Wie geht es weiter? 

Fragen über Fragen bei den Osterspaziergängen

Auf den Spaziergängen an Ostern wurde ich immer wieder gefragt, wie ist denn nun der aktuelle Stand bei der Urbanen Mitte?

Die kurze Antwort: Der erste Teilbebauungsplan für die Urbane Mitte wurde am 16. Februar 2026 erst im Ausschuss für Stadtentwicklung und dann am 26. Februar im Plenum des Abgeordnetenhauses beschlossen. Damit gibt es nun Baurecht für die ersten zwei der insgesamt sieben geplanten Hochhäuser. Die sollen auf der Fläche beim Poststellwerk in der Nähe der Skateranlage entstehen. Dank der Unterstützung von über 400 Spender:innen ist die Geschichte damit aber nicht zu Ende. Die Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck e. V. ist in der Lage, gegen den Bebauungsplan vor Gericht zu ziehen. Gleich nach der Veröffentlichung im Amtsblatt werden wird die AG Gleisdreieck e.V. mit den Naturfreunden Berlin e.V. eine Normenkontrollklage gegen den Bebauungsplan Urbane Mitte Süd einreichen. Damit werden wir einen langen Weg beschreiten, auf dem wir weiter Unterstützung benötigen. Das Ende ist offen.

Neben den Spenden werden wir weiter Unterschriften für unsere Petition sammeln. Zwar haben wir am 26. Februar schon einmal die Petition mit 36.371 Unterzeichner:innen im Abgeordnetenhaus übergeben. Aber das ist nur ein Zwischenstand. Hier zu sehen sind 49 Unterschriften, die von Kindern gesammelt wurden. Wir werden sie bei geeigneter Gelegenheit der Politik übergeben, ebenso wie unsere Online-Petition, die weiterläuft.Vielleicht erreichen wir noch die 50.000?

Die lange Antwort: Wir hatten im Februar bis zum letzten Moment gehofft und der Kraft unserer Argumente vertraut. Nach vielen Gesprächen mit Abgeordneten aus den Regierungsfraktionen, nach vielen E-Mails, die Freunde des Gleisdreieckparks an Politiker geschrieben hatten, sah es lange so aus, als würde der Bebauungsplan keine Mehrheit im Abgeordnetenhaus bekommen.

Auf ihrem Landesparteitag im November 2025 hatte die SPD beschlossen, das Projekt zu stoppen und eine Neuplanung anzugehen mit Wohnen, weniger Versiegelung, klimagerecht und gemeinwohlorientiert. Genau das, was wir seit langen gefordert hatten.

Nun sind die Abgeordneten der SPD – außer Sevim Aydin – aber doch ihrem Senator gefolgt, der keine Neuplanung wollte. Der Bebauungsplan Urbane Mitte Süd wurde unverändert beschlossen mit 100% gewerblicher Nutzung, 100% Versiegelung und fast 50% mehr Bauvolumen als im städtebaulichen Vertrag von 2005 vorgesehen. Wohnen wird explizit ausgeschlossen. Dennoch spricht der Senator in der Öffentlichkeit von Wohnen. Angeblich soll es statt Büros dort ein Hotel und möbliertes Kurzzeitwohnen geben. Beides wird den vielen Wohnungssuchenden in Berlin nicht helfen. Dabei wäre das südliche Baufeld aus unserer Sicht das einzige, wo tatsächlich Wohnen realisiert werden könnte, denn hier gibt es eine lärmabgewandte Seite zum Wäldchen auf dem Gelände des Technikmuseums.

Das eigentliche Wohnen soll laut Senator Gaebler jedoch auf dem nördlchen Baufeld der Urabanen Mitte stattfinden. Wann weiß keiner so genau, denn zuvor müsste die S-Bahnlinie S21 geplant und gebaut werden, die durch den Sockel der Hochhäuser verlaufen soll. Wohnen im nördlichen Baufeld ist aus unserer Sicht unrealistisch aus mehreren Gründen.

  • Die Lärmbelastung durch die Bahnlinien ist im nördlichen Baufeld noch höher. Und dort gibt es keine lärmabgewandte Seite wie beim südlichen Baufeld.
  • Baukonstruktion und technische Ausstattung von Hochhäusern ist sehr teuer, insbesondere, wenn die Gebäude auf der geplanten neuen S-Bahnlinie S21 stehen sollen.
  • Mindestens eines der Hochhäuser soll dort von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft „Stadt und Land“ übernommen werden. Wenn dort tatsächlich Sozialwohnungen entstehen sollen, müssten diese sehr hoch subventioniert werden.

Die Qualität des Parks spielt bei den zuständigen Politikern offensichtlich gar keine Rolle mehr. Mit dem Hinweis auf „Wohnen“ – auch wenn unrealistisch und zeitlich in weiter Ferne – wird alles andere weggewischt.

Die 90-Meter-Türme sollen nach wie vor dort stehen, wo der Westpark des Gleisdreiecks nur 60 m breit ist. Die Türme würden sehr negative Auswirkungen haben auf das Stadtklima und auf die Aufenthaltsqualität im Park, egal ob da Wohnen oder Büros drin sind. Das belegen die Gutachten zum Klima, zum Wind und zur Verschattung.

Wir werden uns weiter für den Park einsetzen. Auch die Unterlassungsklagen der Urbanen Mitte Besitz S.à.r.l. werden uns davon nicht abhalten. Für mehr Klimaschutz und weniger Bauspekulation brauchen wir weiter eure Unterstützung!

Herzlichen Gruß

Matthias Bauer
Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck e. V.

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