Ein andere Welt ist pflanzbar

Chronik des Gemeinschaftlichen Gärtnerns auf dem Gleisdreieck

Eine umfassende Chronik der Ereignisse am Gleisdreieck existiert noch nicht. Je nach Blickwinkel könnte eine solche Chronik von vielem berichten: Von der offiziellen Planungsgeschichte und dem wechselnden Einfluss der Bürgerinitiativen, die die Planungen für die Autobahn Westtangente und  für das Riesenrad Anfang der 2000er Jahre verhindern konnten, nicht aber die Ausweisung von fünf großen Bauflächen im städtebaulichen Vertrag von 2004. Auch die wechselnde Wertschätzung der historischen Spuren und des wild gewachsenen Grüns könnte ein Thema sein. Die hier vorliegende Chronik ist aus dem Blickwinkel der Gartenaktivistinnen zusammengestellt und streift die anderen Themen nur insoweit sie als Rahmenhandlung wichtig für das Verständnis sind.   M.B.

von Elisabeth Meyer-Renschhausen

1974

Die Bürgerinitiative Westtangente setzt sich ein für den Erhalt eines grünen Gleisdreiecks. Ende der 1980er Jahre wird die Autobahn endlich abgesagt. Die bundesweite Gartenschau soll Anfang der 1990er Jahre auf das Gleisdreieck kommen und das Gelände ist im neuen Flächennutzungsplan als Teil eines neuen Nord-Süd-Grün-Zugs als Rad-Wanderweg und Klima-Durchlüftungsschneise festgelegt.

1990

Die Bürgerinitiative Nelly-Sachs-Park fordert die offene grüne Verbindung zwischen dem Gleisdreiecksgelände und Nelly-Sachs-Park zu erhalten und sie organisiert u.a. mehrere Versammlungen im Gemeindehaus der Luther-Kirchengemeinde um gegen die Pläne zu protestieren, die Kleingärten der POG Eisenbahn-Landwirtschaft auf dem Gleisdreiecksgelände dem Sport opfern zu wollen.

Die BüIni Nelly Sachs-Park protestiert mittels Briefen, Plakaten, Umzügen u.ä. gegen die ungebremste Raserei auf der achtspurig ausgebauten „Autobahn“ Bülowstraße und organisiert nach Hamburger Vorbild eine Besetzung der Potsdamer / Bülowstraße Straße unter dem Motto „Überall ist Stresemannstraße“ und kommt damit am 24.10.1990 in den „Stern“.

1991

Mehrere Bürgerinitiativen gründen gemeinsam eine IG Gleisdreieck (als Nachfolgerin der in den 80er Jahre aktiven AG Gleisdreieck), um den Unsinn der wieder aufgetauchten Auto-Bahn-Pläne für das Gleisdreiecksgelände aufzuzeigen. Sie entdecken auf dem Gelände informelles Gewerbe aus dem Autoreparatur-Bereich, das fröhlich Altöle in den Boden versickern läßt. . .

1991

Erste Demo der neuen IG Gleisdreieck mit alten Autowracks vor dem zentralen Verwaltungsgebäude der Reichsbahn am Tempelhofer Ufer „Reichsbahn zerstört Natur“.

1992

Die für das Jahr 1995 für das Gleisdreieck geplante Bundesgartenschau wird abgesagt zugunsten der Baulogistik für den Potsdamer/Leipziger Platz. Der Park auf dem Gleisdreieck auf die Zeit nach der Baulogistik verschoben. Ca. 500 Anwohner protestieren mit einem öffentlichen Picknick auf dem Anhalter Güterbahnhof gegen die Absage des Parks.

1995

Die IG Gleisdreieck reicht Normenkontrollklage ein gegen die Bebauungspläne Potsdamer/Leipziger Platz, weil aus ihrer Sicht, die ökologischen Ausgleichsflächen auf dem Gleisdreieck nicht ausreichend abgesichert sind.

1997

An der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin entsteht eine interdisziplinäre Arbeitsgemeinschaft Kleinstlandwirtschaft und Gärten in Stadt und Land.

1998

Die IG Gleisdreieck verliert die Normenkontrollklage gegen die B-Pläne Potsdamer/Leipziger Platz. Das Land Berlin legt einen Flächennutzungsplanentwurf dem Gericht vor und erklärt die ökologischen Ausgleichsflächen planungsrechtlich absichern zu wollen.

