Gastbeitrag von Berthold Menzel
Die Pläne zur Umgestaltung des Tilla-Durieux-Parks lehren uns, was „Verschlechterung der Aufenthaltsqualität“ im Gleisdreieckpark durch die Hochhäuser der „Urbanen Mitte“ bedeutet.
Ein Schwimmbecken im Park? Der Tilla-Durieux-Park wird endlich zu einem „attraktiven „Aufenthaltsort mitten in der Berliner Innenstadt“. So die Vision des Berliner Büros Kinzo. Die Kommentare dazu: „Berlintypische Traumtänzerei“, „Wer soll da schwimmen? Und wer soll das bezahlen?“, aber auch: „Beitrag zur urbanen Hitze-Resilienz“.
Denkt dabei denn niemand an den benachbarten Gleisdreieckpark , der das ist, was der Tilla-Durieux-Park erst werden soll, „ein ganzjährig genutzter Freizeit- und Begegnungsort“? Und daran, was ihm widerfährt, wenn die „Urbane Mitte“ ihn mit ihrer Hochhaus-Phalanx einmal einklemmen wird?
Dann blüht ihm das Schicksal des Tilla-Durieux-Parks, der von Anfang an zu einem kümmerlichen Dasein als Grünanlage verurteilt war – eben wegen der beiden dominierenden Hochhausfronten. Die beklagte Ödnis des Grünstreifens hat zweifellos darin ihre Ursache, die auch nicht durch kosmetische und teure Landschaftsplanung wirkungslos gemacht werden konnte.
Dem Gleisdreieckpark droht ein Niedergang zu einem ähnlichen Status, in diesem Fall wissentlich herbeigeführt als Kollateralschaden des Hochhausbaus, sollten die Pläne der „Urbanen Mitte“ einmal Wirklichkeit werden.
Da wird vom Land Berlin ein Wettbewerb zur klimaresilienten Weiterentwicklung eines verelendeten Parks ausgeschrieben, der eine „bessere Aufenthaltsqualität“ zum Ziel hat, und genau diese gleich nebenan durch Hinnahme einer abenteuerlichen Hochhausplanung riskiert.
Was jeder weiß: Der Gleisdreieckpark strotzt vor Lebendigkeit und ist über jede „Wiederbelebung“ erhaben – vorausgesetzt, er wird in Ruhe gelassen.
Sehen wir uns einmal an, was die „Aufenthaltsqualität“ verbessern soll und nehmen dafür die Kriterien des Kinzo-Konzepts:
Dort sollen „Aufenthaltsangebote“ helfen, den Tilla-Durieux-Park zu einem Ort zu machen, „der bislang vor allem als „Durchgangsraum“ wahrgenommen wird. Ein 100 Meter langes Freibad soll als „identitätsstiftendes Element“ dazu einladen. Kinzo denkt den Park als „urbanes Wohnzimmer.“
Mit Naturerleben in einem Park hat das nicht mehr viel zu tun, denn das setzt voraus, dass man frei ist für vielfältige Eindrücke und Aktivitäten. Diese Freiheit haben wir im Gleisdreieckpark zum Glück (noch):
Es kommen unterschiedlichste Menschen, die sich am und im Park erfreuen, bei Spiel, Sport und Müßiggang. Diese Vielfalt stiftet nebenbei auch Identität, die ganz selbstverständlich ist, solange der Gleisdreieckpark unser Park, unser „Gleisi“ ist – seit langem ist er für viele eine
Herzenssache!
Gefahr droht da, wo sich Veränderungen abzeichnen, die das gewohnte Empfinden eines offenen Raumes stören, wo der Pleasureground zum Vorgarten für Hochhäuser wird.
Da helfen dann auch keine belebenden Installationen und Aufenthaltsangebote – der Park würde zum bloßen „Durchgangsraum“.
Lasst uns ihn so behalten wie er ist –Freiheit für unseren Gleisdreieckpark!