Stadtplanung von unten

Bürgerbegehren gegen die Bebauung der Bautzener Brache beantragt

Gegen die Bebauung der Bautzener Brache hat die Gruppe „Stadtplanung von unten“ einen Antrag auf  Bürgerbegehren eingereicht. Das Ziel des Bürgerbegehrens ist folgendermaßen formuliert:

Das Bezirksamt wird ersucht, das Grundstück Bautzener Straße 20-24, 10829 Berlin planungsrechtlich als Grünfläche zu sichern und zu entwickeln. Auf diese Weise soll der durchgehende Grünzug entlang der Bautzener Straße vor Überbauung gesichert werden. Damit wollen wir für ganz Schöneberg-Tempelhof deutlich machen, dass soziale Probleme, wie ein Mangel an bezahlbaren Wohnungen, nicht ohne Not zu Lasten der Umwelt gelöst werden dürfen. Grünverbindungen, Biotopverbindungen, wohnungsnahe Sport- und Erholungsflächen sowie Frischluftschneisen müssen erhalten bleiben und weiterentwickelt werden.

Das Begehren wurde bei der Bezirksbürgermeisterin von Tempelhof-Schöneberg eingereicht von Edelgard Achilles, Marlies Funk und Cornelia Kösters für die Gruppe „Stadtplanung von unten“ am 28. 06. 2013. Zur Zeit befindet sich der Antrag in einer „rechtlichen Überprüfungsschleife“ bei Senatens. Die Gruppe „Stadtplanung von unten“ geht jedoch davon aus, dass ab Ende August, Anfang September dann Unterschriften gesammelt werden können.

Link zum vollständigen Dokument des Antrags auf Bürgerbegehrens.

Wenn der Antrag des Bürgerbegehrens durchkommt, haben die Antragstellerinnen sechs Monate Zeit für ihren Vorschlag Unterschriften zu sammeln. Es müssen mindesten drei Prozent der Wahlberechtigten unterschreiben, als knapp 7600 Personen im Bezirk Tempelhof-Schöneberg.

Der §45, Absatz 7 des Bezirksverwaltungsgesetz sagt dazu:

 Ein Bürgerbegehren ist zustande gekommen, wenn es spätestens bis sechs Monate nach der Unterrichtung der Vertrauenspersonen über die Entscheidung des Bezirksamts über die Zulässigkeit von drei Prozent der bei der letzten Wahl zur Bezirksverordnetenversammlung festgestellten Zahl der Wahlberechtigten unterstützt wurde.

Wird diese Zahl an Unterschriften erreicht, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder die BVV stimmt dem Wunsch der Antragsteller zu, dann war die Sache schon erfolgreich. Stimmt die BVV nicht zu – was wahrscheinlicher ist – , muss innerhalb vier Monaten ein Bürgerentscheid stattfinden .

In § 47 des Bezirksverwaltungsgesetzes, Ergebnis des Bürgerentscheids heißt es:

 (1) Eine Vorlage ist angenommen, wenn sie von einer Mehrheit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer und zugleich von mindestens 10 Prozent der bei der letzten Wahl zur Bezirksverordnetenversammlung festgestellten Zahl der für die Wahlen zur Bezirksverordnetenversammlung Wahlberechtigten angenommen wurde. Bei Stimmengleichheit gilt die Vorlage als abgelehnt.

Um das zu erreichen, wäre natürlich Unterstützung weit über den Kreis der direkten Anwohner hinaus notwendig. Es wird spannend werden zusehen, ob die Gruppe „Stadtplanung von unten“ das schaffen kann.

Der Name, den sich die Initiatorinnen des Bürgerbegehrens gegeben haben, „Stadtplanung von unten“ lässt hoffen, dass sie wissen, welche große Herausforderung auf sie in den nächsten Monaten wartet. Denn „Stadtplanung von unten“ bedeutet ja nicht nur von oben kommende Planungen verhindern, sondern auch eigene Visionen und Planungen zu erarbeiten. Und dafür Überzeugungskraft zu entwickeln über den Kreis der unmittelbar Betroffenen hinaus. Auf der neuen Website der Gruppe http://stadtplanung-von-unten.de ist davon noch nicht soviel zu sehen.

