bemerkenswert ist ebenfalls, dass die Planungen für den Flaschenhals völlig ohne Beteiligung der Bürger und der Öffentlichkeit entwickelt werden. Diese Planungen wurden nicht in der „projektbegleitenden Arbeitsgruppe“ vorgestellt, sie wurden auf keinem öffentlichen Planungsforum erörtert. Der Senat lobt sich oft selbst für die tolle Bürgerbeteiligung am Gleisdreieck – zuletzt Staatsekretärin Krautzberger in ihrer Antwort auf eine kleine Anfrage im Abgeordnetenhaus. Die Planungen für den Flaschenhals – genauso wie für den südlichen Teil des Potsdamer Güterbahnhofs zwischen U2 und Yorckstraße – zeigen, dass dies nur Lippenbekenntnisse sind.

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9 Kommentare zu “Endet der Fahrradweg Berlin-Leipzig in einer Sackgasse?

  1. hallo!
    hier wird außerdem der neubau eines ganzen straßenzuges geplant!
    wir wissen es erst seit kurzem und gehen jetzt ins rathaus.
    bitte melden sie sich, wir streben eine sammelklage an.
    vielleicht wissen sie einen TOP Anwalt!?
    lieben gruss
    k.gebhardt, eylauerst.11

  2. Flaschenhalsgelände? = Ehemaliges Bahngelände zwischen Yorckstraße und Monumentenbrücke sowie Bautzener Straße und Kreuzbergstraße, also das Gelände östlich und westlich der Bahngleise?

    Von der AIF-Bautzener Straße wehren wir uns heftig gegen die städtebaulich maßlose und unsensible Sympathie des Bezirksstadtrates Krömer (CDU) für die Errichtung eines Self-Storage-Lagerhaus-Kollosses entlang der unteren Bautzener Straße (zwischen Yorckstraße und Großgörschenstraße). Mittlerweile scheint es starke Bedenken der SPD und sogar in der CDU-Fraktion selbst gegen das Groß-Projekt zu geben.

    Wenn die BVV BA T-S am 16.12.2009 den TOP 11.11 beschließt, dann werden wir ja mit einer -seit langem geforderten- Bürgerversammlung und mit Werkstattgesprächen Gelegenheit und ggf. auch Chancen haben, u.a. den Lagerhauskoloss endgültig zu verhindern und unsere Bürgersicht einzubringen.
    Wer bestimmt eigentlich über die Lebensqualität von uns Schöneberger und Kreuzberger Bürger?

  3. Dann wirds doch jetzt mal Zeit den Nabu einzuschalten.Auf dem Flaschenhalsgelände hat der Habicht seinen Horst,ferner wohnt die Heckenbraunelle da.Und ich hab hier nen Wisch,den hab ich schonmal eingestellt,dort gibts 56 verschiedene Wildbienenarten.Von den roten Waldameisen die dort siedeln ganz zu schweigen

  4. So sieht es aus in der Anstalt D, Abteilung B: die Kranken wüten, und die Ärzte sind entweder machtlos oder würden sich, wie hier, am liebsten freiwillig selbst die Zwangsjacke anziehen.

    Daß es demnächst dem südlichen Teil des Gleisdreieck-Geländes an den Kragen gehen würde, war bekannt und zu erwarten. Dabei geht es um den vielleicht letzten verbliebenen Flecken nicht domestizierte Natur in Berlin, der nun auch noch zerstört – oder, wie es in der Terminologie der Kranken heißt – „behutsam erschlossen“ werden soll (als wäre hier je etwas „behutsam“ geschehen). Einzige angemessene Reaktion der Ärzte wäre nach meiner Auffassung: ein Aufschrei des Entsetzens, verbunden mit der Forderung, die Finger wenigstens von dieser einen Fläche zu lassen. Diesen Aufschrei vermisse ich in dem obigen Beitrag schmerzlich. Stattdessen wird hier getreu dem Motto „ach bitte, laßt mich doch auch mit planen, ich kann es doch eigentlich viel besser“ unverzüglich und professionell in die Diskussion von Planungsdetails eingestiegen (eckige Wegeführung oder geschwungene, wie kommen die Kranken auf ihren Intercity-Bikes am schnellsten von Abteilung B zu Abteilung L etc.) und damit der Kuhhandel eröffnet, an dessen Ende die Zerstörung stehen wird.

  5. ich hab auf der Veranstaltung „Planungsforum“ Anfang November in der Elisabeth-Klinik gefragt und sie sagten, die Planungen dort würden dann auch noch vorgestellt und die BürgerInnen ebenfalls beteiligt. mmmhhhhh?

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