Argumente

Die geplante Bebauung „erschlägt“ den Park: optisch, psychologisch, akustisch, klimatisch

Sehr geehrte Damen und Herren,

es gehen sicher täglich viele höchst sachkundige und paragraphenbestückte Stellungnahmen bei Ihnen ein. Ich will dies nicht alles referieren und dennoch meine großen Widersprüche als Anwohnerin bekunden.

Die aktuelle Situation gebietet gradezu eine Überprüfung des Bedarfs nach Gewerbeflächen in der City. Corona ist kein vorübergehendes Phänomen, sondern seine Präsens in verschiedener Form bleibt erhalten und vor allem werden nachhaltige Veränderungen im Berufsleben, im Gewerbe, im Sport-, Spiel- und Freizeitbereich unsere Zukunft bestimmen. Die Nutzung des Parkes ist sehr wohl von der geplanten Bebauung betroffen. Aktuell ist die Auslastung des Parks winters wie sommers groß, selbst ohne Touristen konnten wir feststellen, wie regelrecht überfüllt oder positiv betrachtet: sehr gut angenommen die Flächen und Betätigungsmöglichkeiten sind. Die Wohnbebauung an den Rändern, speziell gegenüber der „Urbanen Mitte“ ist noch gar nicht abgeschlossen. Viele Tausend Menschen gehören zur unmittelbaren Nachbarschaft und wohnen hier, weil Wohnen, Arbeiten und Freizeit sich hervorragend verzahnen, ohne dass man per Auto oder (häufig überlasteten Öffis) wegfahren muss.

Die geplante Bebauung „erschlägt“ den Park: optisch, psychologisch, akustisch, klimatisch und von der Anzahl der Menschen, die dann temporär auch wieder Anrainer und Nutzer sind.

Allen wissenschaftlichen Erkenntnissen über urbanes Wohnen und was dies menschenwürdig und zukunftsoriertiert macht, würde mit dieser massiven Hochhausdichte widersprochen.

Ich fordere alle Beteiligten auf, sich der Tragweite veränderter Ausgangsbedingungen bewusst zu sein und dieses Projekt auf den letzten Metern zu stoppen!
Die Hoffnung stirbt zuletzt . . . bei Astrid Lösche

6 Kommentare zu “Die geplante Bebauung „erschlägt“ den Park: optisch, psychologisch, akustisch, klimatisch

  1. Der durchschnittliche Flächenverbrauch in Deutschland liegt immer noch bei 56 Hektar pro Tag. Der weitere Flächenverbrauch muss beendet werden. https://www.nabu.de/news/2020/07/30hektartag.html#:~:text=14.%20Juli%202020%20%2D%20Das%20Ziel,Tag%20auf%20den%2014.%20Juli.
    Ich kann nicht verstehen, warum sich die Leute vor diesem Fakt verschließen. Diese Fläche liegt mitten in der Stadt, ist bereits eine versiegelte Fläche. Es soll ja nicht der Park bebaut werden. Warum sollte darauf nicht gebaut werden dürfen? Warum sollte dort nicht dicht gebaut werden? Warum sollte dort nicht hoch gebaut werden?
    Dieses Projekt würde gerade eine weitere Flächenversiegelung außerhalb der Stadt verhindern. Jedoch sollte die vorgesehene Nutzung geändert werden – hin zu mehr Wohnraum und Flächen für Kleingewerbe, Start-Ups, Kultur…
    Insbesondere der Bau von Hochhäusern ist nicht das Problem sondern die Lösung. Wir können in Zeiten des Klimawandels nicht weiter machen wie bisher und weiter unberührte Natur außerhalb der Stadt versiegeln.
    Der Park am Gleisdreieck würde dadurch an Attraktivität gewinnen. (siehe Central-Park in New York)
    Daher sollten die benötigten Wohn- und Gewerbeflächen in der Stadt, bevorzugt in Hochhäusern gebaut werden. In diesem konkreten Fall würde ich vorschlagen, die Hochhäuser höher (120, 110, 100, 90, 80, 70, 120), aber schlanker auszuführen und in den oberen Etagen Wohnungen zu errichten. Somit bleibt zwischen den Hochhäusern Platz für Grünanlagen.

    1. Die Fläche sei schon versiegelt? Nein, war sie als Bahngelände überwiegend nicht und ist sie bis heute nicht, wenn der Schnee weggetaut ist, wird es wieder sichtbar.

      Zuviel Fläche wird zubetoniert in Deutschland? Richtig 56 ha täglich sind viel zu viel. Aber das Opfer von 3 ha am Gleisdreieck schützt keine Fläche am Stadtrand oder anderswo vor weiterer Versiegelung. Die 3 ha Versiegelung am Gleisdreieck dienen ausschließlich Büros, Einzelhandel und kommerziellen Vergnügungsstätten. Ist es richtig, dafür die 3 ha Versiegelung hinzunehmen?

      Lieber Innen bauen als Außen? Im Prinzip Zustimmung, aber bitte mit Augenmaß. Es gibt Außenbereiche im Innern, die sind wichtig, klimatisch und sozial – nicht erst seit Corona. Nach Ihrer Argumentation sollten wir alle innerstädtischen Parks zubauen. Was ist eigentlich mit dem Tiergarten – 250 ha neue Stadt im Inneren von Berlin?

      Hochhäuser bedeuten nicht unbedingt gleich hohe Dichte auf die gesamte Stadt gesehen: Vergleichen Sie mal die Bevölkerungsdichte von Berlin und Chicago. 4115 zu 4627 Einwohner pro km², also nur etwas mehr in Chicago, obwohl dort die gesamte Innenstadt aus Hochhäusern besteht.

    2. Sie gehen von falschen Grundlagen aus.Der Grund ist nicht vollständig versiegelt. Außer dem waren die Ursprünge der Planung vor Corona. Wer braucht heute noch Bürotürme???

  2. Der Park am Gleisdreieck benötigt für die (sportliche)Erholung und das Wohlbefinden der Besucher Luft, Licht und Ausblicke. Diese Atmosphäre würde durch die geplante Bebauung erheblich eingeschränkt, wenn nicht überhaupt verloren gehen. Wenn die so genannte urbane Mitte in den Park verlagert wird, der dann vermutlich nur mehr Beiwerk zu den Baukörpern ist, könnte man im Gegenzug wohl kaum den Potsdamer Platz zum Erholungsgebiet deklarieren.

  3. Das Vorhaben ist völlig überdimensioniert udn folgt damit wie viele andere auch eher Verwertungsinteressen als realen Bedarfen. Noch weniger entspricht es stadtökologischen Grundsätzen: zu hohe Gebäude, Verkehrsaufkommen in einem bereits hoch verdichteten Bezirk. Vor allem Büroflächen sollten nicht in diesen Bereichen gebaut werden.
    Was fehlt sind bezahlbarer Wohnraum und günstige Gewerbeflächen für kleine Handwerksbetriebe oder Gemeinschaftsflächen
    Wenn hier schon gebaut werden sollte, dann möglichst kleiner dimensioniert und mit mehr Wohnen statt Büroflächen. Wer heute Bürohäuser baut, sollte per se so bauen, dass eine Umwandlung in Wohnraum mit überschaubarem Aufwand möglich wäre.

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