Plakat in der Bautzner Straße, Abbildung von der Website http://stadtplanung-von-unten.de
Plakat in der Bautzner Straße, Abbildung von der Website http://stadtplanung-von-unten.de

Doch seien wir mal optimistisch. Die Berliner Geschichte ist voll von Beispielen kleiner Gruppen, die von den Experten in den etablierten Parteien und in der Verwaltung anfangs ausgelacht wurden. Doch dann haben diese Gruppen manch Wichtiges in der Stadtentwicklung erreicht: die Grüntangente statt der Westtangente und die Abkehr von der Kahlschlagsanierung in den gründerzeitlichen Quartieren. Zuletzt haben die Media-Spree-Versenker einen anderen Umgang mit den begehrten Ufern der Spree bewirkt. Und es waren Anwohner, die die Bäume an den Ufern des Landwehrkanals gerettet und eine kostensparende, ökologisch verantwortungsvolle Sanierung des Kanals durchgesetzt haben.

Wie wird der Bezirk Tempelhof-Schöneberg reagieren? Mit Respekt vor dem bürgerschaftlichen Engagement? Werden während das Bürgerbegehren läuft, die Planungen ausgesetzt oder werden weiter Beschlüsse gefasst und weiter Fakten geschaffen? Für die Parteien, die sich sonst gern mit Begriffen wie Bürgerbeteiligung schmücken, ein echter Belastungstest.

 

Frühere Artikel zur Bautzener Brache

Share

17 Kommentare zu “Bürgerbegehren gegen die Bebauung der Bautzener Brache beantragt

  1. Als langjähriger Bewohner der Mansteinstraße, seit drei Jahren Anwohner der Flottwellstraße, beobachte ich, dass sich die Qualität und Quantität der öffentlichen Grünanlagen im Kiez in den letzten Jahren massiv verbessert hat mit dem Gleisdreiecks- und Flaschenhals-Park, den neuen Aktivitätsangeboten für Kinder- und Jugendliche an der Ecke Bautzener Straße/Monumentenbrücke und der zukünftigen Fuß- und Radwegeverbindung zum Schöneberger Südgelände. Auch vor diesem Hintergrund ist mir unverständlich, warum man sich mit dem Pauschalargument, hier sei in den letzten Jahren schon so viel gebaut worden, gegen eine qualifizierte bauliche Entwicklung an der Bautzener Straße stemmt. Wenn ich die Planungen richtig verstehe, soll im Zuge des Bauprojekts erstmals eine Fuß- und Radwegeverbindung abseits der Bautzener Straße parallel zur S-Bahn geschaffen werden – eine m.E. weitere Verbesserung der freiräumlichen Nutzungsmöglichkeiten.

    Auch im Sinne der Nachhaltigkeit macht es m.E. Sinn, maßvoll im Innenstadtbereich zu verdichten. So werden Neubauten auf der grünen Wiese und zusätzlicher Flächenverbrauch vermieden. Gleichzeitig hätten die neuen Wohnungen an der Bautzener Straße exzellenten Anschluss an den ÖPNV, was Verkehr und Schadstoffausstoß im Vergleich zum Bauen am Stadtrand minimiert. Auch vor dem Hintergrund des Wohnraummangels in Berlin sehe ich insgesamt ein öffentliches Interesse, Baulücken und Gewerbebrachen vorrangig mit Wohnbebauung zu entwickeln. Gerade an der Bautzner Straße ist die Freiraumversorgung gut und bedarf meines Erachtens keiner zusätzlichen öffentlichen Grünflächen.

    Verständlicher Weise sind die Anwohner der Bautzener Straße nicht gerade begeistert, wenn ihnen Licht und Luft durch die neue Bebauung teilweise genommen werden. Meines Erachtens handelt es sich hier auch um einen Interessenskonflikt zwischen Eigeninteresse und gesamtstädtischen Interessen (Schaffung von Wohnraum), wie er auch in vielen anderen Bereichen zu beobachten ist: Neue Wohnungen wollen wir, aber bitte nicht vor meiner Haustür. Mehr regenerative Energien wollen wir, aber bitte keine Windräder in Sichtweite meines Grundstücks. – Gesellschaft funktioniert nur dann, wenn ab und an der Einzelne bereit ist, zu Gunsten der Gemeinschaft Abstriche in seinen Wünschen und Bedürfnissen zu machen.