1998

Die Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck gründet sich und vereint die Initiativen IG Gleisdreieck, BüIni Nelly-Sachs-Park, Anwohnerinitiative Flaschenhals, Kultur in Horn e.V. u. a.

2000

Nur zwei Jahre nach der Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts zur Normenkontrollklage lässt die Senatsverwaltung Pläne zeichnen, in denen sie Bauflächen auf ökologischen Ausgleichsflächen darstellt.

2000

Eine Internationale Konferenz „Kleinstlandwirtschaft und Gärten als weibliche Ökonomie“ durchgeführt von der AG Kleinstlandwirtschaft an der landwirtschaftlich-gärtnerischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin erhält großen Zulauf, die „Internationen Gärten Göttingen“ nehmen mit einer Ausstellung teil. (http://userpage.fu-berlin.de/~garten/)

1998 / 2000

Auf der Website der AG Gleisdreieck fordert Matthias Bauer „Internationale Gärten der Kulturen der Welt“.

2000

Das Buch zur Konferenz „Die Gärten der Frauen – Kleinstlandwirtschaft in Stadt und Land weltweit“ erscheint im Centaurus Verlag und wird dem Verein Südosteuropa Kultur e.V. geschickt.

2004

Abschluss des städtebaulichen Vertrages Gleisdreieck zwischen dem Land Berlin, dem Bezirk Kreuzberg-Friedrichshain und der VIVICO.

20. März 2005

Mehrere hundert Menschen kommen zur Eröffnung des provisorischen Park auf dem Anhaltergüterbahnhof. Doch das Tor am Aufgang Wartenburgstraße ist nicht – wie vom Bezirksamt vorher angekündigt – geöffnet und wird schließlich mittels sanfter Gewalt aus den Angeln gehoben.

Anfang Mai 2005

Mit Spitzhacke und Spaten graben Agenda 21-Vertreter zusammen mit  dem Ökowerk am Teufelssee und Leuten aus der  AG Gleisdreieck einen Teil der Brache um  und legen zwei kleine Felder an, auf denen Einkorn und Emmer angesät werden – und gedeihen!

2005

Als Antwort auf das vom Senat favorisierte Riesenrad wird die Parkgenossenschaft Gleisdreieck gegründet. Ziel der Parkgenossenschaft ist es, im zukünftigem Park bürgerbetreute Inseln zu betreiben, auf denen Projekte von Bürgern selbst gestaltet werden können, Gärten, Kunstprojekte, Treffpunkte u. a.

Ab Mai 2005

bauen Gartenaktivistinnen aus der ganzen Stadt die ersten Gemüse- und Kräuterbeete auf dem Gleisdreieck. In selbst gezimmerten Hochbeeten werden Kräuter und verschiedene Gemüse angebaut. Die Bewässerung ist eine Herausforderung, das Wasser muss in Gießkannen von der Pumpe aus der Wartenbergstraße herangeschleppt werden.

In Paris zerstören Jugendlichen mit Gewalt die Vororte daraufhin setzen sich Aktive der AG Gleisdreiecks mit der Geschäftsführerin von Südosteuropa zusammen, um einen Antrag zu stellen auf Förderung eines Interkulturellen Gartenprojektes auf dem Gleisdreieck zu stellen.

Norbert Rheinlaender bekommt von der Grün Berlin einen ersten Bauwagen für uns auf dem Gelände geschenkt und bald darauf zwei weitere, die ab nun unserer Gartengeräte beherbergen und bei Sturzregen auch die Gärtnerinnen selbst.

Dezember 2005

In der Auslobung (Teil 3, Seite 15) für den landschaftsplanerischen Wettbewerb Gleisdreieck heißt es: Ein von Anwohnerinitiativen nutzbarer Gartenbereich ist vorzusehen, von etwa 1000 m². Der Gartenbereich wird den Initiativen zur freien Gestaltung überlassen. Er ist einzugrenzen und abschließbar anzulegen. Ein Wasseranschluss ist erforderlich.

