Qualitätsmaßstäbe in der Diskussion – Akzeptanz durch vorsorgende Planung
- Ort: Architektenkammer Berlin
- Veranstalter: SRL-Regionalgruppe Berlin/Brandenburg
- Moderation: Jutta Kalepky, Bezirksstadträtin Friedrichshain-Kreuzberg a.D.
- Einführung: Stadtplanung – Qualitäts- und Vorsorgemaßstäbe in der Diskussion
- Eckhard Bock, Planungsamtsleiter Köpenick a.D.
Beiträge:Gefährdung von öffentlicher Infrastruktur durch Bebauung ohne Abstände und Risikoanalyse
Matthias Bauer, Initiative Gleisdreieck; die Hochhausbebauung am Tunnel der Nord-Süd S-Bahn – das Projekt Urbane Mitte in der Diskussion Wettbewerbsergebnisse als Ursache für kaum zu bewältigende Konflikte im Bebauungsplanverfahren; Vertragsbindungen bei der Grundstücksvergabe als Hindernis für die Bauleitplanung Risiko- und Kostenfolgenschätzungen – Erfahrungen mit Berlin Mall
Wohnbebauung direkt angrenzend an altem, erhaltenswertem Wald – Typenhäuser und verdichteter Wohnungsbau
Jan Krauß, Initiative Kasernengelände Fürstenwalder Allee, Köpenick – Einsatz für maßstäblichen Wohnungsbau
Kritik am Abriss von Stahlbetonskelettbauten statt Konversion; Grenzen der Verdichtung – Einfügen einer Bebauung in die Ortslage; Gefährdung des Waldes (Verkehrssicherungspflicht der Forstbetriebe durch Bplan auszuklammern?)
Freiraumschutz in einem dicht bebauten Bezirk – Neukölln und die Bebauung am Emmauswald
Rainer Teschner-Steinhardt, Umweltamtsleiter Neukölln a.D.; Freiflächen in Neukölln, der Emmauswald in der Diskussion; unterschiedliche planerische Konzepte im Umgang mit dem Wald und mit angrenzenden Freiflächen; Einflussnahmen auf Bezirksentscheidungen; Auswirkungen auf die Planungshoheit des Bezirks; Wohnungsbaugesellschaften als Umsetzer von Senatsentscheidungen?
Entscheidungsstrukturen in Berlin Bebauungsplanung und Vorsorgemaßstäbe aus Sicht eines Abgeordneten
Julian Schwarze MdA; Erfahrungen aus und mit dem Stadtentwicklungsausschuss; Entscheidungen zu hauptstädtischen Bauleitplänen und bezirklichen, vom Senat „an sich gezogenen“ Bebauungsplänen; qualifizierte Aufbereitung unterschiedlicher Positionen als Entscheidungsgrundlage für den Ausschuss; Chancen und Risiken in der Entscheidungsfindung – interfraktionelle Vorbereitung denkbar und möglich?
Diskussion
Zur Ausgangssituation:
Die Wohnungsbaukrise, die sich insbesondere in einer zu geringen Zahl von fertiggestellten bezahlbaren Wohnungen manifestiert, hat zu hektischen politischen Aktivitäten geführt. Insbesondere von der freien Wohnungswirtschaft, die sich beim Bauen immer stärker zurückhält, wird behauptet, dass zu hohe Standards und bürokratische Hemmnisse zu dieser Krise geführt hätten. Die Politik reagiert mit einem ganzen Strauß von Maßnahmen:
Ein „Bauturbo“ soll zu grundsätzlichen Genehmigungserleichterungen führen und dichteres Bauen ermöglichen. Es wird versucht, Baustandards wie zum Beispiel Schallschutz oder Belichtung als „Komfort“ und nicht mehr als einzuhaltenden Maßstab zu etikettieren. „Einfaches“ Bauen soll erleichtert werden.
Die eigentliche Ursache der Misere – die viel zu hohen Grundstückspreise – die dazu geführt haben, dass eine Zahl von 35 Td. Wohneinheiten in Berlin genehmigt sind, aber nicht fertiggestellt werden (Bauüberhang) und einige Bauprojekte bereits auf Eis gelegt worden sind, wird nicht thematisiert. Genehmigte Wohnungen im Bauüberhang und Bauprojekte, die Grundstücke blockieren, passen einfach nicht in das Bild, das der Öffentlichkeit vermittelt werden soll. Das Problem soll die Planung und Bürokratie sein – die eigentlichen Ursachen werden ausgeblendet oder gar nicht erst behandelt. In dieser Situation wollen wir uns mit zentralen Fragen der Stadtplanung anhand von ausgewählten Beispielen beschäftigen:
Welche Qualitätsmaßstäbe sind unverzichtbar, um lebenswerte und nachhaltige Quartiere zu erreichen? Ist es in dicht bebauten Quartieren sinnvoll und städtebaulich vertretbar, auf einen Wald zu verzichten und Freiflächen weitestgehend zu bebauen?
Wo sind Grenzen der Planung erreicht? Welche Vorsorgemaßstäbe, die bisher eingehalten worden sind und zum Handwerkszeug guter Planung gehören, dürfen nicht missachtet werden?
Anhand von aktuellen Konfliktfällen wollen wir Aspekte der Stadtplanung diskutieren:
Können wir uns das Bauen an Tunnelbauwerken an zentralen Stellen ohne Risikoanalysen und komplexe Folgekostenabschätzungen leisten und die Bürger mit den Auswirkungen ohne Auffangkonzept konfrontieren? Das Bauen ohne ausreichende Abstände an wichtiger öffentlicher Infrastruktur, das z.B. konkret zum Absenken des Tunnels der U2 am Alexanderplatz geführt hat, bedeutete erhebliche Einschränkungen für ÖPNV-Nutzer.
Welche Freiflächen und Abstände zu Waldgebieten sind erforderlich?
Welche Gebäudetypen (Typenhäuser für den sozialen Wohnungsbau) werden in welchen Abständen untereinander und zu Nachbargebäuden projektiert? Führen derartige Projekte zu Stadtquartieren, die aufgrund hoher Dichte und fehlender Qualitäten soziale Probleme befürchten lassen?