Wie wollen die ganze Bäckerei

Yorckbrücken Nr. 14 und Nr. 15 zurück

Zwei kurze Filme von Dieter Wettig zeigen wie die beiden Yorckbrücken Nr. 14 und 15 nach Instandsetzung und Umbau am 17. August wieder angeliefert und in die neu hergestellten Widerlager eingebaut wurden. Wie geht es weiter mit den restlichen Yorckbrücken? Nr. 1, 12, 13, 16, 18, 19, 20 und 23 bis 30 rosten weiter vor sich hin.

Entscheidend für die Sanierung der Yorckbrücken 14, 15 und 17 war die Überlegung, dass die instandgesetzten Brücken nicht abstürzen dürfen, falls ein LKW gegen die Stützen fährt. Deswegen wurden die Brückenstege so umgebaut, dass sie auch ohne die Stützen halten. Vor Ort ist nun eine große Lücke zwischen den Stützen und den Brückenträgern zu sehen. Diese Art der Sanierung ist weder denkmalgerecht noch kostengünstig. Und sie zeigt gleichzeitig ein eigenartiges Verantwortungsbewusstsein der staatlichen Verwaltung. Ein sanierte Brücke darf niemanden auf den Kopf fallen. Da wir kein Aufwand gescheut. Bei den unsanierten Brücken Nr. 1, 12, 13, 16, 18, 19, 20 und 23 bis 30 wird das Risiko jedoch hingenommen – dafür fühlt sich keiner zuständig.

Wie man es anders machen könnte, hab ich in meinem Artikel im Mai anlässlich der Rückkehr der Yorckbrücke Nr. 17 skizziert.

Mein Vorschlag: die Yorckstraße wird so umgebaut, dass die jeweils rechte Spur als Fahrradspur ausgebaut wird. Die Fahrradspuren werden von den Autospuren durch eine durchgehende Barriere getrennt. Diese Barriere dient gleichzeitig als Anprallschutz für die Stützen der Yorckbrücken.

Bestand

Derzeitiger Querschnitt (ohne die Einschränkung durch die Baustelle) der Yorckstraße unter den Yorckbrücken.

Vorschlag für Umgestaltung

Vorschlag für die Veränderung des Querschnitts: Reduzierung auf zwei Fahrspuren für Autos, Schaffung von Fahrradwegen auf der Fahrbahn. Die Barrieren zwischen Autofahrspuren und Fahrradwegen dienen gleichzeitig als Anprallschutz für die Brückenpfeiler und machen so eine denkmalgerechte Sanierung der Yorckbrücken möglich

Vorschlag für Umgestaltung

Möglich wären auch die Anlage von drei Spuren für den Autoverkehr bei einer Reduzierung der Fahrradwege auf jeweils 2 m Breite. Die zusätzliche dritte Auto-Spur könnte wechselnd für den Autoverkehr Richtung Osten oder Westen genutzt werden, das Abbiegen erleichtern und und als Haltestreifen für die BVG-Busse dienen.

 

Wiedereinbau der Yorckbrücke Nr. 17 nach 1212 Tagen – Zeit für einen Vorschlag zur Sanierung der Yorckbrücken 12, 13, 16, 18, 19, 20 und 23 bis 30

5 Kommentare zu “Yorckbrücken Nr. 14 und Nr. 15 zurück

  1. Das sonst so pingelige Amt für Denkmalschutz verlangt z.B. das die Brücken originalgetreu per Hand warm vernietet werden, hat aber kein Problem damit, dass die Stützen keine tragende Funktion mehr haben. Die jetzige Sanierung ist anscheinend denkmalgerecht genug dass sie genehmigt wird. Es geht vor allem um Erhalt der Substanz und der Form, nicht so sehr um Funktionserhalt.