Im Frühling 2006

wird auf dem Anhalter Güterbahnhof wiederum Getreide angesät. Hinzukommt eine kleine Fläche mit historischen Kartoffelsorten. Wetterfeste Infotafeln informieren über die Geschichte der Kulturpflanzen.

Mai 2006

Die Frauen-Gartengruppe des Südosteuropa Kultur e.V. kommt auf das Gleisdreieck und „klärt“ zusammen mit den Gärtnerinnen der AG Gleisdreieck, übrigens eben in dem Moment, da „google“ das Gleisdreieck fotografiert (5.5.2006). Die bosnischen Frauen freuen sich, den deutschen Gärtnerinnen ihr Gartenwissen weiter geben zu können. Noch einen langen heißen Mai lang wässern die Gemeinschaftsgärtnerinnen ihre Beete mittels der Straßepumpe an der Wartenburgstraße. Die bosnischen Frauen wässern oft und gerne die „deutschen“ Beete mit. Im heißen Mai 2006 dauert das Wässern der Beete volle zwei Stunden. Die Öko-Gärtnerei Hofgrün schenkt den GärtnerInnen Setzlinge. Abends lädt die feierfreudige Gruppe von Südost die deutschen Mitgärtnerinnen zu ihren Grillparties ein.

Die Interkulturellen Gärten auf dem Gleisdreieck erhalten von der Stiftung Interkultur in München eine erste Anschubfinanzierung und Torsten und Elisabeth können Regentonnen und Schlauchwagen besorgen, mit Hilfe des Hausmeisters wird ein Zugang zum Hydranten geöffnet und für die Gärtnerinnen gangbar gemacht, die Vivico schenkt 1000 Liter Wasser pro Jahr

Frühsommer 2006

Künstlerinnen der Technischen Universität photographieren das Gelände, man kann sehen kann, dass die Krähen jetzt im 2. Jahr die Saat auf den Demonstrationsfeldern wegfressen.

Die Künstlerin Alex Toland eröffnet eine Ausstellung zu Wildkräutern als Standortanzeiger und Heilpflanzen auf dem Gleisdreieck, die mit Hilfe der Aktivsten von den Interkulturellen Gärten der ganzen Bundesrepublik über Nacht in sieben Sprachen übersetzt wird.

Die Interkulturellen Gärten auf dem Gleisdreieck mit ihren Bauwägen und den Bierbänken darin werden gastlicher Ort zahlreicher Bürgerfeste auch die AG Kleinstlandwirtschaft trifft sich dort öfter.

Sommer 2006

Im Rahmen des 1. „Langen Tags der Stadtnatur“ findet im Atelier vom Baum-Paten und Künstler Ben Wagin ein Workshop der AG Gleisdreieck u.a. zu Gemeinschaftsgärten statt. Die Direktorin Koordinierungsstelle für „Community Gardens“ in New York City, Edie Stone (director of „GreenThumb“) berichtet zusammen mit Elisabeth Meyer-Renschhausen von den New Yorker Erfahrungen.

Atelier Loidl gewinnt den landschaftsplanerischen Wettbewerb. Im Bericht der Vorprüfung zum Wettbewerb heißt es zum Plan von Loidl u. a.: „Südlich des Generalzugs zwischen Wäldchen und Fernbahntrasse finden die Community Gardens ihren Platz in einem lang gezogenen Band (ca. 170 m x 20 m)“. Das wären etwa 3400 m².

Von den Aktivisten der AG Gleisdreieck unbemerkt tauscht sich die Belegschaft der einzigen Kleingartenanlage Kreuzbergs, der Kolonie der Potsdamer Güterbahnhof (Eisen-)bahn Landwirtschaft auf der Westseite des Gleisdreiecks aus. Viele alte Gärtner geben auf, weil die Kolonie eingeebnet und dem Vereinssport geopfert werden soll, stattdessen kommen Künstler, Lehrer, Erwerblose und andere Menschen der „Kreuzberger Mischen“. Die POG wird interkulturell.

Hochsommer / Herbst 2006

Bei schönstem Wetter Fest der AG Gleisdreieck zusammen mit der Senatsverwaltung im provisorischen Park auf dem Anhalter Güterbahnhof, auf der u.a. die Künstlergruppe ihren „Krähen-Video“ zeigt.