  2. Oh oh. Ob es sich eigentlich bei den Bebauern um den Dr. Wolfgang Schroeder, ehemals Staatssekretät in Brandenburg handelt? Wann hat er das Grundstück eigentlich gekauft und unter welchen Umständen? Und ist es dann reiner Zufall, wenn er noch jemanden in der Berliner Verwaltung kennt…ooops

  3. so ist es leider Hr. Bauer , viele Bürger in Schöneberg reagieren mit Unverstand , weil „die Grünen“ Befürworter der Bebauung sind.

  4. Lieber Nils,
    ich fände es schade, wenn wir deine Kommentare nicht mehr lesen könnten. Bitte lass dich nicht davon abhalten, dass einzelne mit Unverstand auf deine Argumente reagieren, sondern lass uns weiter teilhaben an deinen Gedanken.

  5. Ach so ist das, wer sich hier im Blog beteiligt und abweichender Meinung ist, ist ein bezahlter Auftragnehmer oder gleich mit der Bild-Zeitung im Bunde. Wenn das das Niveau hier sein soll, verlasse ich lieber die Diskussion.

  6. Herr Nils, wir wissen ja jetzt was alternativ mit dieser Fläche „Schönes“ geschehen kann. Sie haben es selbst auch formuliert. Sie sollten zur Kenntnis nehmen, dass wie ich schon zuvor geschrieben habe im Umkreis von 1 km schon viele Neubauten entstanden sind. Ich weiss gar nicht für wen sie arbeiten ,dass sie hier so ein langes Statement abgeben. Alla Bildzeitung mutmaßen sie jede Menge Gedanken/Sorgen , die die Anwohner haben könnten und unterstellen denen hier Nichtigkeiten und Unwissen, wenn auch ich sage mal „geschäftstüchtig“ angedeutet. Über Gutachten müssen wir nicht streiten.
    und schön, dass sie Ganzjahresradfahrer sind….vielleicht dürfen wir noch mehr aus ihren Privatleben erfahren.
    who cares…..?.

  7. Matthias, ich folgere nicht dass die Bebauung gar nicht der Luftzirkulation schadet. Ich folgere aber, dass sie nicht so gravierend schadet wie es in der Begründung für das Bürgerbegheren den Anschein macht. Es geht ja hier nicht um Entweder-Oder, Schaden oder kein Schaden, sondern es ist eine Abwägungssache – wie viel „Schaden“ entsteht denn, und wie steht der im Verhältnis zum Nutzen? Der Bedarf nach Wohnraum ist groß, das vorgestellte Konzept zur Bebauung nicht schlecht, und der Schaden an der Umwelt nicht gravierend. Ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen, das ist bislang nur noch nocht geglückt.

    Warum der Bezirk eine andere, anscheinend besser passende Brache neben der BSR nicht für das Projekt vorgesehen hat kann ich nicht sagen. Ich mutmaße mal dass Herr Semer lieber an der Yorckstraße und nicht neben einem Recyclinghof bauen wollte, oder aber das Bezirksamt hat ihm in vorauseilendem Gehorsam das Grundstück an der Bautzener Straße angeboten, keine Ahnung. Weiß jemand was dazu? Stand das BSR-nahe Grundstück überhaupt zur Debatte? Schielt da gerade jemand drauf? Oder dämmert das so vor sich hin? Hierzu aber noch eine Frage: Ist die dortige Brachfläche nicht schützenswert, bzw. der dortige Einfluss auf die Frischluftschneise weniger schwerwiegend als an der Bautzener Brache? Und entsteht von dort aus nicht die gleiche Menge Verkehr wie 300 Meter weiter nördlich?

