Betonlaster stauten sich in der Schöneberger Straße

Chaotischer Probelauf für den Bau der „Urbanen Mitte“ am Gleisdreieck

Vor ein paar Tagen – am 5. August – wurden am Gleisdreieck Fundamente gegossen für die Container der Brauerei BRLO, die als Zwischennutzer auf dem Grundstück der „Urbanen Mitte“ am U-Bahnhof Gleisdreieck residiert. Es wurde nur eine kleine Fläche von ca. 250 m² betoniert. Aber welch krasses Verkehrschaos! Der 10-minütige Film eines Anwohners zeigt, was den Tag über so passierte.

Stundenlang warteten die Betonmischfahrzeuge mit laufenden Motoren in der zweiten Reihe, um endlich auf der Baustelle ihre Last abladen zu können. Der Rückstau auf der Schöneberger Straße ging bis auf die Kanaluferstraßen. Auch auf der Brücke über den Landwehrkanal warteten zeitweise LKWs. Die anderen Verkehrsteilnehmer, LKWs und PKWs wechselten – sobald es der Gegenverkehr erlaubte – auf die Gegenfahrbahn in der Schöneberger Straße, um an den wartenden Betonlastern vorbeizukommen. Fußgänger oder Radler mussten sich zwischen den Autos durchschlängeln. Ein lautes, stinkendes und höchst gefährliches Chaos, obwohl dank Ferienzeit nur wenig andere Autofahrer unterwegs waren und es keine Veranstaltung in der STATION gab.

Was passiert, wenn die „Urbane Mitte“ tatsächlich gebaut würde? Und nicht nur eine kleine Fundamentplatte, auf der dann ein paar Container rumstehen? Sondern Hochhäuser, bis zu 90 m hoch, tief gegründet, rund 120.000 m² Geschossfläche, also rund ein Fünftel Potsdamer Platz? Dazu noch Tiefgaragen und die neue S-Bahnlinie S21 mitsamt neuem Umsteigebahnhof am Gleisdreieck?

In den Werkstattgesprächen und Bürgerdialogen, die vom Herbst 2014 bis Januar 2015 stattfanden, war immer wieder betont worden, dass ein Verkehrskonzept erarbeitet werden müsse. Bis heute gibt es dieses Verkehrskonzept nicht. Oder liegt es in irgendwelchen Schubladen?

Die Ausschreibung zum städtebaulich-architektonischen Wettbewerb, der im Herbst 2015 stattfand, enthielt kein Verkehrskonzept. Im Februar/März diesen Jahres fand die sogenannte „frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung zum B-Plan VI-140ca Urbane Mitte“ statt, Link zu den ausgelegten Unterlagen.  In den Unterlagen fand sich kein Verkehrskonzept.

Dabei ist der Verkehr einer der für das Projekt entscheidenden Faktoren. Weder die Schöneberger Straße, noch die Luckenwalder Straße, noch die Trebbiner Straße, auch nicht die Kanaluferstraßen werden den notwendigen Baustellenverkehr aufnehmen können. Es wird offensichtlich geplant, ohne die Bedingungen vor Ort ausreichend zu bedenken.

Die „Urbane Mitte am Gleisdreieck“ wird ein Luftschloss bleiben, solange die Frage der Verkehrs während der Bauzeit und im späteren Betrieb ohne realistische Antwort bleibt. Eine Baulogistik, wie sie für den Potsdamer Platz funktionierte mit Ver- und Entsorgung über die Schiene, ist jedenfalls nicht mehr möglich.

Eine Baulogistik über die Straße ginge auf Kosten der Gesundheit und Sicherheit der Anwohner, würde den Betrieb der STATION verunmöglichen, würde den Eingang zum Westpark aus der Schöneberger und Luckenwalder Straße auf Jahre blockieren, ebenso den Zugang zum U-Bahnhof Gleisdreieck vom Westpark aus.

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120.000 m² Bruttogeschossfläche, ein Fünftel Potsdamer Platz, die Zahlen zeigen die geplanten Höhen der Investorenluftschlösser. Die Abbildung stammt aus den Bebauungsplanunterlagen, ergänzt mit den Linien für die S21, für den Fahrradweg sowie den Beschriftungen.

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