Sehr geehrte Abgeordnete,
in Berlin wird am 20. September 2026 gewählt. Es sind also noch gut sieben Monate, in denen Sie uns Berliner und Berlinerinnen von Ihrer Politik überzeugen können. Mein Appell an Sie bzgl. des Bebauungsplans Urbane Mitte ist:
- Machen Sie nicht kaputt, was erst vor wenigen Jahren erfolgreich geschaffen wurde!
- Setzen Sie sich für Wohnungsbau ein – aber da, wo es realistisch ist und wo es nicht die Lebensqualität so vieler Anwohner zerstört.
- Und ja, verbessern Sie die Sicherheit in Berlin. Aber denken Sie dabei nicht nur an Polizeistärke und Zäune – sondern eben auch an eine ausgewogene Stadtplanung.
Als SPD setzen Sie dabei offenbar auf das Thema Wohnen. Als CDU auf Sicherheit. Und beide Themen sind aus meiner Sicht als Bürgerin und Anwohnerin des Gleisdreieckparks relevant, wenn es um die nun bevorstehende Abstimmung zur „Urbanen Mitte“ geht.
Wohnen – es klingt gut, wenn Sie sich als Abgeordnete für Wohnungsbau in Berlin einsetzen wollen. Doch ich bitte Sie, insbesondere Sie als SPD-Abgeordnete, dem umstrittenen Bauvorhaben nicht unter diesem „Feigenblatt“ zuzustimmen.
Die öffentlich zugänglichen Planungsunterlagen, die bisherigen Aussagen der Projektentwickler, Medienberichte und nicht zuletzt das, was engagierte Bürger im Gleisdreieck‑Blog herausgearbeitet haben, zeigen: Der überwiegende Teil der Bebauung bleibt gewerblich und die wenigen angekündigten Wohnungen sind bislang weder verbindlich festgeschrieben noch planerisch konkretisiert.
Dass also wirklich Wohnraum entsteht, da ist die Chance gering. Vielmehr ist zu befürchten, dass nur weitere Hotels entstehen oder hochpreisige möblierte Unterkünfte für Touristen oder andere, die nur kurzfristige in Berlin eine Bleibe suchen.
Darum bitte ich gerade Sie als SPD-Abgeordnete – aber natürlich gilt das genauso für jeden von der CDU: halten Sie Ihre Wähler und Wählerinnen nicht für dumm. Und setzen Sie sich da für Wohnungsbau ein, wo es realistisch ist. Und wo es nicht ökologische und soziale Lebensqualität zerstört, wie eben im Gleisdreieckpark. Dieser Park – ich habe es Ihnen schon im Sommer geschrieben – ist so wichtig für die Menschen in Schöneberg und Kreuzberg und weit darüber hinaus. Er ist Treffpunkt inmitten dicht bebauter Quartiere. Im Sommer bietet er Abkühlung von der Hitze. Im Winter Flucht vor dem dreckigen Berlin-Matsch.
Mit dem Gleisdreieckpark wurde vor 13 Jahren ein ökologisches und soziales Kleinod eröffnet. Es ist ein Ort, der Berlin guttut – klimatisch, sozial, kulturell.
Wenn Sie das durch Ihren Beschluss zerstören sollten, ist es nicht wieder rückgängig zu machen!
Mit den ökologischen Argumenten gegen die Bebauung einer so großen Fläche mit Hochhäusern (weitere Bodenversiegelung, Verschattung, Erzeugung von künstlichen Windschneisen etc.) haben Sie sich als Abgeordnete hoffentlich auseinandergesetzt. Darüber ist viel geschrieben worden.
Mir ist auch das Thema Sicherheit wichtig – und da möchte ich gerade Sie als CDU-Abgeordnete ansprechen.
Als Anwohnerin und regelmäßige Parkbesucherin sehe ich täglich, wie gut der Park funktioniert. Er ist ein Ort, an dem sich Menschen jeden Alters sicher fühlen. Ein Ort, der – anders als viele andere Parks – kaum von Drogenhandel oder Kriminalität betroffen ist. Das liegt am offenen, einsehbaren Raum, an der guten Pflege durch GrünBerlin (die im Übrigen auch in den vergangenen vereisten Berliner Winterwochen auffällig gut funktioniert hat – im Vergleich zum Rest der Stadt) und an den kulturellen und gastronomischen Angeboten von BRLO und B-Part/Jules.
Dieses Gleichgewicht aber ist fragil. Und eine Bebauung mit Hochhäusern würde all das zerstören.
Ihre Entscheidung würde ein erfolgreiches Berlin-Projekt zerstören. Würde einen Park zerstören – der richtig gut geplant wurden und seit der Eröffnung 2013 (Westpark, der vor allem durch die Bebauung gefährdet wäre) bzw. 2011 (Ostpark) ein “gelungener” Park ist, der von so vielen Menschen jeden Alters, jeder Nation genutzt wird. Für Spaziergänge, Sport, Erholung und kleine Feiern.
Ich habe es Ihnen allen schon einmal geschrieben und erinnere Sie nun noch mal daran – denn meine Angst besteht weiter: Wer wird sich im zugigen Windschatten von Hochhäusern in Zukunft aufhalten? Weiterhin Familien mit Kindern, spielende Jugendliche, Spaziergänger oder dann doch – was zu befürchten ist – eher Drogendealer, laute Jungendgangs und Kleinkriminelle?
Wie schwer es ist (vielleicht sogar unmöglich), das wieder einzufangen, sehen Sie am Gegenbeispiel zum Gleisdreieckpark: dem Görlitzer Park!
Mit Ihrer Entscheidung für das Projekt Urbane Mitte würden Sie den Gleisdreieckpark wesentlich verändern und in seinem Grundzügen zerstören. Und all das Positive aufs Spiel setzen, wofür der Park steht: friedliches und freundliches Miteinander sowie Lebensqualität in den angrenzenden Bezirken Schöneberg und Kreuzberg.
Was die Vertragspflicht betrifft, verweise ich nur auf die Gutachten und die Einschätzung Ihrer Bezirkskollegen aus Friedrichshain-Kreuzberg. Es würde auch anders gehen!
Darum wiederhole ich meinen Appell an Sie als Abgeordnete von CDU und SPD, gerade in diesem Wahljahr:
- Machen Sie nicht kaputt, was erst vor wenigen Jahren erfolgreich geschaffen wurde!
- Setzen Sie sich für Wohnungsbau ein – aber da, wo es realistisch ist und wo es nicht die Lebensqualität so vieler Anwohner zerstört.
- Und ja, verbessern Sie die Sicherheit in Berlin. Aber denken Sie dabei nicht nur an Polizeistärke und Zäune – sondern eben auch an eine ausgewogene Stadtplanung.
In diesem Sinne hoffe ich, dass Sie das Interesse der Berliner und Berlinerinnen im Blick haben – und nicht nur das der Investoren.
Ich werde am 20.09.2026 eine Wählerin sein und hoffe, Sie überdenken Ihre Entscheidung noch einmal in meinem Sinne und im Sinne vieler anderer Berliner und Berlinerinnen, mit denen ich über dieses Thema immer wieder spreche und das – so meine Erfahrung – sehr viele Menschen in dieser Stadt bewegt.
Mit freundlichen Grüßen.
E-M. L.