Vertrauen im Trümmern

Abriss des Ringbahnviadukts: Atempause bis zum 11. Dezember

Bis zum nächsten Treffen der Fachleute im Werkstattverfahren „Urbane Mitte Berlin“ am 11. Dezember 2014 sollen die Abrißarbeiten beim Ringbahnviadukt am U-Bhf. Gleisdreieck ruhen. Bis dahin sollen nur Aufräumarbeiten stattfinden. Bis zum 11. Dezember sei nun Zeit, sich weiter sachkundig zu machen, um dann zu entscheiden. Dies war der Vorschlag von Baustadtrat Hans Panhoff nach der heutigen Begehung, der von den Beteiligten angenommen wurde. Mit dabei waren drei Vertreter der Eigentümer der Firma Copro sowie drei Anwohner_innen.

Folgende Argumente wurde ausgetauscht:

Baustadtrat Panhoff verwies darauf, dass der Bezirk Interesse an billigem Gewerbe- und Wohnraum habe. Den sieht er in Gefahr, wenn hier zusätzliche Kosten durch den Erhalt des Viadukts entstünden.

Die Vertreter der Eigentümer argumentierten, die hier geplante neu S-Bahn S21 könne nicht über das alte Viadukt fahren. Anhand einer Zeichnung zeigten sie Draufsicht und Schnitt des neuen Bahnhofs. Aus der Schnittzeichnung ging hervor, das die neue S-Bahn ca. 1,5 m höher liegt als die Oberkante des alten Viadukts, aus der Draufsicht ging hervor, dass die Lage des neuen Bahnhofs mit Mittelbahnsteig im Norden etwas nach Osten über das Viadukt hinausragt, im südlichen Bereich etwas nach Westen. Sie verwiesen auf ein Schreiben aus der Senatsverwaltung, aus dem hervorginge, dass es nicht möglich sei, die neue S-Bahn auf das alte Viadukt aufzusetzen. Dabei würden erhebliche, zusätzliche Kosten entstehen – es war die Rede von 30 Mio.! Außerdem sei das eigentlich historische Viadukt das der U-Bahn und nicht das Ringbahnviadukt. Es bestünde Einsturzgefahr, wenn da was passiert, würden sie persönlich haften. Und durch den jetzigen Baustopp würden jeden Tag 3000.- € Kosten entstehen.

Die Gegenargumente der Anwohner waren, dass wir uns in einem offenen, diskursiven Verfahren befinden, bei dem es noch keine fertigen Pläne gibt, dessen Ergebnis also noch offen sei. Wenn das so sei, müsse es noch möglich sein, in Varianten zu denken. Und eine der Variante laute, dass man das alte Viadukt erhalte. Wenn sich herausstelle, dass dies nicht machbar sei, könne man das Viadukt immer noch abreißen. Zum jetzigen Zeitpunkt aber gäbe es keinen Grund, vorschnell eine Variante auszuschließen. Die Behauptung, dass das eine Viadukt (das der U-Bahn) historisch sei, das andere Viadukt aber nicht historisch sei, ist natürlich Quatsch. Das Ringbahnviadukt ist sogar ein paar Jahre älter als das der U-Bahn. Die Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck hat in ihrer Stellungnahme zum Gesamt-Bebauungsplan Gleisdreieck im Jahr 2006 alle Bauwerke aufgelistet, die aus ihrer Sicht denkmalwürdig sind, darunter auch das Ringbahnviadukt. Nun regelte der Gesamt-Bebauungsplan von 2006 nur die Aufteilung des Geländes in Park und in Bauflächen. Deswegen wurde die Beschäftigung mit Details wie Denkmalschutz in die Teilbauungspläne verlagert. Was natürlich nichts bringt, wenn die historische Substanz abgerissen wird, bevor es zum Teilbebauungsplan „Urbane Mitte“ kommt.

