Verkehrskonzept Dennewitz/Flottwellstraße vorgestellt

Bürgerbeteiligung ja, aber bitte mit Scheckbuch

Überfüllt war der Saal im Jugendkulturzentrum Pumpe, als am Mittwoch, den 15.01. 2014 das Verkehrskonzept für die Dennewitz- und Flottwellstraße vorgestellt wurde. Auf dem Podium vier Männer: Bezirksstadtrat Carsten Spallek, Herr Dittrich, Leiter der Abteilung Kommunales Planungs- und Verkehrsmanagement im Bezirksamt Mitte, Michael Klinnert vom Quartiersmanagement Magdeburger Platz und Herr Reimann, ein Vertreter des Planungsbüros LK Argus, der ausführlich das erarbeitete Verkehrskonzept vorstellte.

Das Verkehrskonzept mit alternierenden Fahrbahnen

Zwischen 5.000 und 6.000 Autos frequentieren den Straßenzug der Dennewitz- und Flottwellstraße heute. Zu Spitzenzeiten sind es rund 500 in der Stunde. Ziel des Konzepts ist eine kostengünstige Neugestaltung des Straßenraums mit verbesserten Querungsmöglichkeiten für Fußgänger, mit neuen Aufenthaltsqualitäten, und dem Heraushalten des Durchfahrverkehrs. Dazu wird eine sogenannte alternierende Fahrbahn vorgeschlagen. Das heißt, der eigentliche Straßenraum soll auf knapp sechs Meter mit zwei Fahrspuren reduziert werden. Diese reduzierten Fahrspuren wechseln zwischen der östlichen und westlichen Straßenseite hin und her. Durch das Hin- und Herwechseln wird die Geschwindigkeit der Fahrzeuge verringert, durch Aufpflasterungen, sogenannte „Moabiter Kissen“, soll der Effekt noch verstärkt werden. Die freiwerdenden Flächen auf der Fahrbahn sollen dann genutzt werden für Fußgängerübergänge, für Fahrradabstellplätze, auch für Hochbeete auf kleinen Plätzen. Diese Einbauten in den Straßenraum könnten so geschehen, dass die historischen Bordsteinkanten erhalten bleiben, so dass die Entwässerung nicht neu gebaut werden müsste. Es wäre hilfreich, wenn die Folien, die zur Darstellung des Projekts verwendet wurden, auch online zugänglich wären.

Unterschiedliche Fragen aus dem Publikum

Die Fragen aus dem Publikum gingen in unterschiedliche Richtung. Zum einen wurde  die Befürchtung geäußert, dass durch die Maßnahmen ein Verdrängen des Verkehrs in andere Straßen  bewirkt werden könnte, z. B. in die Blumenthal- und Steinmetzstraße sowie in die Potsdamer Straße. Wenn auf der Potsdamer Straße mit zur Zeit ca. 25.000 bis 30.000 Fahrzeugen am Tag, ein paar hundert Autos  dazukommen, würde man das gar nicht merken, antwortete Herr Dittrich. Und schließlich sei das ja eine Hauptverkehrstrasse, die sei dazu da, den Verkehr aufzunehmen. Auf den Zwischenruf, dass auch dort Menschen wohnen, ging der Leiter der Abteilung Kommunales Planungs- und Verkehrsmanagement nicht ein.

Die meisten anderen Fragen beschäftigten sich mit dem Verkehrskonzept selbst, warum der nördlichste Teil der Flottwellstraße nicht als Einbahnstraße konzipiert worden sei, warum kein „Shared-Space“-Bereich, warum keine Spielstraße?

Es sei nur darum gegangen, den Durchfahrverkehr herauszuhalten, war die Antwort von Argus, man wolle nicht den Anliegerverkehr behindern. Die Gewerbetreibenden, wie die Druckerei und das Bildungswerk und natürlich die Anwohner selber produzierten Verkehr, der nicht behindert werden solle, das spräche gegen die Einbahnstraßenlösung. Die Tatsache, dass da auch schwere Diesel-LKWs fahren würden, spräche gegen eine Spielstraße. Allerdings seien Spielstraßen-Elemente im Konzept erhalten. Beispielsweise solle die unübersichtliche Ecke Kurfürsten/Dennewitzstraße als verkehrsberuhigter Bereich gestaltet werden. Anders könne man hier den Übergang für Fußgänger gar nicht sichern.

Kontrovers ging es zu beim Thema Bäume. Die einen beklagten das Abholzen der alten Straßenbäume – Pappeln, Ahorne und Götterbäume, die zum größten Teil letztes Jahr einer Nacht- und Nebelaktion zum Opfer fielen. Siehe dazu Bericht auf diesen Seiten vom Februar 2012: https://gleisdreieck-blog.de/2013/02/25/flottwellstrasse-16-baeume-geopfert/

Die letzten vier Bäume wurden wohl in diesem Jahr gefällt. Andere meldeten sich per Zwischenruf: „Gut so, dass die endlich weg sind“ und „Waren doch nur Pappeln“ und „Kommen ja neue hin“. Wo die neuen Bäume hinkommen, ist jedoch nicht klar, erklärte Herr Dittrich. Eventuell könnten die neuen Bäume auch im Bereich der Fahrbahn gepflanzt werden. Ob das mit den in der Straße liegenden Leitungen möglich sei, würde zur Zeit geprüft.

Finanzierung nicht gesichert – Gelder der Sozialen Stadt zweckentfremdet

Völlig ungesichert ist noch die Finanzierung. Die Arbeiten am Verkehrskonzept selbst wurden bisher mit Geldern des Quartiersmanagements aus dem Förderprogramm der Sozialen Stadt bezahlt. Eigentlich sind dies Mittel, die für die Förderung der sozial Schwachen und Benachteiligten zweckgebunden sind, also für genau die Menschen, die in den letzten Jahren aus dem Gebiet zwischen Flottwell- und Potsdamer Straße systematisch verdrängt wurden.

Weil die Bezirksämter von F’Hain-Kreuzberg und Mitte es in den Bebauungsplanverfahren jedoch versäumt haben, die Investoren über städtebauliche Verträge an der Finanzierung der Straße zu beteiligen, wurden nun für die Erarbeitung des Verkehrskonzepts Gelder der Sozialen Stadt zweckentfremdet.

Für die Realisierung der neuen Straße reichen diese Gelder jedoch nicht aus. Die Bauarbeiten sollen mit einer Mischfinanzierung bezahlt werden: Wiederherstellungspflicht der Investoren für die Gehwege + Gelder des Senats für Fußgängerüberwege + freiwillige Beiträge der Investoren, von Baugruppen und Eigentümern. Mit den bisher zur Verfügung stehenden Mitteln sei nur eine billige, robuste, pflegeleichte  Gestaltung möglich – Betonwürfel statt gestaltete Poller.  Aus dem Publikum kam jedoch der Wunsch nach besonderer Gestaltung, nach Fortsetzung des Parks im Straßenraum. Ohne zusätzliche finanzielle Mittel sei dies nicht machbar, war die Antwort vom Podium.

„Wer mitgestalten wolle, solle doch erstmal das Scheckbuch zücken.“ meinte der Bezirksstadtrat.

Frühere Artikel zur Flottwellstraße

https://gleisdreieck-blog.de/category/flottwellstrasse/

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