Die Onlinepetition zur ZLB geht zu ende am 13. Juni 2015

Die Bibliothek am Gleisdreieck – vorbei der Traum?

Knapp 700 Unterschriften wurden  innerhalb von drei Monaten gesammelt zur Unterstützung des Offenen Brief mit dem Vorschlag, die ZLB  – Zentrale und Landesbibliothek Berlin – am Gleisdreieck zu platzieren. Hoffnungsvoll gestartet, doch der Erfolg blieb bescheiden. Trotzdem, allen die unterschrieben haben oder die Listen ausgelegt haben – wie das Café Eule – vielen Dank für ihr Engagement.
Woran lag es? Im Vergleich zu anderen Petitionen, wie die zur Rettung des Theaters am Winterfeldplatz oder die gegen die Büchervernichtung, die in gleicher Zeit weit über 10 000 Unterschriften sammelten, sind knapp 700 sehr wenig. Die Gründe sind sicher vielfältig:

  • Zwar gab es anfangs viel Lob für die Idee, doch einfach zu wenig Personen, die dann aktiv Unterschriften gesammelt haben.
  • Wozu eine Bibliothek, wir haben doch das Internet, Zentral – Nein Danke, die AGB (Amerika-Gedenk-Bibliothek) ist doch auch ein guter Standort, waren gelegentlich geäußerte Argumente.
  • Das Hauptproblem war jedoch, das Thema ist für viele Parkbesucher zu weit weg. Dass die Fläche am U-Bhf. Gleisdreieck überhaupt bebaut werden könnte, hatte fast keiner auf dem Schirm – Hochhäuser schon gar nicht. Wenn es gelang, ins Gespräch zu kommen, standen jedoch alle dem Anliegen, hier eine kulturelle, für jeden zugängliche, öffentliche Nutzung anzubieten, sehr positiv gegenüber.

Wie geht’s weiter?

Während die Petition lief, hat sich der Entscheidungsprozess für den Standort der zukünftigen ZLB beschleunigt. Sollte ursprünglich erst geprüft und dann 2016 entschieden werden, sprachen sich nun viele Politiker für den Standort der Amerika-Gedenk-Bibliothek am Blücherplatz aus, so die Abgeordnetenhausfraktion der CDU, diverse Parteidelegiertenkonferenzen der SPD und Teile der Grünen. Die Friedrichshain-Kreuzberger Bürgermeisterin betonte zwar, das nur der westlich der AGB liegende Parkplatz für die Bebauung zur Verfügung stünde. Nur, wenn man dort das Volumen unterbringen wollte, das ursprünglich laut Wettbewerbsvorgaben für die ZLB auf dem Tempelhofer Feld vorgesehen war (52.000 m² Nutzfläche = 85.000 m² Bruttogeschossfläche), dann müsste auf der ca. 3000 m² großen Fläche des Parkplatzes ein mehr als 20geschossiges Gebäude erstellt werden. Kann sein, dass die Debatte wieder los geht, wenn dies später klar wird.
Oder es gibt eine ganze neue Debatte über die Bibliothekenlandschaft Berlins. Mehrere Schwerpunktbibliotheken anstelle einer zentralen Einrichtung lautet der Vorschlag von zwei jungen Architektinnen – Judith Frankenberg und Jessica Bittrich -, die in ihrer Masterarbeit das Gleisdreieck als Standort für eine von mehreren Schwerpunktbibliotheken vorgeschlagen haben. Die beiden Architektinnen sehen Bibliotheken mehr als Arbeits- und Lernort, denn als Bücherspeicher. Und sie entwickeln eine neue Balance zwischen dezentralen und zentralen Angeboten. Besonderen Charme hat der Vorschlag auch deswegen, weil die bisherigen Standorte nicht entwertet werden. Die AGB wäre dann nicht einfach eine Zentrale für alles Mögliche, sondern eine Schwerpunktbibliothek für die Wissensgebiete „Kunst, Bühne, Medien“, während die neue Bibliothek am Gleisdreieck den Schwerpunkt „Technik & Wissenschaft“ in Kooperation mit dem Technikmuseum beinhalten könnte. Hier der Link zur Masterarbeit, siehe dort Seiten 54 bis 61: http://nkbln.net/download/StrategienBB_FrankenbergBittrich.pdf

Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan „Urbane Mitte“

Inzwischen hat die Friedrichshain-Kreuzberger BVV den Aufstellungbeschluss für den Bebauungsplan „Urbane Mitte“ zur Kenntnis genommen, wobei „zur Kenntnis genommen“ hier Zustimmung bedeutet. Link zum Aufstellungsbeschluss: DS1692 VI-140ca Urbane Mitte mit Anlagen

