Gastbeitrag von Josef Lückerath

Urbane Mitte: damit wird der Park optisch zum Vorgarten

zuerst erschienen auf mittendran.de

Urbane Mitte ist ein Bauprojekt, direkt an der Ostseite des Westparks, dieser wiederum ist Teil des Gleisdreieckparks. Der Name „URBANE MITTE“ ist so irreführend, wie das Bauprojekt umstritten. Der Investor will ausgerechnet zwei 90 m hohe Gebäude unmittelbar an der Ostgrenze zum West-Park errichten, höher, als der Park an dieser Stelle breit ist. Damit wird der Park optisch zum Vorgarten.

Merkwürdigerweise stehen die niederen Bauten an der hinteren (Ost-) Grenze der Baufelder. Die anderen Bauten im Baufeld Nord sind 62 m hoch. Rechts und links der U1 befinden sich die 90 m hohen Bauten, dann folgen zwei weitere Bauten mit 52 m und 65 m, letzteres Hochhaus ebenfalls hart an der Grenze zum Park.

Skizze Josef Lückerath

Ausgerechnet im Baufeld Süd sind die niedrigsten Bauten geplant (49 und 25 m), hier hart an der östlichen Grenze (daneben ist die Grenze zum Technikmuseum) im Baufeld Süd, hinter und neben dem Poststellwerk (Pwl).

Damit ist aus ökologischer Sicht und in Bezug zur Klimasituation aus dem ehemaligen Bahngelände, daß wesentlich mehr Versickerungsflächen hatte als es heute, bzw. in Zukunft auch haben wird, ein gigantisches Spekulationsobjekt zu Lasten des Stadt-Klimas geworden. Da hilft auch das Versprechen nichts, man wolle für Kunst und Kultur Räume bereitstellen. Das sind Scheinargumente, die dem Stadtklima bei Weitem nicht gerecht werden. Zudem haben wir in der Gegend hier sehr viel Kulturangebote, in Form mehrerer Galerien, die Neue Nationalgalerie, das Kunstgewerbemuseum, unmittelbar neben der URBANEN MITTE das Technikmuseum und in Sichtweite das Tempodrom, ein kultureller Veranstaltungsort.

Ein Schwimmbad mit Außen- und Innenteil wäre z. B. viel angebrachter, denn an Schwimmbädern mangelt es hier seit jeher und in Verbindung mit dem Park wäre es sinnvoller als Kultureinrichtungen.

Ob alle Bürobauten zukünftig noch so zahlreich benötigt werden sei dahingestellt, dürfte aber nicht sehr wahrscheinlich sein.

Würden wenigstens Wohnungen dort errichtet, dann wäre dies ein Betrag zur Reduzierung der Wohnungsnot in Berlin, dies aber wurde mit dem Argument „zuviel Bahnlärm“ weggewischt. Dabei gibt es in der unmittelbaren Umgebung mehrere Wohnbauten, die dem Bahnlärm viel stärker ausgesetzt sind als dies je in Bezug auf die URBANE MITTE sein wird: Parkhauswohnungen und das Hotel an der Pohlstraßenrampe und gegenüber ist jetzt gerade ein Mietwohnungsblock fertiggestellt worden – an den genannten Objekten reicht ein aus dem Fenster gestreckter Arm um „mitfahren“ zu können (vorher aber bitte eine Monatskarte lösen).

Ein Umdenken sollte nicht von pekuniären (Büroflächen bringen an Miete wesentlich mehr als Mietwohnungen, wie es durch Strieder mit dem letzten Bauprojekt am Potsdamer Platz in die Tat umgesetzt wurde – trotz erheblicher Proteste aus der Berliner Bevölkerung) Überlegungen bestimmt sein, sondern zumindest aus Verantwortung für unser Stadt-Klima. Wird das Klima noch mehr missachtet, werden die geplanten Kultur- und Freizeiteinrichtungen, die publikumswirksam hervorgehoben werden, keinerlei Interesse mehr finden.

Aber der Park, um die ehemaligen Baufeldern im Osten erweitert, würde für größere Abkühlung in der ohnehin schon überhitzten Großstadt sorgen, als die Bebauung, seien es Bürotürme oder Wohnbauten. Wenn das Klima kippt, dann werden alle darunter leiden, Investoren wie auch die Bürgerinnen und Bürger. Kommt man mit dem Argument, diese kleine Fläche kann doch nur minimal das Klima beeinflussen, dann kann man diesem Argument nur entgegnen: Kleinvieh macht auch Mist. (JL)

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