Sommer in Berlin

Den Gleisdreieck-Park genießen

In den letzten Wochen war es oft zu heiß, um Spazieren zugehen. Trotzdem sind auf den Wegen im Park überall Menschen unterwegs. Im Flaschenhals treffe ich zwei spanisch sprechende Radlerinnen, die sich sich nicht scheuen, mit ihren Fahrrädern den gemulchten Weg entlangzufahren. Für Entdecker ist einfach nichts zu anstrengend. Für andere Radler sind die Wege durch den Park dagegen schon Alltag. Die bleiben natürlich lieber auf den mit Beton und Asphalt befestigten Wegen.

Hunderte sind schon am Ziel, sie lagern auf den großen Wiesen, eigenartigerweise sind es mehr im Westpark als im Ostpark – obwohl dort mehr Bäume Schatten bieten würden. Viele sind für den Ausflug in den Park ausgestattet mit Decken, mit Essen und Getränken. Es ist fast wie im Schwimmbad, einen Strand gibt es auch, nur das Wasser fehlt. Am Nachmittag werden die Leute aktiver: kleine Jungs kicken in Trikots von Manuel Neuer und Lionel Messi. Freesbee-Spieler haben sich mit rot-weißen Hütchen ein Spielfeld markiert. Es gibt Federballspieler und ein Mann übt sogar mit einem Kricketschläger. An der U1 spielen Kinder Basektball, springen auf den Trampolins oder versuchen mit Fahrrädern über die kleinen, asphaltierten Hügel zu fahren. Am Wasserspender unter der Hochbahnbrücke der U1 bilden sich immer wieder Schlangen.

Im Ostpark auf dem Platz bei den langen Bänken spielen Rentner Boule. Am Sonntag ab 18 Uhr wird die benachbarte Fläche vor den Holzstufen am Lagerschuppen des Technikmuseums zur Tanzfläche für Mambo. Ein krasser Kontrast zu den gestressten Gesichtern der vorbeihetzenden Jogger. So unterschiedlich wie die Sportarten sind auch die Sprachen, die man unterwegs zu hören bekommt und die Musik, von der Blues-Gitarre bis zum Techno.

Am Abend ändert sich das Bild ein wenig. Statt der Familien nun überwiegend junge Leute, die sich mit Getränken niederlassen auf der Wiese und auf den großen Holzstufen an der Tunneleinfahrt. Wo ist der nächste Späti? ist eine häufige Frage. Manchmal sind es auch größere Gruppen, die gemeinsam feiern, die ihren Platz beleuchten mit Lampions, die sie an den Bäumen befestigen. Kleinere Grüppchen machen es gelegentlich sehr stilvoll, sitzen mit Teelichtern auf ihren Decken und trinken aus echten Weingläsern.

An den Wochenenden unter der U1, neben dem Graffiti-Häuschen entwickelt sich später Partystimmung, harte Beats und lautes Stimmengewirr. Wer Anschluss sucht, kann hier mitfeiern. Die Flaschensammlerinnen mit ihren Rollis sind ebenfalls nachtaktiv und bewegen sich kontinuierlich durch den Park, von Mülleimer zu Mülleimer. Dank des grünen Tartanbelags, mit dem die Architekten vom Büro Loidl unter der Hochbahnbrücke der U1 Asphalt und Beton überzogen haben, gehen hier nicht so viele Flaschen zu Bruch. So gesehen der ideale Party-Belag. Ab und zu rollt ein Security-Man der Parkaufsicht mit gelb leuchtender Weste auf seinem Fahrrad langsam vorbei, hält aber lieber nicht an.

Nach über 20 Jahren Engagement für den Park freue ich mich, dass so viele Menschen den Park nun genießen – auf so viele unterschiedliche Arten – obwohl es mir selbst schwerfällt, mich hier zu entspannen. Denn immer wieder fallen mir Geschichten ein, z. B. die, als der Senatsbaudirektor, Herr Stimmann rhetorisch fragte

„Wozu brauchen wir hier einen Park? Wir haben doch das Umland und Mallorca.“

Das war im Jahre 2001 auf einer Veranstaltung im Gemeindesaal in der Kreuzberger Wartenburgstraße. Herr Stimmann war gerade dabei, die neuen Baufelder an der Flottwellstraße durchzusetzen, leider erfolgreich – obwohl der Flächennutzungsplan hier Grün vorsah – und übrigens bis heute vorsieht!

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