    Was die Stadtkanten betrifft, da bin ich kein allzu großer Fan von, historisch hin oder her. In diesem Falle entstanden sie aus bestimmten sozioökonomischen Begebenheiten heraus, nämlich den Erfordernissen des Eisenbahnverkehrs, und stellten für die damalige Zeit eine passende Lösung dar. Ob sie für die heutige Zeit noch immer passend sind, kann man aber anzweifeln. Auch hier sehe ich nicht das Entweder-Oder, also „keine Struktur“ oder „durchgehende Struktur“, sondern eine Abstufung und einen Entscheidungsspielraum. Sonst müsste man desn BSR-Hof direkt abreißen, der hält sich nämlich gar nicht an die Blockbebauung.

    Ich halte es für vollkommen legitim, wenn Menschen ihre Eigeninteressen vertreten. Das ist richtig so, und es kann gar nicht genug Leute geben die das machen! Als ich zu meiner Zeit als Greenpeace-Aktivist Esso-Tankstellen blockiert und Tropenholztransporte gestoppt habe, habe ich nichts anderes getan. Wenn jemand dem Möckernkiez weitere Bauten vor die Nase setzen wollen würde, fänden wir das wahrscheinlich auch doof (die Leute mit künftigem Parkblick wahrscheinlich mehr als diejenigen, die an Yorck- und Möckernstraße wohnen werden). Man sollte dann nur ehrlich kommunizieren, worum es einem geht. Sind die Naturschutzgründe wirklich so zentral, wie in der Begründung angegeben? Oder stehen andere Dinge im Vordergrund? Wie auch immer, man muss damit leben wenn einem andere Leute inhaltlich widersprechen und zu anderen Schlussfolgerungen kommen. Bei meinen Beiträgen geht es ja nicht darum, ob das Bürgerbegehren gut oder schlecht ist. Das soll laufen und gerne auch gewinnen, ich wünschen allen Beteiligten viel Glück! Ich habe eher laut überlegt, ob ich selber die Initiative aktiv unterstützen würde, und bin zu dem vorläufigen Schluss gekommen dass ich nicht ganz überzeugt bin.

    Was mich mehr überzeugen würde, wäre eine größer angelegte Initiative wie „100 Brachflächen für Kreuzberg“ oder so. Also ein Bürgerbegehren, in dem eine größere Zahl an Brachflächen mit wichtiger Funktion für Artenvielfalt, Frischluftzufuhr, Erholung und dergleichen mehr identifiziert und als Brachfläche rechtlich gesichert würden. Dann würde man die dargestellten umweltbezogenen Gründe im Ganzen sehen und bewerten können. Ich weiß, ihr arbeitet mit der Grüntangente an etwas ähnlichem. Wenn man so ein Konzept mit für den Naturschutz wichtigen Flächen entwickelt hat, kann man sich dort wo dann noch gebaut werden soll auf Naturschutz am Bau konzentrieren, auf Fragen der baulichen Dichte, Begrünung, Nistmöglichkeiten etc.

    @Ursula: Ich habe sehr genau gelesen und zugehört. Das Collignon-Gutachten geht von einer verminderten Lärmbelastung in den Bestandsbauten aus, wenn die Bautzener Brache bebaut wird. Das müsste doch positiv bewertet werden, oder nicht? Durch den Bau des Baumarktes soll es laut Gutachten in der Tat eine erhöhte Schadstoffkonzentration geben. Berlin verstößt an vielen Stellen regelmäßig gegen die EU-Richtlinie zur Luftreinhaltung; die Umweltzonen haben daran leider nicht sehr viel geändert. Radikalere Maßnahmen wie eine Innenstadtmaut und selbst softe Mittel wie spürbaren Ausbau der Radverkehrs-Infrastruktur kriegt der Senat nicht hin. Auf Wohnbauten zu verzichten, halte ich aber für die wahrscheinlich uneffektivste denkbare Art der Luftreinhaltung; da wird man z.B. mit großflächiger Dach- und Fassadenbegrünung weiter kommen. Davon sehe ich auf den Gebäuden in der Bautzener Straße übrigens herzlich wenig. Wenn ich schon einmal dabei bin, hätte ich aber noch eine Frage: Geht es jetzt um den zunehmenden Verkehr und um die knapp werdenden Parkplätze (für die ich als Ganzjahres-Radfahrer so gar kein Mitleid aufbringen kann)? Die sind nämlich in Deinem oberen Kommentar ganz prominent erwähnt. Oder um was anderes? Wir waren übrigens ein paar Jahre lang Nachbarn in der Bautzener Straße, daher kenne ich die Gegend sowohl als Wohnort wie auch als Gegend zum Durch- und Dranvorbeifahren. Und ich habe mich zu meiner Zeit dort immer gefragt, wann und was wohl aus der Brache mal werden soll.

