Argumente gegen die Urbane Mitte im Stadtentwicklungsausschuss

Im Januar wendeten sich 12 Initiativen an den Stadtentwicklungsausschuss Friedrichshain-Kreuzberg mit der Bitte, im Ausschuss ihre Argumente gegen das Projekt Urbane Mitte vortragen zu können. Damals war der Teilbebauungsplan Urbane Mitte Süd mit den ersten beiden von 7 Hochhäusern öffentlich ausgelegt. Hintergrund für die Bitte war die oft gemachte Erfahrung, dass Stellungnahmen von Bürgern zu Bebauungsplänen in der Regel keine Beachtung finden. Oft kennen die Bezirksverordneten die Inhalte noch nicht einmal, wenn es zur Abstimmung über den Bebauungsplan kommt.

Nun letzte Woche, am 14.04.21 fand die zuvor mehrfach verschobene Sitzung des Stadtentwicklungsauschuss statt. In 11 kurzen Stellungnahmen konnten Vertreter der Initiativen ihre Argumente vortragen.

  • Angela Laich vom Bündnis Stadtnatur K61 sprach unter der Überschrift “Erst Roden, dann Begutachten“ über das Artenschutzgutachten.
  • Achim Appel vom Verein Bäume am Landwehrkanal e.V. wendete sich gegen die 100%ige Versieglung des Bauvorhabens, durch das die Ableitung des Regenwasser in die Kanalisation notwendig wird, die dann bei Starkregen überlauft und sich in den Landwehrkanal entlastet, was dort zu Fischsterben führt.
  • Manfred Schubert, Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz e.V., wendete sich gegen die ungenügende Begrünung der Dach- und Fassadenflächen und äußerte sich zum Problem des Vogelschlags. Schätzungsweise 100 bis 150 mio. Vögel sterben jährlich in Deutschland an den Glasflächen von Hochhäusern!
  • Heike Jacobsen, Verein Möckernkiez e.V., Jutta Werdes vom Quartiersrat Schöneberger Norden und Regine Wosnitza, von der IG Potsdamer Straße zeigten wie die Aufenthaltsqualität im Park unter Hochhausbebauung leiden wird. Und sie kritisierten die Gutachten zum Klima und Windkomfort, die von falschen Grundlagen ausgehen.
  • Norbert Rheinlaender, Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck e.V., erläuterte die Bedeutung des Ortes für den Denkmalschutz, die von den Autoren des Bebauungsplans ignoriert wird.
  • Patrick Vater, von der Anwohnerinitiative Schöneberger-Luckenwalder Straße widersprach den offiziellen Verkehrsgutachten, die eine reibungslose Erschließung über die kleinen Zufahrtsstraßen voraussagen – allerdings unter der Voraussetzung das keiner in der zweiten Reihe parkt.
  • Dr. Volker Kreibich, Stadteil-Forum Tiergarten Süd, zeigte dass nach dem Hochhausleitbild der Standort grundsätzlich ungeeignet wäre und erläuterte, dass im Katastrophenfall die Enge zwischen Hochhäusern und Bahnlinien eine große Herausforderung darstellt.
  • Jörg Borchardt, Stadteil-Forum Tiergarten Süd, stellte in Frage, ob nach Corona noch so viel Büroraum gebraucht wird und zeigte, dass – auch laut Lärmgutachten – an bestimmten Stellen Wohnen durchaus möglich wäre.
  • Matthias Bauer, Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck e.V., wendete sich gegen das immense Bauvolumen. Allein durch die Herstellung des Rohbaus der Urbane Mitte Süd würden ca. 15.000 Tonnen CO2 emittiert. Das im städtebaulichen Vertrag von 2005 vorgesehene Maß der Bebauung würde weit überschritten.
  • Norbert Rheinländer, Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck e.V., kritisierte den Städtebau, der mit den Hochhäusern den Potsdamer Platz in das Gleisdreieck hinein verlängert.
  • Rainer Bohne, Stadtplaner, erläuterte, auf welch auf wackligen Füssen das Projekt planungsrechtlich steht.

Die vollständigen Beiträge vom 14.04.2021 mit den gezeigten Abbildungen hier als PDF-Dokument

Rückblick:

Bitte um Debatte über den Bebauungsplan VI-140cab „Urbane Mitte Süd“ im Ausschuss für Stadtentwicklung des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg

4 Kommentare zu “Argumente gegen die Urbane Mitte im Stadtentwicklungsausschuss

  1. Danke für die gute Zusammenfassung, die deutlich die Meinung der Anwohner widerspiegelt – kein Mensch möchte diese riesigen Bürogebäude mitten im Park.
    Berlin benötigt seit Corona keine neuen Büroräume. Erst recht nicht auf Flächen die aktuell als Erholungsort dienen. Berlin braucht Gemeinschaftsorte und Grünflächen.

  2. Ich finde es sehr weltfremd, wie mit aller Macht versucht wird, Hochhäuser in Berlin zu verhindern. Die genannten Argumente dagegen sind konstruiert- am Ende handelt es sich um „Totschlagargumente“, die alles Neue verhindern. Hier geht es nicht um Wolkenkratzer, sondern um moderat hohe Häuser. Die Kombination kleine Hochhäuser mit Park finde ich sehr reizvoll, gelungen und großstädtisch. Wenn man Hochhäuser grundsätzlich nicht mag, sollte man das direkt sagen. Dies kann aber im 21. Jahrhundert ernsthaft keine Diskussionsgrundlage sein. Außerdem sind wir ein Rechtsstaat, geschlossene Verträge müssen eingehalten werden.

  3. Herzlichen Dank für die Erarbeitung der Stellungnahmen und für das Engagement, finde alles sehr klar und logisch dargestellt und nochmals erhellend, hoffe Bezirk reagiert entsprechend darauf.

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