Für und Wider

Argumente für die ZLB am Blücher Platz als Erweiterung der AGB und Argumente für die ZLB am Gleisdreieck

Ein oft genanntes Argument gegen die Ansiedlung der ZLB am Gleisdreieck ist, dass die Amerika-Gedenk-Bibliothek als Standort vorgezogen wird. Viele haben sich darauf schon festgelegt – noch bevor der Standort Gleisdreieck in die Diskussion kam. Der Sinn unserer Unterschriftenaktion war jedoch nicht, andere Standorte schlecht zu machen, sondern dafür zu sorgen, dass das Gleisdreieck bei der Prüfung der Standorte durch die Senatskulturverwaltung berücksichtigt wird. Es gibt für beide Standorte gute Argumente, hier kurz zusammengefasst:

Für den Bau der ZLB als Erweiterung der AGB am Blücherplatz/Halleschen Tor spricht:

  1. Liegt verkehrsgünstig an den U-Bahnen U1, U6 und U7.
  2. Knüpft an an die 60jährige Tradition des Ortes als Bibliothek. Schon beim Bau der AGB in den 50er Jahren wurde an die späteren Erweiterungsmöglichkeiten gedacht.
  3. Der Blücherplatz bildet den Abschluss der städtebaulichen Achse Friedrichstraße, früher die wichtigste Nord-Süd-Verbindung durch das historische Zentrum Berlins und eine der lebendigsten Straßen.
  4. Es stehen Flächen in der Nachbarschaft der AGB zur Verfügung. Im Workshopverfahren „Mehring- und Blücherplatz“ im November 2014 wurde gezeigt, wie die neue Bibliothek dort platziert werden könnte, z. B. auf dem westlich der AGB benachbarten Parkplatz. Allerdings hatte keiner der Entwürfe das Volumen des ursprünglichen Entwurfs für die ZLB am Tempelhofer Feld. Auch zusammengerechnet mit der vorhandenen Nutzfläche der AGB blieben die Entwürfe weit unter den 50.000 m² Nutzfläche, die für die neue ZLB ursprünglich vorgesehen waren.

Für das Gleisdreieck sprechen folgende Argumente:

  1. Verkehrstechnisch liegt es unschlagbar günstig: U1 und U2 am U-Bhf: Gleisdreieck, U7 und S1 und S2 an der Yorckstraße, später wird noch die S21 dazu kommen.
  2. Das Gleisdreieck liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zu geschäftlichen, kulturellen und politischen Zentren: Potsdamer Platz, Kulturforum, Holocaust-Mahnmal, Brandenburger Tor.
  3. Früher ein blinder Fleck im Stadtgrundriss schafft das Gleisdreieck heute neue Verbindungen zwischen den Stadtteilen. Mit der Grüntangente ist ein neues Element in den Berliner Stadtgrundriss gekommen – vielleicht der Boulevard des 21. Jahrhunderts – mit Fuß- und Fahrradwegen vom Standrand bis ins Zentrum. Tausende Besucher aller Generationen unterschiedlichster Herkunft nutzen die Parks am Gleisdreieck auf ihren Alltagswegen, zur Erholung und Entspannung und als Treffpunkt.
  4. Entlang des Parks wurden durch städtebauliche Verträge riesige Bauvolumen geschaffen. Dieses Baurecht wurde bisher hauptsächlich privat genutzt. Mit dem Vorschlag ZLB möchten wir dafür sorgen, dass wenigstens auf diesem zentral gelegen Baufeld der „Urbanen Mitte“ eine öffentliche, sich dem Park zuwendende Nutzung stattfindet.

Beide Standorte sind also geeignet.

Bis 2016 sollen verschiedene Standorte geprüft werden, dann wird entschieden, so lautet bisher der Fahrplan der Senatsverwaltung für Kultur zur Standortsuche für die ZLB.
Der Sinn unserer Unterschriftenaktion war und ist, dass das Gleisdreieck bei dieser Prüfung der Standort berücksichtigt wird, weil wir uns hier an dieser zentralen Stelle – auf dem „Urbane Mitte“ genannten Baufeld –  Kultur, Bildung und Begegnung wünschen anstelle von 70% Büroraum und 30% sogenannten lebendigen Nutzungsmix aus Gastronomie, Einzelhandel, Hotel und ein bisschen Wohnen.
Die bisherigen Bauprojekte am Park im Gleisdreieck wollen zwar von der Lagegunst am Grünen profitieren, aber sie geben dem Park nichts zurück. Bibliothek und Park jedoch würden sich wunderbar ergänzen.
Es ist zu hoffen, dass trotz Vorentscheidungen verschiedener Parteien für den Standort AGB, der Standort Gleisdreieck doch noch ernsthaft geprüft wird. Die Fraktion der CDU im Abgeordnetenhaus hat sich kürzlich für den Standort AGB ausgesprochen. Auf der Kreisdelegiertenkonferenz der SPD steht demnächst ein Antrag zur Abstimmung, mit dem sich die Partei für den Standort AGB festlegen soll.

Materialien

3 Kommentare zu “Argumente für die ZLB am Blücher Platz als Erweiterung der AGB und Argumente für die ZLB am Gleisdreieck

  1. Das Problem am Gleisdreieck konnte die Lärmbelästigung durch die U-Bahnen sein. Deren Geräusche sind sehr durchdringend, und ich vermute, dass die akustische Abschottung für eine Bibliothek äußerst aufwendig wäre.
    Der Blücherplatz wäre auch aus diesem Grund vermutlich preisgünstiger und daher die erste Wahl.
    Am Gleisdreieck würde die Bibliothek zudem direkt den touristischen Bereich berühren. Es wäre politisch zu entscheiden, ob die ZLB auch Werbeträger und Erlebniswelt für Touristen werden, dann wäre sie am Gleisdreieck richtig, oder doch mehr dem konzentrierten Lesen der Berliner dienen soll, dann wäre nach meinem Eindruck beispielsweise der Blücherplatz besser.

  2. Der Neubau für die ZLB soll sich auf den Parkplatz westlich der AGB am Blücherplatz beschränken, so die Friedrichshain-Kreuzberger Bürgermeisterin Monika Herrmann. Der Parkplatz hat eine Fläche von ca. 3000 m². Wenn dort die ZLB hinkäme, mit beispielsweise 35.000 m² Nutzfläche, also rund 55.000 m² Bruttogeschossfläche, dann müsste man hier 19 Geschosse in die Höhe bauen, das wären ca. 60 m. Im Wettbewerb für die ZLB auf dem Tempelhofer Feld wurde noch von 52.000 m² Nutzfläche, also 83.000 m² Bruttogeschossfläche ausgegangen. Dafür müsste man auf dem Parkplatz ein Gebäude mit 90 m Höhe hinstellen. Ob das den Beteiligten so klar ist? In dem oben verlinkten Gutachten (Städtebauliches Workshopverfahren Mehring- und Blücherplatz, November 2014) sind jedenfalls nicht diese Volumen berücksichtigt worden.

    1. Ich meine auch, dass der Parkplatz allein nicht reichen kann. Man wird große Teile der Parkanlage sowie die Fläche der jetzigen AGB mit einbeziehen müssen. Wenn man dies schön und für jedermann einladend gestaltet, wäre dies eine gute Lösung. Aber auch das Gleisdreieck wäre ein guter Standort. Beide Standorte wären mit ÖPNV gut erschlossen und für berliner Verhältnisse zentral.

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