Die Sicherheits- und Haftungsfragen seien lösbar, wie auf allen Baustellen. Dass eine neue Bahn mittels Betonplatte auf ein altes gemauertes Viadukt aufgesetzt werde, sei konstruktiv möglich, kann an vielen Stellen in Berlin und anderswo besichtigt werden. Es wurde die mangelnde Transparenz auf der ersten Planungswerkstatt bemängelt. Auf die damals im Plenum vorgetragene Forderung, das Viadukt mindesten bis zum Ende des Planungsverfahrens nicht anzutasten, reagierte einfach niemand. Die Vertreter der Eigentümer blieben stumm, anstatt zu ehrlich berichten, dass sie die Abrissbagger schon bestellt hatten – was nicht gerade vertrauensbildend gewirkt hat.

Hoffen wir, das wenigsten bis zum 11. Dezember keine weiteren Fakten geschaffen werden.

Potsdamer Güterbahnhof 1896
Leider können wir den aktuellen Plan mit der S21, den die Vertreter der Eigentümer bei der heutigen Begehung dabei hatten, noch nicht hier zeigen. Auch nicht das Schreiben der Senatsverwaltung, aus dem hervorgehen soll, dass das alte Viadukt unbrauchbar sei für die neue S-Bahn. Aber dafür einen Plan von 1896. Das Ringbahnviadukt ist am östlichen Rand des Bahnhof zu sehen, hier also am oberen Rand des Plans. Die Viadukte der U-Bahn sind hier noch gar nicht eingezeichnet, sie wurden erst später gebaut und gingen 1903 in Betrieb. Durch Klick vergrößerte Ansicht laden.
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5 Kommentare zu “Abriss des Ringbahnviadukts: Atempause bis zum 11. Dezember

  1. Hallo Matthias,

    danke für die Info.

    Um welche Uhrzeit und wo ist denn das Treffen am 11. Dezember.

    herzlicher Gruß, Regine

  2. Aber das Gewerbe wird doch gar nicht „billig“, wie Panhoff sich das erhofft. Es wird genau so teuer, wie es am Markt durchsetzbar ist, und beworben wird es 100%ig als Premium-Lage. Dabei ist es völlig egal, ob die Baukosten durch den Erhalt des Viaduktes etwas höher oder durch den Abriss etwas niedriger ausfallen sollten. Ändern würde sich dadurch nur die Differenz, die der Bauherr respektive Vemieter einstreichen kann.

    Es kann natürlich sein, dass die Substanz des Viaduktes tatsächlich sehr schlecht und ein Erhalt sehr teuer gewesen wäre. Dafür hätte man aber genau hinschauen müssen, statt direkt mit dem Abrissbagger anzurücken. Apropos: „Und durch den jetzigen Baustopp würden jeden Tag 3000.- € Kosten entstehen.“ Ja, dann hätte man halt nicht anfangen sollen abzureißen, sondern gemütlich dem Frühling entgegen sehen und den Ausgang des Werkstattverfahrens abwarten sollen.

  3. für mich war es sehr bedauerlich, dass man aus den Äußerungen der Bauherren recht klar heraushören konnte wie sehr die bauliche Altlast das Budget strapazieren würde. Der Gedanke, die vorhandene historische Substanz als solides Fundament in eine neue Urbane Mitte zu integrieren ist einfach nicht vorstellbar.
    Dabei hätten die geöffneten alten Bögen, aus Richtung des U-Banhofs kommend, einen wunderbar interessanten Zugang in die neuen Gebäude schaffen, oder einen Durchgang in den Park definieren können und die neue Architektur in Teilen darauf gründen lassen.
    Vielleicht bekommt man eine Idee davon, wenn man sich anschaut, wie z.B. das „Trias“ am Ostbahnhof scheinbar auf den Bögen der Stadtbahn emporwächst. Die Spannung entsteht hier durch den Kontrast zwischen der „alten“ Substanz und dem neuen Berlin ( http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Blick_von_Michaelbruecke_auf_Bahn_und_Trias.JPG?uselang=de , ein Foto von A.M. Arnold).
    Selbst wenn die westliche Seite der Bögen zukünftig im Inneren der neuen Häuser vorstellt, wären u.U. sehr spannende Situationen entstanden. Das kann man ahnen, wenn man sich Innenaufnahmen der AEDES-Galerie am Pfefferberg anschaut.

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