Rost fetzt

Die Sanierung der Yorckbrücken Nr. 11, 14, 15 und 17 beginnt

In diesen Tagen beginnen die Sanierungsarbeiten für die Yorckbrücken Nr. 11, 14, 15 und 17. Gleise und Bahnschwellen werden abgebaut. Dies geschieht von der Nordseite der Yorckstraße, also vom Ostpark aus. Der Gleisschotter soll dann von unten, also von der Yorckstraße aus abgesaugt werden. Dann vom 29. 01. 16 bis 1. 02. 16 werden die Brücken aus ihren Lagern gehoben und auf Tiefladern ins Yorckdreieck transportiert werden. Dort wird abermals ein Schwerlastkran zum Einsatz kommen, um die vier Brückenstege auf die nordöstlich des Baumarkts Hellweg etwas höher liegende Fläche zu hieven.

Dort werden die Brückenstege sandgestrahlt, repariert und neu beschichtet. Im September diesen Jahres sollen die Brückenstege dann fertig sein und an die ursprünglichen Orte zurück transportiert werden. Die sanierten Brücken dienen dann als zusätzliche Verbindungen zwischen Ostpark und Flaschenhalspark. Die Brücken Nr. 11, 14 und 17 verbinden vorhandene Parkwege, die Brücke Nr. 15 soll als Grünverbindung dienen. Anschließend soll dann die Brücke Nr. 10 saniert werden – das ist die, die jetzt schon als Fahrrad- und Fußgängerbrücke funktioniert. Diese Brücke, die aus den 1930er Jahren stammt, ist anders konstruiert als die ganz alten Yorckbrücken. Deswegen soll sie später vor Ort saniert werden. Dazu wird sie ca. 1 m angehoben und dann eingerüstet.

Im Nutzerbeirat des Gleisdreieckparks wurde die Sanierung der Brücken kontrovers diskutiert. Es gab den Vorschlag, die Brücken an Ort und Stelle zu sanieren. Nördlich der Yorckstraße im Ostpark sind Flächen, auf denen die Brücken hätten gelagert und bearbeitet werden können – auch ohne Eingriff in die Vegetation. Für die Parkwege in diesem Bereich hätten ein paar Umwege geschaffen werden müssen. Die Sanierung vor Ort hätte im Vergleich zum Abtransport ins Yorckdreieck große logistische und vor allem finanzielle Vorteile gehabt. Deswegen hatten auch Vertreter der Bahn, die die Sanierung durchführen wird, der Senatsverwaltung ursprünglich diese Lösung vorgeschlagen.