Ein Bienenstand kommt auf das Gleisdreieck und wird neben den Interkulturellen Gärten aufgestellt. Die Gemeinschaftsgärten auf dem Gleisdreieck werden zu einer Art heimlichen Modellprojekt und erhalten ständigen Besuch aus dem In- und Ausland, u.a. ein Gast von der Pennsylvania Horticultural Society.

Im Januar 2007

hatte die Interkulturelle Gartengruppe die Felder des Ökowerks mit den historischen Getreide und Kartoffelsorten übernommen, die bosnischen Frauen begannen diese Felder ohne Rücksprache etwas zu erweitern. Das nahmen innerhalb der Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck drei Menschen zum Anlass, einen sich endlos hinziehenden Konflikt vom Zaun zu brechen. Sie befürchten vorgeblich die Verdrängung der wild gewachsenen Natur. Es ging u.a. darum, Hunden einen ungestörten Auslauf zu erhalten. Ein Kompromiss, dem die große der Mehrheit innerhalb der AG Gleisdreieck zustimmte, wurde von der gleichen kleinen Gruppe unterminiert. Die AG Gleisdreieck scheute den Konflikt, war kein e.V. und konnte Störenfriede nicht ausschließen.

Im Frühjahr 2007

legt die Parkgenossenschaft in einer von der Senatsverwaltung  zwecks Bürgerbeteiligung eingerichteten Projektbegleitenden Arbeitsgruppe Gleisdreieck ein  Konzept vor, nach dem die Gärten am Standort an der Möckernstraße erweitert und Teile des Wildwuchses erhalten bleiben sollen. Das Konzept wurde in Zusammenarbeit mit dem Verein Südost und allen vor Ort Aktiven entwickelt. Bei der Präsentation in der Projektbegleitenden Arbeitsgruppe gibt es jedoch sogn. Kritik von zwei Anwohnervertreterinnen: angeblich zu wenig Rücksicht auf die vorhandene Natur und zu viel „Ausländern“. Die Senatsverwaltung und die Grün Berlin GmbH nehmen diese dummen Einwände zum Vorwand das Konzept der Parkgenossenschaft mit Verweis auf diese ökologischen „Argumente“ ab. Langjährig Aktive ziehen sich enttäuscht über die ignorante Haltung der Senatsseite resp. von Grün Berlin aus der Arbeit der Bürgerinitiative zurück

Juni 2007

Die „Stiftung Interkultur“ hält ihre alljährliche Netzwerktagung für alle Interkulturellen Gärten in der Bundesrepublik (www.stiftung-interkultur.de) in Berlin ab und besucht u.a. die Interkulturellen Gärten auf dem Gleisdreieck, darunter VertreterInnen der Interkulturellen Gärten in Sarajewo und des „Black Environmental Network“ aus London.

Hochsommer 2007

in den Interkulturellen Gärten arbeitet für 14 Tage ein internationales Workcamp aus ganz Europa mit einem Gast aus Korea, malen Hinweisschilder, legen Pflanzebeete an, bauen ein Kompostklohäuschen, ein Dach für den Lehmofen und eine spendieren auf eigene Kosten den GärtnerInnen eine Nirostaspüle hinterm Bauwagen und hinterließen der Gartengruppe einen ganzen Tischlerwerkzeugkasten.

Spätsommer 2007

Nach kontoversen Debatten innerhalb der Projektbegleitenden Arbeitsgruppe Gleisdreieck werden die Interkulturellen Gärten entgegen dem entschiedenen Votum aller beteiligten GärtnerInnen von ihrem zentralen bisherigen Platz in Nähe zum Büro des „Südosteuropa Kultur“ in eine Park-Ecke an der lauten, abgasreichen Yorckstraße verschoben. Hauptargument der Grün Berlin GmbH: am bisherigen Standort in der Nähe des geplanten Eingangs Hornstraße „könne die Sicherheit der Gärten nicht gewährleistet werden“. Die Initiatoren der Interkulturellen Gärten auf dem Gleisdreieck empfinden die diktatorische Art und Weise seitens der Senatsverwaltung/Dem Planungsbüro/Grün Berlin als unerträglich, zumal besonders die Kranken nicht an der lauten, Abgasschwangeren Yorckstraße gärtnern wollen. Der Verein Südost lässt sich auf den neuen Standort ein. Die gerade eben interkulturell einigermaßen zusammen gewachsene Gartengruppe zerbricht darüber.

