Gleisdreieck im Wahlkampf

CDU-Kandidat Timur Husein fordert Schließung des Gleisdreieck-Parks ab 22 Uhr

Timur Husein, der Kandidat der CDU für die Wahlen zum Abgeordnetenhaus in Friedrichshain Kreuzberg nutzt die Gunst der Stunde. Er greift ein Thema auf, zu dem den Friedrichshain-Kreuzberger Regierungsparteien bisher nicht viel eingefallen ist – möglicherweise, weil sie hoffen, das erledigt sich von selbst nach der Pandemie.

In einem Flugblatt mit der Überschrift „Wie geht es weiter mit dem Gleisdreieck-Park“ – übrigens fast gleichlautend mit der Überschrift des Artikels von Jürgen Blazejczak. hier in diesem Blog vor ein paar Tagen, fordert Timur Husein die nächtliche Schließung des Parks ab 22 Uhr sowie die Kontrollen durch einen Sicherheitsdienst.

Flugblatt von Timur Husein, wurde in den letzten Tagen in die Briefkästen auf der Kreuberger Seite des Gleisdreiecks verteilt.

Timur Huseins Forderung ist eine verständliche Reaktion, denn alles, was bisher zur Lösung der Probleme unternommen wurde, hat nichts gebracht. Der Lärm, die Zerstörungen und Vandalismus haben eher zugenommen. Dazu gab es immer wieder Meldungen über schwere Körperverletzungen durch Auseinandersetzungen unter jugendlichen Partygängern.

Was am Runden Tisch mit Senatsverwaltung, Grün Berlin, Nutzerbeirat und Bürgerinitiative über den den Winter 20/21  entwickelt wurde, war zu wenig war. Und das wenige wurde dann auch noch halbherzig oder gar nicht umgesetzt.

Wenn ich Abends bei REWE in der Bautzener einkaufe, sehe ich die Jugendliche, wie sie voll beladene Einkaufswägen mit Bier und Wodka Richtung Park schieben. Und bei schönem Wetter lese fast jede Nacht die Alarmmeldungen in WhatsApp. Wo kommen denn die Bässe her ? Was macht die Polizei gerade, wie viel Leute habe Anzeigen gemacht usw.

Der Park ist zu einem Magnet geworden für die Jugend, die sich treffen will, sich untereinander zeigen will, die Gemeinschaftserlebnisse sucht, die feiern will mit gemeinsamer Musik, dabei die enthemmende Wirkung des Alkohols nutzend.

In dieser Mischung sind Appelle an Vernunft und Rücksichtnahme chancenlos. Genauso wie Flyer und Hinweisschilder. Aber auch mit polizeilichen Mitteln ist das schwer zu kontrollieren. Denn es braucht offensichtlich Orte, an denen Partys und Exzesse möglich sind.

Kann man das zivilisieren, kann es ein friedliches Nachtleben im Gleisdreieck-Park ohne Lärm, ohne Müll und ohne Vandalismus? Momentan nicht vorstellbar. Individuell angesprochen sind die meisten Jugendlichen sicher verständnis- und rücksichtsvoll. Aber in großen Gruppen und unter Partybedingungen läuft es ganz anders.

Es fehlen die Alternativen zum Feiern, wie die Love-Parade damals in den 90er Jahren, es fehlen Räume wie die Industriebrachen und leerstehende Gebäude. All dies ist inzwischen fast vollständig verschwunden. Eigentlich klar, dass nun die Parks zu Party-Locations werden.

Welches könnten die räumliche Alternativen zu den Parks sein? Wo sind Freiräume, die die Jugendlichen sich aneignen können?

Das Ungeplante lässt sich schwer planen. Es sollte dennoch versucht werden, Angebote zu machen. Warum beispielsweise nicht Teile der ehemaligen Flughäfen in Tempelhof und Tegel als Party-Location nutzen?

Ohne solche Alternativen ist das nächtliche Absperren des Park möglicherweise die die einzige Option, die uns bleibt.

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