Denkt mal nach

Urbane Mitte am Gleisdreieck: alle bringen ihre Argumente ein, manche mit dem Abrissbagger

Von vielen Seiten wurde das Planungsverfahren „Urbane Mitte“ am Gleisdreieck vorab mit Lob bedacht. Endlich mal ein Planungsverfahren, das nicht mit einer fixen Idee beginnt, sondern offen ist und partizipieren möchte von den Ideen vieler. Aber ist dem tatsächlich so?

Gleichzeitig mit der ersten öffentlichen Veranstaltung am Dienstag, den 25. 11. 14 in der Station, Luckenwalder Straße war draußen das Schlagen und Hämmern der Abrissbagger zu hören. Während drinnen die Ideen der interessierten Öffentlichkeit abgefragt wurden, wurden gleichzeitig draußen die gemauerten Bögen des alten Ringbahnviadukts zertrümmert. Der Abschnitt von der Ecke Luckenwalder/Schöneberger Straße bis zur U1 liegt schon am Boden, nur der abgeschrägte Eingang in der Achse der Schöneberger Straße steht noch. Im hinteren Bereich, südlich der U1 wurde von der Parkseite aus versucht, die Bögen zu Einsturz zu bringen, indem in den Scheitelpunkten Kerben eingestemmt wurden. Vergeblich, die Bögen stürzten (noch) nicht ein wie gewünscht. Werden also noch ein paar Tage stehen.

Urbane Mitte Berlin-Gleisdreieck, 26. November 2014, Abriss des Ringbahnviadukts from matthias bauer on Vimeo.

Alle Teilnehmer, die sich während der Veranstaltung öffentlich äußerten, kritisierten den Abriss als voreilig, äußerten ihre Bestürzung und Unverständnis, dass zu Beginn des Planungsverfahren auf diese Weise Fakten geschaffen werden.

Allen voran Helmut Maier, Autor des Buches „Anhalter Bahnhof“ [http://www.amazon.de/Berlin-Anhalter-Bahnhof-Helmut-Maier/dp/3882451084]. Helmut Maier beschrieb die historische Funktion des Viadukts, über das die auf dem Ring verkehrenden Züge mit dem Potsdamer Bahnhof im Zentrum verbunden waren. Er wies darauf hin, dass heute noch hunderte Bögen dieser Bauart zwischen Jannowitzbrücke und Charlottenburg aktuellen Verkehr tragen, dass das Argument der Baufälligkeit nicht zutreffe. Man sehe ja, wie die Bagger sich fast die Zähne ausbissen. Und er beschrieb die neue S-Bahnlinie S21, die etwa ab dem Jahr 2025 in der Achse des alten Viadukts hier vom Potsdamer Platz (Ebene -1), über den Landwehrkanal hochkommend auf der Ebene +1 das Gleisdreieck zu einem zentralen Umsteigepunkt zwischen S- und U-Bahn machen wird.

Alle, die sich öffentlich äußerten, plädierten dafür den Abriss zu stoppen. „Off records“ war auch von Vertretern des den Planungsprozess moderierenden Büros Jahn, Mack und Partner zu hören, man habe den Investor geraten, den Abriss nicht jetzt durchführen zu lassen.

Auch der später dazukommende Baustadtrat Hans Pannhof plädierte in kleiner Runde im Gespräch mit Dr. Vogel als Vertreter der Investoren für einen Abriss-Stopp, vor allem um das Werkstattverfahren nicht zu belasten. Dr. Vogel antwortete, es doch schon immer klar gewesen, dass das Viadukt abgerissen werden müsse. Dafür gäbe es vier Argumente:

  • die Baufälligkeit, bzw. die Sicherheit
  • aufgrund der die niedrigen Höhen der Bögen, die angeblich nur 2,20 m betragen würden, sei in den Bögen keine vernünftige Nutzung möglich
  • die S21 könne nicht auf dem Viadukt fahren
  • das Viadukt steht nicht auf der Liste der Denkmalschützer

Nur das vierte Argument entspricht leider den Tatsachen. Dr. Vogel versprach jedoch zu einem Vor-Ort-Termin einzuladen am Donnerstag den 27. 11. 14. Mal sehen, was dann noch zu retten ist.

Am Mittwoch, den 26.11.14 ging der Abriss ungebremmst weiter, als sei nichts gewesen.

Bilder vom 25. 11. und 26. 11. 2014

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.