Laut „Konsensplan“, der am Ende von drei „Fachdialogen“ vom Bauträger formuliert wurde, sollen 70 Prozent Büroraum werden, 30 % sogenannter „Lebendiger Nutzungsmix“ mit Einzelhandel, Gastronomie, Clubs und etwas Wohnen am Rande. Also ein international tätiges Unternehmen bezieht hier repräsentativen Büroraum im Hochhaus, drum herum gibt es auf der einen Seite den Park, auf der anderen Seite eine Mischung aus Ku’damm-Karree und Hackeschen Höfen, wobei auch die historischen U-Bahnviadukte einbezogen werden sollen, die bisher noch die Werkstätten der BVG beherbergen.
Das Bauvorhaben wird im Text zum Aufstellungsbeschluss folgendermaßen beschrieben:

Weiterhin soll mit Hilfe des Bebauungsplanes die planungsrechtliche Sicherung des in einem städtebaulich-architektonischen Ideenwettbewerb zu entwickelnden städtebaulichen Konzeptes für die Urbane Mitte erfolgen. Insbesondere gilt es, die Anforderungen an übergeordnete Erfordernisse zu sichern. Hierzu zählen unter anderem:

  • Die Sicherung des geplanten Umsteigebahnhofs der S 21 am Bahnhof Gleisdreieck. Dieser wird bei den bestehenden Planungen berücksichtigt und in städtebauliche Konzepte integriert.
  • Die Sicherung und Qualifizierung des Fernradwegenetzes Berlin – Leipzig, welcher westlich des Plangebiets durch den Park am Gleisdreieck geführt werden soll.
  • Die Sicherung der Freiraumqualität des Parks am Gleisdreieck und der Parkeingänge, insbesondere in Verlängerung der Schöneberger Straße und nach Süden in den Ostpark. Ebenso gilt es eine Verbindung zwischen Ost- und Westpark planungsrechtlich zu sichern.
  • Die Sicherung von Bahnbetriebserfordernissen für U-Bahn, S-Bahn und Fernbahn, in Form von erforderlichen Rettungswegen und Rettungsflächen
  • Städtebauliches Ziel ist die Entwicklung eines urbanen und lebendigen Quartiers mit kerngebietstypischen Nutzungen am ÖPNV-Knotenpunkt zum Park.

Das betrifft den Park: wie Hochhäuser die Freiraumqualität des Parks sichern sollen, bleibt nebulös. Immerhin: die Verbindung zwischen Ost- und Westpark läuft über das Baufeld, ebenso der Nord-Süd-Fahrradweg, die  sollen  erhalten bleiben. Anders geht es auch nicht. Auch die S21 wird hier voll berücksichtigt, die gleiche S21, die der  Bezirk Tempelhof-Schöneberg ein paar hundert Meter weiter südlich bei den  Planungen für den  westlichen Vorplatz der Yorckbrücken nicht berücksichtigen will.
Doch alles hat seinen Preis. War in den „Fachdialogen“ noch von 100.000 m² Bruttogeschossfläche die Rede, sind es nun 119.000 m². Und die sollen – oder müssen sogar – in die Höhe gebaut werden, wenn am Boden so viel freigehalten werden soll. Im Aufstellungsbeschluss des Bezirksamtes werden die Hochhäuser fogendermaßen umschrieben:

Des Weiteren gilt es die innerstädtische Lage zu anderen zentralen Standorten, wie dem Potsdamer Platz, zu nutzen. Die Urbane Mitte kann so als zentraler Punkt und Zugangstor für das Ankommen aus südlicher Richtung mittels öffentlichen Nah- und Fernverkehrs gesehen werden, dessen exponierte Lage ausgenutzt werden und den urbanen Charakter betonen und inszenieren soll.

Erstaunlich, dass die Hochhausidee nur verklausuliert ausgesprochen wird. Als hätte man Bedenken, das offen auszusprechen. In den „Fachdialogen“ war erst von 120 m hohen Gebäuden die Rede, am Ende pendelten sich die Experten aus “wirtschaftlichen Erwägungen“ auf 90 m ein. Wird spannend sein zu sehen, welche Vorschläge dazu in dem geplanten städtebaulich-architektonischen Wettbewerb entwickelt werden.
Gebaut werden wird frühstens 2017 oder 2018. Bis es soweit ist, soll es eine Zwischennutzung geben. Gerüchte besagen, dass das Container-Dorf der Platoon-Kunsthalle von der Schönhauser Allee auf das Baufeld am U-Bhf. Gleisdreieck ziehen soll.

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