  8. Hallo,
    ich möchte als Anwohner nochmals kundtun, dass es überhaupt nicht um die Sicht geht, die durch ein Bebauung nicht mehr gegeben wäre Sondern um die zusätzliche Verdichtung. Mehr Autos, mehr Verkehr, mehr Menschen, mehr Luftverschmutzung, mehr Lärm. Es gibt schon ohne die Bebauung „Bautzener Str. “ Gutachen, dass bereits jetzt Grenzwerte der Lärm- und Luftverschmutzung in dem Bereich Yorckstraße überschritten sind. Das ist ganz einfach und logisch.
    Hellweg eröffnet nun am 20. 9.. Auch wenn Hellweg eigenen Parkplätze anbietet, werden zusätzliche Autofahrer die Bautzener Str. benutzen. Bebauung ist nicht generell schlecht und muss sein. Jedoch in Maßen und wohlbedacht.
    Was Hr.Nils da ausführlich beschreiben will. m.E. er hat übergaüpt nicht zugehört und richtig gelesen worum es geht.Was soll ihre Passage dort ..“Versteht mich nicht falsch, ich finde zum Beispiel die Idee zu einem Gebrüder-Grimm-Park an der Stelle wirklich schick. Aber solange “Stadtplanung von unten” unterm Strich nicht mehr heißt als “Keine Neubauten!” ist mir das zu dünn. Baumarkt? Doof. Eylauer Straße? Doof. Flottwellpromenade? Doof. Ein Haus in der Crellestraße? Doof…“. Hr. Nils es stehen schon jede Menge Neubauten hier. Einmal mal mit dem Fahrrad durchfahren…Ich bin Anwohner hier seit 10 Jahrem und spüre ganz genau, wie das Umfeld sich verändert. Die Meinung der Anwohner ist viel wichtiger.

  9. Lieber Nils,

    du schreibst:

    „Die Frischluftschneise ist zudem weiter im Süden schon deutlich enger.“

    Und folgerst daraus, deswegen würde es nicht schaden, die Bautzener Brache zu bebauen.

    Das Bahngelände ist nun mal keine rechteckige Fläche. Es ist entstanden entsprechend den Bewegungen, die für Eisenbahnzüge möglich sind, und die waren eben nie rechtwinklig. Deswegen hat von der Kolonnenbrücke ausgehend ein sich nach Norden aufweitendes Gelände gebildet, das wegen seiner Form „Flaschenhals“ genannt wird. In jedem Flaschenhals gibt es immer eine Stelle, die schmaler als die vorhergehende ist. Und die man – würde man deiner Argumentation folgen – zubauen müsste, denn es ja bliebe ja immer noch eine noch schmalerer Stelle übrig. Aber – denkt man deine Argumentation zu Ende – wäre es am Ende kein Flaschenhals mehr, sondern ein schmaler, rechtwinkliger Streifen.

    Auf der Westseite des (noch vorhandenen) Flaschenhalses gibt es eine klare Kante zwischen Bebauung und Bahngelände. Diese klare Kante ist historisch entstanden, sie reicht vom Yorckdreieck im Norden bis zur Cheruskerkurve im Süden der Schöneberger Insel. Wie an anderen Stellen natürliche Elemente, z. B. die Spree zwischen Kreuzberg und Friedrichshain, bildet das Bahngelände eine Zäsur im Stadtgrundriss. Die Bahnlandschaft trennt hier die Stadtteile von Kreuzberg und Tempelhof auf der Ostseite von den Schöneberger Quartieren auf der Westseite.

