Wieso, weshalb, warum . . . ?

Abriss des Stellwerks AGB im Flaschenhals – eine Spurensuche

Stellwerk Anhalter Güterbahnhof (AGB) 2017 und 2014

Nur noch Trümmerhaufen geordnet nach Materialien, Klinker, Beton, Elektroschrott erinnern an das Stellwerk ABG im Flaschenhals, das vor einigen Wochen abgerissen wurde. Für den Park, der von der Dialektik zwischen historischer Technik, wildem Grün und neuer Nutzung lebt, ein schwerer Verlust, denn das Stellwerk war einer der letzten gut sichtbaren baulichen Zeugen für den Anhalter Güterbahnhof im Bereich Flaschenhals. Wie konnte es soweit kommen?

Die Beteiligten betonen ihre Nicht-Zuständigkeit: das Technikmuseum, die für den Park zuständige Abteilung bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, die Grün Berlin GmbH, der Bezirk Tempelhof Schöneberg. Alle verweisen auf die landeseigene BIM, die Berliner Immobilienmanagement GmbH, die die Fläche verwaltet. Die wiederum bekam von der Eisenbahnbehörde den Hinweis, dass das Gebäude baufällig sei, nachdem die Eisenbahnschwellen in den letzten Monaten erneuert wurden. Es bestünde die Gefahr, dass Bauteile herunterfallen auf einen vorbeifahrenden Zug. So entschied sich die BIM für den Abriss.

War der Abriss also unvermeidlich?

Insgesamt 24. Mio. € standen als Gelder für ökologischen Ausgleich für den Park am Gleisdreieck zur Verfügung. Und weil bestimmte Dinge eben nicht als ökologische Ausgleichsmaßnahme finanziert werden können, wurden zusätzliche Gelder aus dem Landeshaushalt mobilisiert, z. B. über 300.000,- € für das Poststellwerk im Ostpark oder über 100.000.- € für den kleinen Kiosk am Eingang Hornstraße, dessen Außenhaut so empfindlich ist, dass man noch nicht einmal ein schwarzes Brett daran befestigen kann.

Wären da nicht auch noch 50.000,- € drin gewesen, um dem Stellwerk im Flaschenhals ein neues Dach zu spendieren und den Verfall zu stoppen? Selbstverständlich ja, wenn die Beteiligten es gewollt hätten, anstatt sich einfach für nicht-zuständig zu erklären.

Falsche Weichenstellung – verpasste Chance

Als 2014 der Flaschenhalspark eröffnet wurde, wollte die BIM die Fläche an den Park abgegeben. Man dachte, dass dies hier genauso funktionieren könne wie im Ostpark. Im Ostpark verläuft die Museumsbahn durch den Park. An mehreren Stellen kreuzen die Parkwege die Bahn. Dies hat in den letzten Jahren ohne Probleme funktioniert. Genauso sollte es auch im Flaschenhals funktionieren. – dachte die BIM. Und die Planungen für den Park waren genau darauf ausgelegt, wie ein Ausschnitt aus der offiziellen Entwürfen des Atelier Loidl zeigt.

Planung des Atelier Loidl für den Flaschenhals vom 11. 12. 2012

Der Park wäre etwas größer geworden, die Trockenwiesen am östlichen Rand des Flaschenhalses wären zugänglich. Am östlichen Rand des Flaschenhals zeigt die Planung einen zusätzlichen Weg. Und es hätten zusätzliche Eingänge zum Flaschenhalspark geschaffen werden können, beim Rosenduftgarten über die Yorckbrücke Nr. 22 vom Ostpark kommend, am Parkplatz von Auto-ATU, am sogenannten Stadtbalkon am Lidl-Parkplatz und beim Biergarten „Floriansgarten“, heute „Ponte Rosa“ genannt.

Bei der Eröffnung des Flaschenhalsparks am 21. März 2014 wurde der Zaun zur Museumsbahn noch als Provisorium bezeichnet. Alle dachten, ok, das kommt später noch dazu. Auch die BIM dachte das. Doch die Übergabe der Fläche an den Bezirk kam nicht zustande. Letztlich blieb der BIM nichts anderes übrig, als den provisorischen Bauzaun in einen dauerhaften Zaun umzuwandeln.