Herbst 2007

Auf einer Tagung der AAA Anarchistischen Architekten in Paris hält Christophe Kotanyi einen viel beachteten Lichtbilder-Vortrag über die Gärten auf dem Berliner Gleisdreieck.

Winter 2008

Rund 25 Bäumchen werden am neuen Standort der Gärten an der Yorckstraße gefällt, um die Fläche für den Bau der Gärten vorzubereiten, ein ganz kleiner Abglanz von dem, was alles noch kommen sollte, dem Bauvorhaben Gleisdreieckpark werden noch hunderte von Bäumen geopfert. Der Verein Südost Europa Kultur e.V. erreicht beim Europäischen Flüchtlingsfond, dass die Gartengruppe auf dem Gleisdreieck drei Jahre kontinuierlich betreut wird. Gartenarbeit wird als geeignet in der Arbeit mit Traumatisierten anerkannt.

ab Mai 2008

Grün Berlin bzw. die Park-Baufirmen zerstören entschädigungs- und rücksichtslose alle Beete, Hochbeete und Kompostanlagen der bisherigen Gartengruppen auf dem Gelände in der Nähe der Wartenbergstraße

Der Verein Südosteuropa Kultur legt mit Hilfe der Grün Berlin neue Beete am neuen Standort an der Yorckstraße an. Die Erde wird 60 cm Meter tief ausgetauscht. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, der Garten wird wunderschön. Der Einfluss der lauten, abgasreichen Yorckstraße, die hier in einem 4,5 m tiefen Graben verläuft, erweist sich als weniger störend als befürchtet.

Das Gartenprojekt von Südosteuropa Kultur erhält zahlreiche Preise für vorbildliche Integrationsarbeit. (vgl. http://www.suedost-ev.de/interkultureller_garten/interkultureller_garten.php)

2009 ff

Die AG Gleisdreieck einschließlich der GärtnerInnen der AG Gleisdreieck setzen sich nunmehr erneut ein für den Erhalt der POG Bahnlandwirtschaft (Kleingarten Kolonie auf dem Potsdamer Güterbahnhof), und gärtnern dort zeitweilig mit, schreiben Konzepte zu „Gärten in Parks“ gründen anderswo neue Interkulturelle Gärten und vermitteln u.a. Künstlergruppen in die Kleingartenkolonie.

April 2009

Die GärtnerInnen der AG Gleisdreieck und der AG Kleinstlandwirtschaft gründen mit interessierten Jugendlichen im Rahmen der Woche: „Internationaler Tag des Kleinbauern“ 2009 eine AG „Tempelgärten“.

Frühjahr 2009

Prinz Charles, der 2008 den Deutscher Nachhaltigkeitspreis 2008 für sein ökologisches Engagement, bekommen hatte besucht daraufhin am 29. April 2009 Berlin. Im Katzbachstadion in Kreuzberg besucht der englische Thronfolger auch den Stand der Interkulturellen Gärten Berlins, wo der Perivoli–Garten aus Neukölln, der Wuhlegarten aus Köpenik und der Interkulturelle Garten „Rosenduft“ aus Kreuzberg die Gemeinschaftsgärten vertraten. Prinz Charles interessierte sich besonders für die internationalen Kinderprojekte, die im Rahmen des Gartens durchgeführt wurden.

Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg lädt ein zum Runden Tisch, um den Konflikt Kleingärten versus Vereinssport auf dem Potsdamer Güterbahnhof (dem künftigen Westpark auf dem Gleisdreieck) zu lösen

Frühjahr 2010

Die Lösung für den Erhalt der Kleingartenkolonie POG ist gefunden: Die Sportler bekommen 6 bis 8 wettkampfgeeignete Fußballplätze auf dem Tempelhofer Feld. Zusätzlich soll ein Fußballplatz auf dem Dach des geplanten Baumarktes im Yorckdreieck entstehen.

Sommer 2010

Die Parkgenossenschaft Gleisdreieck löst sich auf aus zwei Gründen.

