Urbane Mitte, urbane Erschließung?

Verkehrschaos in der Schöneberger und Luckenwalder Straße sowie am Tempelhofer Ufer

Ein Video vom vergangenen Sonntag Abend zeigt den Verkehr zum Auftakt der IFA in der Station, im ehemaligen Postbahnhof. Am Sonntag waren es nur Reisebusse und Taxis, die die Luckenwalder, Schöneberger Straße und das Tempelhofer Ufer stundenlang blockierten, selbstverständlich mit laufenden Dieselmotoren.  Für das Projekt „Urbane Mitte“ mit den sechs Hochhäusern werden es überwiegend Betonlaster sein. Ein Verkehrskonzept für die „Urbane Mitte“ liegt jedoch immer noch nicht vor. Ein Blick auf die ungleich kleinere Baustelle an der Bautzener Straße zeigt, dass es auch für die Bauzeit und Baustellenlogistik ein Verkehrskonzept braucht. Ohne ein solches Konzept wird die „Urbane Mitte“ Fiktion bleiben.

120.000 m² Bruttogeschossfläche, ein Fünftel Potsdamer Platz, die Zahlen zeigen die geplanten Höhen der Investorenluftschlösser. Die Abbildung stammt aus den Bebauungsplanunterlagen, ergänzt mit den Linien für die S21, für den Fahrradweg sowie den Beschriftungen.

Eigentlich sollte vor Auslobung des architektonischen Wettbewerbs für das Projekt „Urbane Mitte“ ein Verkehrskonzept vorliegen. Es lag aber nicht vor. Die Architekten störte das wenig. Sie stellten ihre Baumassen ab, ohne über die Machbarkeit nachzudenken. Dann hieß es, mit der Auslegung des Bebauungsplans würde auch ein Verkehrskonzept vorgelegt werden. Wieder Fehlanzeige. Nun wird offensichtlich weiter geplant, ohne die Bedingungen zu reflektieren, unter denen das Projekt entstehen kann. Der Bezirk wäre gut beraten, wenn er die Frage des Verkehrs und der Baulogistik nicht ausblenden, sondern im Bebauungsplanverfahren mit betrachten würde.

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4 Kommentare zu “Verkehrschaos in der Schöneberger und Luckenwalder Straße sowie am Tempelhofer Ufer

  1. Kann die Kritik an manchen Punkten nicht so recht nachvollziehen. Zu Beginn stellt sich mir die Frage, ob nach einem Verkehrskonzept gefragt wird oder nach einem Baulogistikkonzept. Letzteres bezieht sich auf den Verkehr während der Bauarbeiten, ersteres auf den Erschließungsverkehr nach Vollendung der Bauarbeiten. Ich gehe davon aus, dass nach einem Baulogistikkonzept gefragt wird.

    Weiter geht es mit der Forderung, dass ein Baulogistikkonzept ausgearbeitet sein soll, bevor das eigentliche Wettbewerbsverfahren startet. Wie soll das funktionieren, wenn zum Startzeitpunkt noch keine Bauentwürfe existieren oder es einen Konsens darüber gibt, wie das Gebäude in seiner Statik tatsächlich aussehen wird? Für ein Baulogistikkonzept bedarf es klare Vorstellungen davon, wie viele Baumaterialien, Werkzeuge und Rohstoffe tatsächlich benötigt werden. Anhand dessen lassen sich erst die LKW-Mengen bemessen, die wiederum Grundlage für die Verkehrszeiten, wann jeder LKW auf der Baustelle eintreffen soll, bilden. Das wäre in etwa so, als würde man ein Taxi bestellen, ohne zu wissen wie viele Mitfahrer es gibt. Hier wird fälschlicherweise die Kausalkette verdreht.

    Und zuletzt finde ich den Vergleich zwischen dem im Video gezeigten Eventverkehr und dem zukünftigen Baulogistikverkehr unpassend. Eventverkehr tritt in der Regel zeitlich kurzfristig auf und hat seine Lastspitzen vor allem zum Veranstaltungsbeginn. Ich stimme zu, dass das Video hier krasse Organisationsprobleme in der Verkehrslenkung seitens des Veranstalters aufzeigt, keine Frage. Aber es gibt deutliche Unterschiede zum zukünftigen Baulogistikverkehr. Das beginnt damit, dass jeder Bauschritt andere Materialien und Werkzeuge verlangt. Für den Aushub der Baugruben bedarf es Kipplaster und Radlader. Für den Rohbau Betonmischer und -pumpen. Sobald der Rohbau steht, wird der Schwerlastverkehr signifikant abnehmen, weil dann der Innenausbau beginnt. Hier treten vor allem Handwerksbetriebe in Aktion, die vorrangig mit Transportern oder Kleinlastern anrücken werden.

    Zusammengefasst gestaltet sich Baulogistikverkehr deutlich differenzierter, als über den Videovergleich versucht wird darzustellen.

    Die Forderung im letzten Satz, dass der Baulogistikverkehr grundsätzlich mehr in den Fokus der Planer gerückt werden soll, ist dagegen zu unterschreiben.

  2. Unschönes Beispiel ist auch die Baustelle am Parkhaus: Der Rad-Schleichweg über die Parkhaus-Zufahrt ist jetzt von Baugeräten versperrt. Folge: Die Radfahrer drängeln sich am Nordende über den Bürgersteig an der M29-Bushaltestelle vorbei zur Fußgängerampel an der Köthener Brücke. Wegen der 6-spurigen Ufer-Autobahn ist da leider kein Platz für eine Querung, die nicht Leib und Leben von Radfahrern und Fußgängern gefährdet.

    Verkehrskonzepte? Fehlanzeige! Aber selbst wenn es welche gäbe, würden sie doch nur ignoriert.

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