Ein Entwurf, der voll abtörnt

Ergebnis des Realisierungswettbewerbs Urbane Mitte Süd veröffentlicht

. . . . Berlin, 24. August 2026 – Der anonyme, einphasige Realisierungswettbewerb für die Urbane Mitte Süd am Gleisdreieck ist entschieden. Das Preisgericht hat den Entwurf von KSP Engel gemeinsam mit nsp landschaftsarchitekten stadtplaner mit dem ersten Preis ausgezeichnet  . . .“

So beginnt die Pressemitteilung der Periskop AG, die dann auf zahlreichen Immobilienportalen einfach so wiedergegeben wird, ohne dass dem Leser die Quelle genannt wird.

Weiter unten heißt es in der Pressemitteilung:

. . . Der Siegerentwurf überzeugt durch eine klare städtebauliche Setzung, eine robuste und differenzierte architektonische Haltung sowie eine selbstverständliche Einbindung in den stark frequentierten Stadtraum am Gleisdreieck. Besonders hervorgehoben wurde vom Preisgericht die kräftige Ausbildung des Sockelbereichs, der die unterschiedlichen Nutzungen aufnimmt, den öffentlichen Raum stärkt und eine hohe Aufenthaltsqualität im Übergang zwischen Park und Bebauung schafft. Die beiden Hochpunkte fügen sich dabei präzise in die stadträumliche Situation ein und entwickeln eine markante, aber zurückhaltend integrierte Silhouette . . .
Quelle: https://www.periskop.ag/news/realisierungswettbewerb-fur-die-urbane-mitte-sud-entschieden

Bisher sind nur Bilder der Fassade bekannt, die die Ansicht von Westen zeigen, siehe hier und hier und hier

Farbgebung und Formen erinnern etwas an das Alexa-Kaufhaus, die Monumentalität an die Gebäude am Walter-Benjamin-Platz. Auf einem zweigeschossigen Sockel steht ein Turm mit 14 Geschossen, daneben ein kleinerer mit mit sechs Geschossen. Es heißt, in dem 49 m hohen Turm sei ein Hotel vorgesehen, in dem kleinerem, 25 m hohen Turm das möblierte Kurzzeitwohnen. Schade, dass die direkte Umgebung nicht mit gezeigt wird, z. B. das ca. 10 m hohe Poststellwerk, die flache Halle des ehemaligen Postbahnhofs und die Bäume des Wäldchens auf dem ehemaligen Anhalter Güterbahnhof. Denn dann würde klar, wie der Maßstab der Umgebung durch die neuen Gebäude gesprengt würde und dass es sich nicht um „präzise Einfügung in die stadträumliche Situation“ handelt, wie die Jury schreibt, sondern einfach um die unkritische Umsetzung der Vorgaben aus dem Bebauungsplan.

Westlich vor dem Gebäude wird eine versiegelte Fläche gezeigt, unter der vermutlich die zweigeschossige Tiefgarage entstehen soll, die bis auf einem Meter an den Tunnel der Nord-Süd-S-Bahn heranrücken soll. Es sieht so aus, als hätten die Architekten die alle Vorgaben des Auslobers brav erfüllt, 23.750 m² Bruttogeschossfläche und 100% Versiegelung. Ob das tatsächlich so ist, werden wir sehen, wenn die Wettbewerbsergebnisse veröffentlicht werden.

Ein Entwurf, der voll abtörnt

Die ersten Ansichten des Siegerentwurfs haben auf der Instagramseite von „Entwicklungsstadt Berlin“ zahlreiche Kommentare bekommen. Positive sind darunter bisher nicht zu finden. Der Entwurf, der laut Pressemitteilung von der Jury mit den Worten „Robustheit und gestalterische Kraft“ beschrieben wird, kommt bei den Instagram-Kommentatoren ganz anders an. Phantasielos, Charme vom Ritter Sport Headquarter, ein Flusensieb, immer der gleiche Kastenkram, heißt es da oder nur ganz kurz „wie hässlich“. Vom langweiligem Einheitsbrei, davon dass Berlin seine besten Flächen an Allerweltsarchitektur verscherbelt, ist die Rede. Es werden die fehlenden Bäume, das fehlende Grün an der Fassade angesprochen, ein Kommentator vermutet, dass der Entwurf wohl in der Zeit vor dem Klimawandel entstanden sei, weil in Berlin ja alles immer so lange dauere. Es wird nach den Wohnungen für Normalverdiener gefragt. Ein anderer hofft, dass doch Holz verwendet wird. Die Ansicht der Fassaden sehen jedoch eher nach gefärbten Beton aus.

Hier der Instagram-Beitrag von Entwicklungsstadt, eingebettet mit freundlicher Genehmigung von Björn Leffler, Geschäftsführender Gesellschafter und Chefredakteur, BerliMedia GmbH

 

 
 
 
 
 
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