    Es sind diese Zäsuren, die eine Stadt gliedern, erfahrbar und lebenswert machen und nebenbei temperieren sie auch das Klima in der Stadt.

    Etwas südlich der Bautzener Brache zwischen Monumenten- und Kolonnenstraße liegt das Grundstück der BSR, oberhalb der Böschung des Bahngeländes, mitten in einem bebauten Zusammenhang, eigentlich nur genutzt, um ein paar Müllfahrzeuge abzustellen. Das Projekt von Colligon/Semer mit den 250 Wohnungen würde hier locker hinein passen. Warum hat der Bezirk nicht diese Fläche für Wohnungsbau vorgesehen?

    Die Anwohner der Bautzener Straße kritisiert du, es ginge ihnen nur um den Blick „mit schicker Aussicht auf eine weitläufige Brach- und Gleislandschaft“, als sei es per se negativ, wenn Menschen ihre Eigeninteressen vertreten. Überlege mal, was würde in euer Möckernkiez-Genossenschaft passieren, wenn an der Nord-West-Seite eures Baugrundstücks ein weiteres Baugrundstück ausgewiesen würde? Und den Bewohnern der Genossenschaft die Sicht auf den Ostpark des Gleisdreiecks versperren würde?

  10. Man kann sich auch mit der Begründung für das Bürgerbegehren auseinandersetzen und trotzdem zu einem gegenteiligen Schluss kommen. Wer sich die Brache mal aus der Luft anschaut (oder wie ich heute mit dem Fahrrad dran vorbei fährt) braucht schon etwas Phantasie, um dort ein erhaltenswertes Biotop zu entdecken. Teil des Biotopverbundes kann die Fläche auch schwer sein, der liegt nämlich östlich davon. Im Norden ist gar keine Verbindung – erst kommt die Yorckstraße und dahinter der Baumarkt(parkplatz). Die Frischluftschneise ist zudem weiter im Süden schon deutlich enger. Da die Bebauung laut Plan nicht bis zur Monumentenbrücke, sondern nur wenig weiter als bis zur Höhe Großgörschenstraße reichen soll ist die Verengung nicht dramatisch, sondern auch mit Bebauung ist die Schneise breiter als an ihrer engsten Stelle. Die ökologischen Begründungen gegen die Bebauung sind aus meiner Sicht deshalb nicht überzeugend.

    Bleiben die städtebaulichen und mietenpolitischen Gründe. Die Anwohnerversammlung ist wie hier beschrieben vom Bezirksamt ziemlich mies durchgeführt worden. Darüber kann man sich zurecht aufregen, so wie man sich bei jeder bürgerschaftlich betriebenen Initative über die Störrigkeit der Verwaltungen aufregen kann und muss. Und sonst? Bei der Vorstellung der Anwohnerinitiative heißt es beispielsweise: „An der Bautzener Straße wird eine klare städtebaulich historische Kante durch die Planung von Collignon aufgebrochen und verunklart“ (Folie 7). Also erst gefährdet der Bau den Luftaustausch zwischen Bautzener-Kiez und Grüngürtel, und wenn der Bau dann geöffnet wird damit genau dieser Austausch gesichert wird dann widerspricht es irgendeinem städtebaulichen Ideal aus dem 19. Jahrhundert und ist dann auch wieder nicht gut? So leid es mir tut, ich sehe hier – wie schon beim Protest gegen den Bau im Viktoriakiez/Eylauer Straße – vor allem eine Opposition, weil AnwohnerInnen mit schicker Aussicht auf eine weitläufige Brach- und Gleislandschaft jetzt ein paar Häuser vor den schönen Blick aus dem Fenster gebaut werden.

