565 Wähler:innen haben sich beteiligt

Vorstellung der gewählten Bürgervertreter:innen für den Nutzer:innenbeirat Gleisdreieck

565 Wähler:innen haben sich beteiligt an der Wahl der Bürgervertreter:innen zum Parkbeirat. Gewählt wurden Johanna Bröckel, Jürgen Blazejczak, Hannes Koch, Claudia Elsholz, Julia Stobbe, Dr. Elisabeth Meyer-Renschhausen, sowie als Stellvertreter:innen Anna Jacobi, Alma Erfurt, Andreas M. Zimpfer und Thomas Wiehe. Am 5. Oktober abends stellen sich die gewählten Bürgervertreter:innen vor in einer Halle des Technikmuseums in der Ladestraße.

Das Wahlergebnis im Hintergrund, Joahnna Bröckel am Mikrophon, rechts der Moderator der Veranstaltung am 5.10.2020

Mehr Licht! – auf diese Kurzformel brachte Johanna Bröckel ihre Kandidatur. Mehr Licht wird gebraucht, um länger spielen zu können. Gerade jetzt wichtig, wo die dunkle Jahreszeit beginnt. Johanna Bröckel hat im Gleisdreieck-Park das Fußballspielen gelernt, sie spielt im Käfig nach der Vierer-Regel. Vier gegen vier, erst ab der Mittellinie schießen, mit Bande, der Sieger bleibt drin und spielt gegen den nächsten Gegner. Johannas Kandidatur wurde getragen von ihren Mitspielern – „meine Jungs“, wie sie sich ausdrückte. Es ist eine Premiere, dass diese Nutzer:innengruppe im Parkbeirat dabei ist – wunderbar. Wahlflyer von Johanna Bröckel, PDF-Dokument

Als zweiter stellte sich Jürgen Blazejczak vor, Bewohner des Möckernkiezes, Mitglied der neuen Bürgerinitiative „Gemeinsam fürs grüne Gleisdreieck“. Die Beeinträchtigung des Parks durch Übernutzung, nächtlichen Lärm, Vermüllung und Vandalismus möchte er vordringlich angehen. Dazu seien statistische Daten notwendig, wir müssten mehr wissen über die Parkbesucher, um Lösungen zu finden.

An dritter Stelle kam Hannes Koch, der einzige unter den Kandidaten, der schon im vorherigen Nutzer:innenbeirat war und der in seinen Wahlkampf mit der Überschrift „Für einen offenen Gleisdreieck-Park“ geworben hatte. Auch er sprach sich dafür aus, die kalte Jahreszeit bis zum nächsten Frühjahr zu nutzen, um Lösungen zu finden für die von Jürgen Blazejczak benannten Probleme.

An vierter Stellen stellte sich Claudia Elsholz vor. Ihre erste Exkursion als Studentin der Landschaftsplanung Ende der 1980er Jahre hatte sie damals auf das Gleisdreieck geführt. Wie alle, die in dieser Zeit das Gelände kennenlernten, war auch sie beeindruckt von der wild gewachsenen Natur, die sich über die eiserne Bahnlandschaft ausgebreitet hatte. Heute nutzt sie den Park zu Fuß, mit dem Hund, mit dem Fahrrad, mit ihren Kindern, zum Picknick. Kennt das Gelände also aus unterschiedlichsten Perspektiven.

Als fünfte kam Julia Stobbe, die mit ihrer Familie seit kurzem am westlichen Rand des Parks wohnt. „Welche Bauprojekte sind aktuell in welcher Phase, an welcher Stelle können die Anwohner*innen mitgestalten, bzw. der Parkbeirat im Auftrag der Anwohnenden“ hatte sie zu ihrer Kandidatur geschrieben. Bei der Vorstellung betonte sie, dass sie sich um Ausgleich zwischen allen verschiedenen Parkbesuchern einsetzen möchte.

Die sechste Kandidatin, Dr. Elisabeth Meyer-Renschausen fehlte krankheitsbedingt. So kam die erste der gewählten Stellvertreter:innen zum Zuge. Auch Anna Jacobi lernte das Gleisdreieck schon in den 1980er Jahren kennen. Sie wohnt seit damals auf der Westseite des Parks, nahe zum Flaschenhals. Heute nutzt sie den Park als Joggerin, damals betrat sie das Bahngelände durch ein Loch im Zaun. Gelegentlich kam es dabei zu Begegnungen mit DDR-Angestellten (es war die sogenannte Transportpolizei der Reichsbahn), dann musste der Spaziergang kurzfristig abgebrochen werden. Ihr Freund hat damals einen Film über das Gelände gemacht.

Wäre spannend, den Film zu nochmal sehen. Nach meiner Erinnerung war zu dieser Zeit die gegenseitige Durchdringung von Natur und Technik am eindrucksvollsten. Nur kurze Zeit später, nach dem Fall der Mauer, ab 1992 wurden dann für die Baulogistik für Potsdamer und Leipziger Platz und für den Bau der neuen Fernbahn weite Teile platt gemacht. Doch damit war die Zerstörung noch nicht beendet. Noch 2007 und 2008 wurden für den Bau des Parks wertvolle historische Spuren und wild gewachsenes Grün geopfert – vor allem Rand zur Möckernstraße.

