„Hey cool, wo ist das in Berlin?“

Gefährliche Situationen im Park – was passiert hier?

In den letzten Tage gab es immer wieder gefährliche Situationen im Park. Junge Männer sind auf Elektrorollern mit zu hoher Geschwindigkeit unterwegs, machten sich einen Spaß daraus, Spaziergänger aufzuscheuchen und provozierten dabei mindestens einen Unfall. Dann folgten Einsätze mit aus Parkhäusern geklauten Feuerlöschern, mit denen andere Parkbesucher voll eingenebelt wurden. Es folgte das anfangs hilflose Eingreifen der Polizei, die mit dem Streifenwagen im vollen Park nicht hinterherkommen konnte. Ein Tag später kam es zum Einsatz von Wannen und Polizei in Kampfanzügen. Ein Katz- und Mausspiel. Wiederum ein Tag später war die Polizei mit verdeckten Ermittlern vor Ort, es kam zu Festnahmen. Heute waren wieder Wannen und Polizisten in schwarz vor Ort.

Die Festnahmen werden nicht gezeigt, aber die Aktionen vorher werden in kleinen Filmchen gezeigt auf Instagram, Whatsapp und TikTok. Die Akteure selbst dokumentieren ihre Aktionen. Offensichtlich sind sie stolz darauf. Sie wollen gesehen und bewundert werden. Und sie bekommen auf ihren Kanälen viel Zuspruch. „Hey cool, wo ist das in Berlin?“ schreibt einer und es gibt Unterstützung mit Kommentaren wie „Danke Merkel“ und „das passiert wenn Kindergarten geschlossen ist“, als seien Angriffe auf andere Parkbesucher legitimer Protest gegen Corona-Maßnahmen. Möglicherweise stammen die Danke-Merkel-Kommentare aber auch von Trittbrettfahrern, die politisch profitieren möchten von einer an sich unpolitischen Aktion. Denn die Akteure selbst formulieren nichts, ihre einzige Sprache ist die Aktion. Die Ablehnung durch andere Parkbesucher und die Gegenreaktion der Polizei scheint ihnen zu genügen als Bestätigung ihrer Wirksamkeit. Endlich wahrgenommen werden, als stark wahrgenommen werden – darum geht es offensichtlich.

Viele der Jungs kommen aus Familien, die unter strukturellem Rassismus leiden, die ökonomisch und im Bildungssystem benachteiligt werden. Sie sind jung, wohnen wahrscheinlich in beengten Verhältnissen und leiden deswegen mehr als andere unter den wegen der Pandemie notwendigen Einschränkungen. Die Reaktionen von anderen Parkbesuchern und der Polizei bestärken sie wiederum in dem Gefühl, in dieser Gesellschaft benachteiligt und ungerecht behandelt zu werden.
Aber darf man aus diesem Gefühl das Recht ableiten, andere Menschen zu beschimpfen, ihnen Angst zu machen und sie zu verletzen? In den letzten Tage wurden mehrfach Grenzen überschritten. Eine Fahrradfahrerin hat sich bei einem durch zu schnell fahrende Jungs auf Ektrorollern verursachten Sturz das Schlüsselbein gebrochen. Es gab eine Situation, in der Messer gezückt wurden, zum Glück aber dann nicht benutzt wurden.

Mit polizeilichen Mitteln allein wird die Situation nicht zu lösen sein. Aber ohne Polizei wird es die nächsten Tage nicht gehen.

Whats-App Video, 24.04.21

Whats-App Video, 24.04.21

Screenshot, TikTok, 28.04.21
Screenshot, TikTok, 28.04.21
Screenshot, TikTok, 28.04.21
Screenshot, TikTok, 28.04.21
Veröffentlicht in Potsdamer Güterbahnhof - Westpark

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5 Kommentare zu “Gefährliche Situationen im Park – was passiert hier?

  1. Ich weiß nicht, ob ein Verbot von E-Rollern möglich ist:
    Dürfen diese nicht -theoretisch- sowieso nur auf der STRAßE fahren?
    Auf Gehwegen ist es definitiv verboten – es hält sich nur keiner dran (genausowenig wie daran, nicht zu zweit zu fahren).
    Wäre naheliegend, wenn es dann auch in Grünanlagen GRUNDSÄTZLICH per se verboten wäre.
    Nur leider wird es dann eher schwieriger, weil die deutsche Bürokratie keine zusätzlichen Verbotsschilder für etwas aufstellen wird, was sowieso nicht erlaubt ist. Zumindest tun sie sich schwer damit.
    Wir haben das mit den Halteverboten am linken Fahrbahnrand des Tempelhofer Ufers (VOR Aufstellen der Poller) durch: auf dem Uferweg = Gehweg war das Parken sowieso verboten, genauso am linken Rand einer Bundesstraße. Trotzdem war die Situation: ein Auto am anderen zu Veranstaltungen in der Station Luckenwalder Straße – incl. Lkws mit Anhänger.
    Zum Glück kamen seinerzeit dann doch erst Schilder und dann Poller … aber erst nach viel „Schweiß“ und Einsatz.

    Soviel zum E-Roller-Verbot im Park …

  2. Ich möchte die obigen Beobachtungen bestätigen und den Schlussfolgerungen beipflichten. Es ist Zeit, dieser besorgniserregenden und inakzeptablen Situation Einhalt zu gebieten, um den Gleisdreieckpark zu einem dauerhaft friedlichen Erholungsort – auch und besonders für Kinder – zu
    machen. M.E. ist ein Zusammenwirken mehrerer Akteure nötig: Ordnungsamt, Parkwächter (!?), Sozialarbeiter, Polizei (die alleingelassen überfordert scheint) und nicht zuletzt das Publikum, wir alle, koordiniert durch den Parkbeirat. Ich hoffe, dies gelingt mit dem Engagement aller. (Übrigens: überfällig ein generelles Verbot von E-Rollern im Park!)

    1. Und Fahrräder bitte! Da sind es besonders Erwachsene die bürgerlich gut situierten deutschen ohne Migrationshintergrund , die morgens Spaziergänger , Kinder und angeleinte Hunde, die rücksichtslos über den Haufen gefahren oder weg geklingelt werden !!! Mehr Sicherheit für Fußgänger, Kinder und Hunde!

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