    In der Begründung für das Bürgerbegehren werden jenseits der Öko-Begründungen ein paar ablehnende Allgemeinplätze rausgehauen („Profitmaximierung“! „massive Wohnblockbebauung“! „irreversible unwirtliche räumliche Strukturen“!) Das kann man mit Blick auf die Pläne auch anders sehen. Und dann wird was für eine Alternative gefordert: „Wir fordern eine Wohnungs- und Mietenpolitik, die sich an den Haushalten mit mittleren und unteren Einkommen ausrichtet. Eine solche Politik ist mit Priorität auf den Bestand gerichtet. Für den Wohnungsneubau müssen neue Wege abseits der Profitorientierung gefunden werden.“

    Das ist ja gut und schön, aber dann schiebt doch mal ein Konzept nach wie genau das gehen soll! Was stellt ihr euch konkret darunter vor? Wie soll Wohnraum geschaffen, das heißt finanziert und gebaut werden, der diese Forderungen erfüllt? Da gibt es Modelle, aber warum steht davon in den Begründungen nichts? Und auch auf den Webseiten nicht? Gegen irgendwas, in diesem Fall Neubauten, sein ist immer ganz einfach, aber aktiv für Alternativen einstehen ziemlich schwer. Versteht mich nicht falsch, ich finde zum Beispiel die Idee zu einem Gebrüder-Grimm-Park an der Stelle wirklich schick. Aber solange „Stadtplanung von unten“ unterm Strich nicht mehr heißt als „Keine Neubauten!“ ist mir das zu dünn. Baumarkt? Doof. Eylauer Straße? Doof. Flottwellpromenade? Doof. Ein Haus in der Crellestraße? Doof. Und was ist die Alternative? Nix bauen? Das kanns doch wohl nicht sein, aber so kommt das rüber, auch wenn ihr das vielleicht anders meint.

    Ich bin ja ein Gründungsmitglied vom Möckernkiez, und es wird schon so sein dass mein Engagement dort meinen Blick auf Bauprojekte beeinflusst hat. Denn genau diese argumentative Falle, als purer Blockierer wahrgenommen zu werden ohne konstruktive Alternativen aufzuzeigen, war einer der Gründe dafür in bürgerschaftlichem Engagement eine Genossenschaft aufzubauen und den Bau selbst in die Hand zu nehmen. Deshalb jetzt mal ne Steilvorlage zur Güte: Der BUND hat doch vor einigen Jahren ein interessantes Stufenmodell zur Sanierung des Gebäudebestandes gemeinsam mit dem Mieterbund und der IHK ausgearbeitet. Sowas muss doch in einer Begründung auftauchen, wenn man eine „Priorität auf den Bestand“ fordert. Und für Neubauten kann man rigorosere Mietpreisbindungen, Mietobergrenzen und was weiß ich fordern. Wäre es nicht cleverer, darauf einen Fokus zu legen und dauerhaft niedrige Mieten zu fordern, so dass „Profitmaximierung“ ausgeschlossen und ein Bau nur für langfristig denkende Investoren wie Genossenschaften interessant ist?

  11. Ich erlaube mir nur, meine Meinung zu äußern. Es ist schon richtig, dass viele Neubauprojekte architektonisch und städtebaulich in Deutschland sehr zu wünschen übrig lassen. Es ist alles zu dicht mit zu wenig Freiflächen. Auch die Straßen Erschließung ist meist zu piefig und eng. Da waren wir in den Siebzigern (Deutschland West) schon weiter. Zur Frage, warum viele alte Gebäude nicht saniert werden und lieber neu gebaut wird: Die Grund Sanierung eines Gebäudes kommt kostenmäßig einem Neubau gleich und sie ist langwieriger und riskanter.

  12. Hallo,
    wer ist Markus Lebwand? Was er behauptet steht in welchem Zusammenhang?
    Ich wohne seit 10 Jahren in der Bautzener Str.. Mittlerweile sind in einem Umkreis von 1km schon viele neue Wohnbauten entstanden. Ich finde das reicht auch aus hier. Z.B. Monumentenstr. /Eylauer. und Flotwellstr. (hier ganze Häuserreihen) und die noch neu im Bau befindlichen Ex-Zollpackhäuser (ca.3 Wohnblocks) an der Ecke Yorck./Möckernstr. Dieses bedeutet schon einen Zuwachs von über 1000den Menschen + deren Autos. Schon jetzt ist der Parkraum knapp in der Bautzener Str.geworden. Auch herrscht dort schon immer eine sehr agressive Fahrweise, daduch bedingt, dass im oberen Teil der Bautzener Str.die Straße sehr schmal ist, Wenn d. Baumarkt-Hellweg erst eröffnet, werden noch zusätzliche Belastungen (Luft-/Verkehr- und Lärm-) dazukommen. Es ist wichtig diesen Grünstreifen zu erhalten.
    Im übrigen kenne weder ich noch und meine Nachbarn hier niemanden der in der Straße Eigentum besitzt, geschweige denn will.Denn attraktiv war dieses Wohnlage nie, könnte sich jedoch ändern?. Aber das bezweifle ich, denn wer will schon neben einen Baumarkt wohnen in der Dimension wie „Hellweg“ ihn dort bauen darf.