Der Vorteil dieser Lösung wäre vor allem die Kosteneinsparung gewesen. Der Schwerlastkran hätte nur zweimal aufgebaut werden müssen, einmal beim Ausheben der Brückenstege, einmal beim Wiedereinheben. Bei der jetzt favorisierten Lösung muss der Kran dagegen viermal auf- und wieder abgebaut werden. Wie hoch diese Kosten sind, konnte die Vertreterin der Senatsverwaltung im Nutzerbeirat nicht sagen. Ist doch egal, was es kostet, hieß es dann. Die Brücken im Ostpark zu sanieren sei auf keinen Fall möglich – weil das ein Park ist, war das einzige Argument, das jedoch ausreichte, die Mehrheit im Nutzerbeirat zu überzeugen. Dass die Fläche nordöstlich des Baumarktes im Yorckdreieck eigentlich auch Teil des Park sein könnte, spielte leider keine Rolle, obwohl die Fläche im städtebaulichen Vertrag als ökologische Ausgleichsfläche für die Baufelder Möckernkiez, Yorckdreieck, Flottwell, Urbane Mitte festgelegt ist. Aber sie ist noch nicht entsprechend gestaltet, also nicht entsiegelt und nicht auf Altlasten untersucht. Bei einer entsprechende Gestaltung könnte die Fläche ein neuer Standort für weitere interkulturelle Gärten werden. Das ist nun erst mal vertagt.
Zurück zu den Kosten: Die Mehrkosten für den Transport der Brückenstege ins Yorckdreieck liegen wahrscheinlich im sechsstelligen Bereich. Eine Ahnung bringen die Zahlen zur Sanierung der Yorckbrücke Nr. 5, die laut Information des Bezirksamtes Tempelhof-Schöneberg bei 423.000,- € lagen. Noch 2008 hatte der Bezirk Tempelhof-Schöneberg ein Gutachten zu den Yorckbrücken vorgestellt und die Sanierungskosten damals auf 100.000,- € pro Brückensteg geschätzt. Die Kosten der Brücke Nr. 5 lagen also schon mehr als viermal so hoch wir ursprünglich geschätzt.
Eine Aufschlüsselung der Kosten wäre sehr interessant gewesen. Da hätte man beispielsweise raus lesen können, was der Einsatz eines Schwerlastkrans kostet. Doch diese Aufschlüsselung wollte das Bezirksamt nicht herausgegeben. Eine Anfrage vom Mai 2015 nach Informationsfreiheitsgesetz ist bis heute unbeantwortet geblieben. [https://fragdenstaat.de/a/9977]
Zur Zeit gibt es noch 30 Yorckbrücken. Sechs werden als Bahnbrücken genutzt: Nr. 3, 4, 7 und 8 durch die S-Bahn, Nr. 9 durch die Fernbahn und Nr. 21 durch das Technikmuseum. Insgesamt sechs Brücken sollen saniert werden: Nr. 5, 10, 11, 14, 15 und 17. Es bleiben also 18 Brücken mit unklarer Zukunft.
Die Yorckbrücken stehen als Ensemble unter Denkmalschutz. Es sollte also auch ein Konzept geben für die Erhaltung des Ensembles. Gibt es aber nicht. Es gibt nur ein Konzept für die Sanierung einzelner Stege, wobei nicht so sehr auf effektiven Einsatz der Finanzen geachtet wird. Zu befürchten ist, dass die Sanierung dann so teuer sein wird, dass es danach heißt, den Rest können wir uns nicht mehr leisten. Irgendwann werden dann durch den fortschreitenden Rost Teile von den nicht sanierten Brücken abplatzen, herunterfallen und eventuell jemanden verletzten. Dann wird es heißen „Gefahr im Verzug!“, die Brücken müssen nun abgerissen werden . . .

Materialien

Brücke Nr. 11: letzter Anstrich1941
Brücke Nr. 11: letzter Anstrich 1941
Nutzungsperspektiven Yorckbrücken Bezirk-Tempelhof-Schöneberg 2013
Nutzungsperspektiven Yorckbrücken Bezirk-Tempelhof-Schöneberg 2013

Übersichtsplan Sanierung Yorckbrücken, Grün Berlin, Dezember 2015, PDF

2 Kommentare zu “Die Sanierung der Yorckbrücken Nr. 11, 14, 15 und 17 beginnt

  1. Inzwischen ist bekannt geworden, dass noch nicht geklärt ist, wie die ausgebauten Yorckbrücken saniert werden können. Dafür gäbe es „bisher keinen erfolgsversprechenden Lösungsansatz“ schreibt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung u. Umwelt, Abt. X OI am 11.05.2016 in einer Stellungnahme zum Bebauungsplan Bautzener Brache 7-66 VE; wörtlich heißt es:

    „Unter I.4.2. wird unter anderem die Herstellung einer Geh- und Radwegeverbindung unter Nutzung der denkmalgeschützten, ehemaligen Eisenbahnbrücke 5 genannt. Die Formulierung, dass die Brücke 5 „zu diesem Zweck denkmalgerecht ertüchtigt werden soll“, widerspricht dem derzeitigen Erkenntnisstand. Nach den vorliegenden Gutachten, Berechnungen, Entwurfsplanungen etc. ist ein denkmalgerechter Umbau der Eisenbahnbrücke 5 zu einer vorschriftenkonformen Geh- und Radwegbrücke nicht möglich.

    Auch die Planungen zu den Brücken 10, 11, 14 und 17 haben bisher keinen erfolgsversprechenden Lösungsansatz ergeben, obwohl die DB Netz AG inzwischen intensiv damit befasst ist und drei der vier Brücken sowie die Brücke 15 bereits ausgebaut wurden.“

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