Vor der Vorstellung der gewählten Bürgervertreter:innen gab es ein Rahmenprogramm, über dessen Beiträge hier in umgekehrter Reihenfolge berichtet wird.

Frau Fleischer aus der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz vertrat Frau Renker, die normalerweise für die Senatsverwaltung am Nutzer:innenbeirat teilnimmt. Sie bedankte sich für die kontinuierliche Beteiligung der Mitglieder des vergangenen Nutzer:innenbeirats. Dann ging sie auf eine Frage ein, die gar nicht öffentlich gestellt worden war. Entsteht nicht durch den Runden Tisch, der von der BI „Gemeinsam fürs grün Gleisdreieck“ gefordert worden war und der nun Ende Oktober stattfinden soll, eine Doppelstruktur? Nein, das sei keine Doppelstruktur, stellte sie dann selbst lapidar fest. Wieso, weshalb, warum – darauf gab sie keine Antwort. Als oberste Verwaltung reicht es offensichtlich aus, einfach zu verkünden: Basta, so ist es, Punkt aus. Bei der Beantwortung der Frage, ob der Park bei der Senatsverwaltung bleiben oder ins Fachvermögen des Bezirks übergehe, hatte sie zumindest ein Argument, nämlich das der „prozesshaften Fertigstellung“ des Parks. Der Park bleibt also die nächsten vier Jahre bei der Senatsverwaltung.

Würde mich wundern, wenn die „ prozesshafte Fertigstellung“ jemals zu einem Ende käme. Ich hoffe, der Park entwickelt sich immer weiter.

Zuvor hatte Gabriele Hulitschke gesprochen. Als Mitglied des Quartiersrat Tiergarten-Süd und später des Stadtteilforums Tiergarten Süd, war sie seit 2010 Mitglied in der Projektbegleitenden Arbeitsgruppe (PAG) und dann ab 2014 im Nutzer:innenbeirat. Anhand von Bildern aus der zur Eröffnung des Ostparks entwickelten Ausstellung „Ausstellung: Gleisdreieck – vier Jahrzehnte Bürgerengagement“ ließ sie die Geschichte von den Anfängen der BI Westtangente bis zu heutigen Nutzung des Parks Revue passieren. Auch die in den letzten Jahren gescheiterten Projekte des Nutzer:innenbeirats sprach sie an: Erweiterung des Hundeauslaufes und Einrichtung eines weiteren Gemeinschaftsgartens. Sie bedauerte, dass die Zusammenarbeit der Mitglieder des Nutzer:innenbeirates nicht mehr so intensiv ist, wie in den Jahren als der Park geplant und realisiert wurde. Und sie nahm ebenso Stellung zum geplanten Runden Tisch. Sie sieht den Runden Tisch als eine notwendige Ergänzung zum Nutzer:innenbeirat, als eine Zukunftswerkstatt, die sich mit Problemen auseinandersetzt, die weit über den Park hinausgehen.

Interessanterweise hatte Gabriele Hulitschke aus der „Ausstellung: Gleisdreieck – vier Jahrzehnte Bürgerengagement“  auch ein Bild gezeigt von einer gemeinsamen Begehung in den Kleingärten POG. Wer dabei war, kann darauf die Mitglieder des Landesportbundes, des Kreuzberger Fußballverbandes und den Vorstand der Kleingartenkolonie POG wiedererkennen. Das Bild zeigt also nicht eine Begehung im Rahmen der PAG, sondern eine Begehung im Rahmen eines runden Tisches, der 2009 vom Friedrichshain-Kreuzberger Bürgermeister Franz Schulz eingerichtet worden war. Innerhalb eines Jahres wurde an diesem Runden Tisch eine Lösung für den Konflikt „Kleingärten oder Sport“ erarbeitet. Die Kleingärten wurden gerettet, der Fußballplatz kam aufs Dach des Baumarktes. Nur der Runde Tisch (nicht die PAG allein) hatte ausreichend Kompetenz und ausreichend politisches Gewicht, um eine solche Lösung zu erreichen.

Ganz zu Anfang hatte der neue Direktor des Technikmuseums, Joachim Breuninger  die Versammlung begrüßt und alle eingeladen, doch mal wieder das Museum zu besuchen, das zur Zeit – coronabedingt – sehr wenige Besucher hat.

Herr Breuninger betonte die Bedeutung der Zusammenarbeit mit dem Nutzer:innenbeirat und wies darauf hin, dass auch das Museum einen Park hat, der jedoch durch ein Zaun vom öffentlichen Park getrennt ist. Beides könnte in Zukunft miteinander verzahnt werden.

Das ist eine sehr gute Nachricht. Ich hoffe, dass in diesem Zusammenhang auch ein besserer Übergang vom Ostpark (Anhaltergüterbahnhof) zum Anhalterpersonenbahnof nördlich des Landwehrkanals mit Tempodrom und zukünftigen Exilmuseum geschaffen wird. Die Führung des Radwegs ist stark verbesserungsbedürftig. Eine bessere Lösung an dieser Stelle könnte auch den Westpark etwas entlasten.

Matthias Bauer

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