Warum das so kam, bleibt im Dunkeln. Weder der Bezirk Tempelhof-Schöneberg, noch die Grün Berlin GmbH, noch die Senatsverwaltung haben offiziell erklärt, warum die ursprüngliche Planung für den Flaschenhals nicht umgesetzt wurde.

Im Protokoll des 2. Werkstattgesprächs zu den Planungen im Flaschenhals am 24. 06. 2010 heißt es:

Frage: Werden die Gleise der Museumsbahn künftig eingezäunt?
Antwort: Eine Einzäunung ist nicht vorgesehen.

In der schriftlichen Begründung des B-Plans 7-21, der am 5. Mai 2014, also 1 ½ Monate nach der Eröffnung des Flaschenhalsparks ausgelegt wurde, finden sich folgende Sätze:

. . . Auch die nachrichtliche Übernahme der vom DTM genutzten Gleise, Weichen und des Stellwerks als Bahnfläche trägt den Belangen dieser Kulturgüter Rechnung . . . Seite 25

. . . Die Aufrechterhaltung der Bahnwidmung für die Brücke 21 trägt im vorliegenden Fall den kulturellen Bedürfnissen der Bevölkerung Rechnung: Das Deutsche Technikmuseum unterhält eine Museumstrasse zwischen dem Museumsgelände an der Trebbiner Straße und dem Lokschuppen südlich der Monumentenstraße. Dabei führt die Trasse über das Gleisdreiecks- und Flaschenhalsgelände. Das auf dem Flaschenhalsgelände befindliche Stellwerk soll zu Museumszwecken ausgebaut werden. An dieser Stelle plant das Museum auch die Errichtung eines zusätzlichen Haltepunktes . . . Seite 40

Wieso, weshalb, warum es anders kam . . . da bleiben Fragen offen.

Materialien

Artikel über das Stellwerk AGB auf diesen Seiten, August 2014

Offener Brief an den Direktor des Technikmuseums: Bitte retten Sie das Stellwerk Agb!

 

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4 Kommentare zu “Abriss des Stellwerks AGB im Flaschenhals – eine Spurensuche

  1. Ich bin erstaunt dass man immer noch so dumm ist, solche Perlen wie dieses süsse Gebäude abzureissen, egal wie runtergekommen das auch war. Denn auch wegen Sowas kommen doch die Touristen-und nur ums Geld geht es den Dummköpfen doch die Sowas abreissen lassen.

  2. Am 9.09. 2017 und 10.09.2017 ist in Berlin „Tag des offenen Denkmals“. Am Sonntag, 10. September 2017, 18 bis 20 Uhr steht eine öffentliche Veranstaltung „Macht und Pracht – das Doppelte Berlin“ im Berliner Rathaus, (Großer Saal)auf dem Programm. Zitat aus
    http://www.stadtentwicklung.berlin.de/denkmal/denkmaltag2017/?mid=1215
    „Um den Tag des offenen Denkmals gemeinsam ausklingen zu lassen, laden die Senatsverwaltung für Kultur und Europa und das Landesdenkmalamt traditionell zum abschließenden Denkmalsalon in das Berliner Rathaus ein. Das diesjährige Schwerpunktthema „Macht und Pracht“ hat eine starke politische Komponente.“
    Hier ist eine Gelegenheit, den Abriss des „Stellwerks AGB im Flaschenhals“ anzusprechen und den Protest öffentlich zu machen! Es ist eine öffentliche Veranstaltung (keine Anmeldung erforderlich). Der Eintritt ist frei!

  3. Danke Matthias für die Recherche. Gut dass es solche Beobachter wie dich gibt.
    Es ist sehr traurig, dass so viele Dinge einfach platt und glatt gemacht werden. Außerdem bin ich enttäuscht, dass wir Nutzer des Parks gar nicht mehr gefragt werden.
    Hilke

  4. Baufällig, so baufällig wie die S-Bahnbögen am Gleisdreieck…
    Jeder abgerissene Backstein kriegt eine Träne von mir.
    Die Flut will kein Ende nehmen.

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