Abschied vom Potsdamer Güterbahnhof

Zwei Wochen bis zur Eröffnung des Westparks auf dem Potsdamer Güterbahnhof – Spaziergänger und Immobilienhaie nutzen den Park jetzt schon

Noch zwei Wochen, dann wird der Westpark des Gleisdreieck offiziell eröffnet werden. Am Freitag, den 31. Mai ab 14 Uhr werden der Senator für Stadtentwicklung, der Bezirksbürgermeister, die Landschaftsarchitekten Loidl und Vertreter der Anwohner dazu ihre Reden halten. Anschließend gibt es einen Presserundgang durch den Park mit Stops an verschiedenen Stellen.

Am Samstag, den 1. Juni 2013 ab 12 Uhr wird dann ein „Bürgerfest“ stattfinden, mit „Kunst, Musik, Sport, Spiel und Kreativem aus der Nachbarschaft“. Einladungsflyer: Westpark-Einladung

Vor der offiziellen Eröffnung haben indes schon zahlreiche Menschen den Park für sich erobert. Der Tagesspiegel hat ausführlich darüber berichtet und damit noch mehr Besucher angezogen. Zum Leidwesen der Grün Berlin GmbH, denn das macht die noch laufenden Bauarbeiten nicht einfacher.

Einen Nutzer der besonderen Art hat die Grün Berlin GmbH jedoch selber zu verantworten. Etwas nördlich der Hochbahnbrücke der U1 findet sich eine sogenannte Info-Stele, siehe Foto, mit der Werbung für das Projekt Flottwell-Living auf dem benachbarten Baufeld gemacht wird. Dort will die Groth-Gruppe zusammen mit zwei Partnern Wohnungen bauen, die für 3000 € bis 6000  €/m² verkauft werden sollen.

Umstrittene Werbteafel für Flottwell-Living im Westpark
Umstrittene Werbteafel für Flottwell-Living im Westpark. Eine kleine Betonkante trennt Park und Baufläche. Die sandige Fläche jenseits der Kante soll bebaut werden.

Auf Nachfrage zu dieser Werbung hat sich die Grün Berlin GmbH geäußert:

. . . die Aufstellung der Info-Stele ist mit Grün Berlin und SenStadt abgestimmt.

Wenn auch ggf. umstritten, so ist  das Bauprojekt doch  eine genehmigte Maßnahme und im Sinne einer partnerschaftlichen Nachbarschaft und  gewährter Unterstützung sowie weiterer perspektivischer Zusammenarbeit und Vereinbarungen wurde dies gestattet.

Wenn es tatsächlich um alle Nachbarn ginge, dann müsste neben der Werbetafel noch ein zweite Tafel stehen, auf der dann tatsächlich informiert würde, ungefähr so:

  • Im geltenden Flächennutzungsplann ist der ehemalige Potsdamer Güterbahnhof bis zu seiner westlichen Kante an der Flottwell- und Dennewitzstraße als Grün dargestellt. Hier eine Baufläche auszuweisen, stellt einen klaren Rechtsbruch dar, denn Bebauungspläne müssen aus dem Flächennutzungsplan abgeleitet werden. Wenn sich diese Praxis in Berlin durchsetzt, kann sich niemand mehr auf öffentliche Planwerke wie den Flächennutzungsplan verlassen, denn diese Pläne werden bei Bedarf von der Verwaltung beliebig uminterpretiert.
  • Dort, wo nun die Baufelder Flotwellpromenade Süd, Mitte und Nord geplant werden, war in den 90er Jahren die Ausgleichsfläche für die Bauten des Potsdamer und Leipziger Platzes vorgesehen. „Keine weiteren geometrischen Hindernisse in die Frischluftschneise stellen“ hatten die Umweltgutachter damals gefordert. Deswegen wurde 1994 ein Vertrag abgeschlossen zwischen der Bahn und dem Land Berlin, der sogenannte Notenwechsel, nachdem 10 bis 12 ha ökologische Ausgleichsfläche auf dem Potsdamer Güterbahnhof westlich der neuen Bahnlagen entstehen sollten mit Anschluss an das Ufer des Landwehrkanals. Das ist genau die Fläche, die nun bebaut werden soll. Im städtebaulichen Vertrag von 2005 mit der VIVICO hat das Land Berlin auf die im Notenwechsel 1994 erreichten Zugeständnisse verzichtet.
  • Durch die Baufelder an der Flottwellstraße wird der Park im nördlichen Bereich auf einen immer schmaler werdenden Streifen reduziert. Nur die nicht bebaubare Fläche über dem Eisenbahntunnel soll frei bleiben. Die Blickbeziehung Richtung Tilla-Durieux-Park am Potsdamer Platz wird eingeschränkt, ebenso der Blick auf die denkmalgeschützten Viadukte der Hochbahn. Je schmaler der Park, umso größer die Gefahr, dass er zum Vorgarten für die schicken Eigentumswohnungen wird, in deren Schatten er schon am frühen Nachmittag liegen wird. Mit der Werbetafel für Flottwell-Living hat dieser Aneignungsprozess schon begonnen hat.

Es gab den Antrag, eine solche Infotafel im Park aufzustellen. Die Grün Berlin GmbH hat bisher darauf einfach nicht reagiert. Der Senator kommt ja am 31. Mai aufs Gleisdreieck. Eine gute Gelegenheit, ihn auf das Problem aufmerksam zu machen.

Links zu früheren Artikeln zum Thema Baufelder Flottwellstraße

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