Wahlkampf?

„Wie Venedig ohne Wasser . . . wäre Berlin ohne Stadtnatur“ und „die größten Verlierer am Mietmarkt“

Zwei aktuelle Zitate, die zeigen, wie unterschiedlich die Aktualität der Stadt gesehen werden kann. Auf der eine Seite der BUND, der unter der Überschrift „Wie Venedig ohne Wasser“ . . . wäre Berlin ohne Stadtnatur“ die neue Bebauung der Bautzener Brache kritisiert. Das andere Zitat „die größten Verlierer am Mietmarkt“ stammt aus dem Berlinteil der TAZ vom 3. August. Hier wird beschrieben, wie die Angebotsmieten seit 2008 um 60% gestiegen sind, welche dramatischen Folgen das für die Betroffenen hat und wie hilflos die Politik damit umgeht.

Beide Tendenzen verändern Berlin in einer Weise, die keiner will. Die Innenstadtbezirke werden sozial entmischt, die Armen an den Rand gedrängt. Die grünen Finger, die vom Stadtrand bis in die Innenstadt reichen, werden immer weiter beschnitten. Ein kohärente Politik, die sich gegen beides wendet und konstruktiv in die Zukunft blickt, ist nicht in Sicht. Kein Wahlkampfthema.

Wie Venedig ohne Wasser . . . wäre Berlin ohne Stadtnatur

. . . Auf der Bautzener Brache, einem herrlich verwilderten ehemaligen Bahngelände zwischen Yorckstraße und Monumentenbrücke, plant ein Baumarkt-Mogul Wohnungsbau, der schon vor Baubeginn ein Zertifikat für nachhaltiges Bauen eingeheimst hat. Zu Recht? Die geplanten Häuser mögen höchsten energetischen Standards entsprechen. Aber wie können 250 Autostellplätze für 300 Wohnungen in unmittelbarer Nähe eines Bahnhofs nachhaltig sein? Der Kiez leidet heute schon unter Lärm und Abgasen. Und nicht weniger schlimm: Das Viertel entsteht auf einem Gelände, das Teil des Nord-Süd-Grünzugs ist. Dieser grüne Korridor, der vom Schöneberger Insulaner über den Gleisdreieckpark bis zum Tiergarten reicht, dient als Frischluftschneise und könnte auch in diesem Abschnitt Naherholungsgebiet für die dichtbesiedelten Innenstadtbezirke werden. Außerdem stärkt er den Biotopverbund, da er mit Südgelände, Flaschenhalspark und eben Bautzener Brache mehrere Biotope miteinander verbindet. Nebenbei erwähnt: Berlin hat sich zum Ziel gesetzt, 15 Prozent der Landesfläehe als miteinander verbundene Biotope zu sichern. Daraus wird nichts, wenn Bauvorhaben in den Biotopkorridoren umstandslos genehmigt werden . . .

Aus BUND-Zeit, 03/21016, Link zum PDF-Dokument „Wie Venedig ohne Wasser . . . „

 

Die größten Verlierer am Mietmarkt

. . . Seit ein paar Jahren ist es immer wieder das Mietenthema, das die Leute umtreibt. Natürlich, das Mietenthema. Das beschäftigt ja alle in der Stadt. Die, die daran verdienen, dass in Berlin seit 2008 die Angebotsmieten um durchschnittlich 60 Prozent gestiegen sind. Und die, die um ihre Wohnungen bangen, keine Wohnung finden, in zu kleinen Wohnungen hausen, aus den Innenstadtbezirken verdrängt werden. Kein Problem der ­Arbeitslosengeld-II-Empfänger also, aber bei ihnen geht die Entwicklung ins Existenzielle. Über 500.000 Menschen leben in Berlin von Arbeitslosengeld II – in 300.000 sogenannten Bedarfsgemeinschaften. Bei rund 40 Prozent von ihnen ist laut aktueller Studie die Miete höher, als das Amt erlaubt . . .

Link zum Artikel Berlinteil der TAZ, 03.08.2016

 

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