  13. Die Bautzener Straße ist übrigens ehemaliges Sanierungsgebiet und einfache Wohnlage!

    An der Yorckstraße/Bautzener Straße quert eine der wenigen Frischluftschneisen, die bis in die Innenstadt hineinreichen. Eine Bebauung sollte gerade dort vor dem Hintergrund der Klimaerwärmung und der aufgeheizten Innenstadt während der Sommermonate gut überlegt werden.

    Was in Berlin besonders auffällt, ist die chaotisch anmutende Wohnungsbauplanung. Bis 2009 wurden in Berlin noch Wohnungen im großen Stil im Ostteil der Stadt abgerissen (mit Steuermitteln finanziert), jetzt lautet die Devise des Senats „Bauen, dass es kracht“.

    Laut Statistischem Landesamt standen in Berlin letztes Jahr 140.000 Wohnungen leer. Trotzdem gibt es offiziell nur einen geringen Leerstand, weil von Senatsseite nur die „marktaktiven“ Wohnungen berücksichtigt werden (siehe Gewos-Studie). Die vielen leerstehenden Gebäude, die entweder langsam verfallen oder aus Spekulationsgründen leer stehen, gehen erst gar nicht in die Zahlen ein, mit denen der Senat operiert (manipuliert).

    Auffallend ist, dass sich weder die Senatsstellen noch die Bezirksämter für Sanierung interessieren. Alles redet nur vom Neubau – vor allem die Investoren, die sich so die letzten in der Innenstadt noch nicht bebauten Grundstücke sichern können. Wenn dann alles zubetoniert ist, heißt es dann wieder: Stoppt die Innenstadtflucht!

  14. Danke für die Einladung, ich setze mich gerne weiter damit auseinander – und ich bin auch immer bereit, meine Meinung zu ändern, wenn ich zu dem Schluss komme, dass ich falsch liege. Ich sehe hier aber – nach erster, zugegeben nicht allzu intensiven, Sichtung kein Riesen-Problem. Was anderes wäre es, wenn der Grünstreifen abgeriegelt oder zu stark eingeengt werden würde.

  15. Hallo Herr Lebwand,

    ich lade Sie herzlich ein, sich mit den Gründen des Bürgerbegehrens auseinanderzusetzen. Dieses Bürgerbegehren basiert nicht auf Behauptungen, sondern einem jahr(e)- zehnte -langen sachlichen Engagement von Bürgern und Anwohnern für diese Fläche als Grünfläche, lange bevor jetzt die Politik und Investoren diese Fläche entdeckten.

    Zu Ihrer weiteren Information, der BUND teilt unsere Meinung, hat ein ausführliches Begründungspapier herausgegeben und hat dasselbe Anliegen.
    Wir freuen uns jedenfalls heute, dass wir dieses Bürgerbegehren starten können und hoffen darauf dieses Anliegen erfolgreich umsetzen zu können. Wir würden uns freuen, wenn sie sich von unseren Argumenten überzeugen lassen würden.

  16. Und, was haben wir jetzt hier dagegen? Absolut unbedenklich, diese Brache zu bebauen. Sie zerstört keine Klimakanäle, blockiert keinen Luftzug und auch nicht den Parkverlauf, Streifen. Klar, die meisten, die sich gegen die Bebauung hier wehren, sitzen schon in ihrer Eigentumswohnung, vermutlich ganz in der Nähe und wollen eben ihre Ruhe und Exklusivität konservieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.