    In einem früheren Blogeintrag stand, dass ein Professor den Brücken die Standsicherheit bescheinigt, selbst wenn alle Stützen ausfallen. Sie könnten halt bloß nicht mehr benutzt werden. Da die restlichen Brücken nicht mehr benutzt werden, gibt es hier auch kein Problem. Diese müssten nicht mit diesem Zusatzaufwand saniert werden. Die Sanierung ist so oder so teuer. Jetzt noch die Straße umzubauen, damit die Stützen noch eine Funktion haben, geht (scheint mir) in die Richtung „Schwanz wackelt mit dem Hund“.

    1. Hallo Heinz Löffler,
      die Standsicherheit ohne die Stützen hatte Professor Lorenz für die Yorckbrücke Nr. 5 nachgewiesen, siehe meinen Beitrag https://gleisdreieck-blog.de/2019/03/17/baudenkmal-yorckbruecke-nr-5-eine-pragmatische-loesung-in-sicht/
      Die Yorckbrücke Nr. 5 ist jedoch ein Sonderfall, weil sie aus einem durchlaufenden Träger besteht, während die meisten anderen (noch nicht sanierten) Brückenstege aus drei Elementen bestehen, sogenannte Gerberträger sind, die natürlich herunterfallen, wenn eine Stütze weggeboxt wird.
      Ein Anprallschutz wäre die einfachste und kostengünstigste Lösung, um die Gefahr bei einer Cambriolage eines LKWs mit einer der Stützen zu bannen. Genau dies wird schon praktiziert an anderen Stellen in der Stadt, z. B. im Bülowbogen sind die Stützen des U2-Viadukts mit einem Anprallschutz gesichert.
      Bisher war die Verwaltung der Meinung, es gäbe keinen Platz unter den Yorckbrücken für einem solchen Anprallschutz. Die Skizzen zeigen jedoch, dass dies möglich ist.

  2. Hallo Matthias,
    danke für den spannenden Beitrag und die Filme.
    Allerdings weisst Du ja selbst am besten, daß die nun angewandte Sanierungsvariante natürlich denkmalgerecht, aber eben auch ein Abbild unserer furchtbar komplizierten Bau- und Planungsrealität ist.
    Genauso weißt Du natürlich, daß die unsanierten Brücken praktisch ebenso wenig einsturzgefährdet sind, deren Sanierung nach der Entlassung aus dem Verkehrswegekreuzungsgesetz und mit einer finanziell sehr sehr hartleibigen Deutschen Bahn tatsächlich leider weiterhin in den Sternen steht.

    1. Lieber Heinz Jirout,
      dass die jetzt durchgeführte Sanierung der Yorckbrücken 11, 14, 15 und 17 nicht denkmalgerecht ist, ist nicht nur meine Meinung. Auf der Veranstaltung des Arbeitskreis Technikgeschichte im Deutschen Technikmuseum im März diesen Jahres waren alle Beteiligten, einschließlich der mit dem Projekt befassten Ingenieure der Auffassung, dass das veränderte Tragwerk und die gefakten Stützen keine denkmalgerechte Sanierung darstellen. Es wurde als teure Notlösung gesehen, weil für das Problem des Anpralls von LKWs an die Stützen keine andere Lösung in Sicht war.
      Nun mit meinem Vorschlag gibt es die Möglichkeit einen Anprallschutz im Straßenraum zu installieren. Dies würde eine tatsächlich denkmalgerechte Sanierung der restlichen Yorckbrücken ermöglichen und gleichzeitig erheblich Kosten sparen. Allein für die Umrüstung der schon sanierten Yorckbrücke Nr. 5 sind 800.000.- € veranschlagt, die bei Umsetzung meines Vorschlag eingespart werden könnten.

      Gleichzeitig würde die Yorckstraße im Sinne einer ökologischen Mobilität weiterentwickelt. Die nun monatelange Einschränkung auf eine Fahrspur pro Richtung für die Autos hat gezeigt, dass dies möglich ist, ohne Stau zu produzieren. Ich würde mir wünschen, dass die Idee von der Politik aufgegriffen und geprüft wird.

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