  • Erstens: Das Projekt der bürgerbetreuten Inseln im Park ist gescheitert an der Ablehnung durch die Senatsverwaltung und die Grün Berlin GmbH, die sich Gärten in Parks nicht vorstellen können, und der Genossenschaft meinten in keiner Weise entgegen kommen zu müssen und vielleicht meinten, neue Bürgerinitiativen wären beliebig neu zu haben, entstünden gewissermaßen nach Anpfiff.
  • Zweitens: Die internen Streitereien, u.a. ausgelöst durch mangelnde Anerkennung seitens der Verwaltung, durch Erwerbslosenfrust und zum Umgang mit dem wildgewachsenen Grün haben das Diskussionsklima innerhalb der Parkgenossenschaft vergiftet (s.o.) und eine weitere Zusammenarbeit unmöglich gemacht.

Januar bis Frühjahr 2011

Die Bürgervertreter in der Projektbegleitenden Arbeitsgruppe, die nunmehr moderiert durchgeführt wird, kann einen Kompromiss „Gärten in den Gärten“ erarbeiten: Die Senatsverwaltung stimmt zu, auch den nördlichen Teil der POG Bahnlandwirtschaft auf dem Potsdamer Güterbahnhof zu erhalten (http://www.wir-bleiben.de/).

Im Rahmen eines mehrwöchigen Künstlerprojekt „Stay Hungry“ in der POG Kolonie werden viele Kolonien für das Publikum geöffnet und finden große Aufmerksamkeit (http://stay-hungry.net/). Bereits in den Jahren vorher hatten sich die Gärten der POG Bahnlandwirtschaft mit großem Erfolg für Kunstprojekte geöffnet.

Herbst 2010 / Sommer 2011

Die AG Kleinstlandwirtschaft und GärtnerInnen des Gleisdreiecks gründen zusammen mit anderen Berliner GartenaktivistInnen (www.urbanacker.net) eine Gemeinschaftsgarten-Vernetzungstelle „Allmende-Kontor“ mit großem Garten auf dem Tempelhofer Feld. Diesmal muss nur ein halbes Jahr lang „trocken“ gegärtnert werden, die Gruppe wird als „Pionier“ ausgewählt, ab dem 16. April dürfen die GärtnerInnen des Allmende-Kontors auf das Tempelhofer Feld, besorgen Erde, alte Bretter und verteilen Samen. Das Projekt wird überraschend gut angenommen, nach drei Monaten haben bereits über 300 Beteiligte über 200 Hochbeete gezimmert (www.allmende-kontor.de).

nach besten Wissen und Gewissen zusammen gestellt von Elisabeth Meyer-Renschhausen (www.breigarten.de)

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3 Kommentare zu “Chronik des Gemeinschaftlichen Gärtnerns auf dem Gleisdreieck

  1. Hier wird zwar sehr extraordinär aufgezeigt, wie der Begriff der Frau in den Gedanken an die aktivistische „Begrünung“ integriert werden kann. Jedoch ist doch die essentielle Frage von Nöten: Wo bleibt den hier der Genderintensivierte Gedanke der Intergration des Gedanken an der Frau als eigenständiges Individuum des deutschen Volkes als unteilbare Nation unter aktivierung der Emanzipation in der hoheitlichen Staatspolitik in der Umwelt der Gartenfreunde? Für mich, und ich denke auch für viele andere, ist die fehlende Antwort auf diese Frage eine Dysfunktion, deren Beantwortung selbst, die Genderfrage klären könnte.
    Vielen Dank

  2. Sehr schön wird hier gezeigt, wie aus einer Bürgerinitiative gegen eine Autobahn vom Gleisdreieck aus verschiedene widerständige Aktionen entstehen. Dieser politische Widerstand transformiert und vervielfältigt sich sukzessive in lebendige Aktionen, die von GartenaktivistInnen angestoßen werden. In dieser neoliberalistischen Periode muss darauf geachtet werden, dass dieses vielfältige widerständige Potential nicht ebenfalls für „gemeinnützige Zwecke“ instrumentalisiert wird (Agenda 2010).
    Das kann m.E. damit erreicht werden, wenn auf die politischen Gründe dieser Aktionen immer wieder hingewießen wird. Es steht doch sehr viel mehr auf dem Spielfeld als es den Anschein hat. Die „weibliche Ökonomie“ vertritt andere Werte, die drohen in unserer Gesellschaft total vermarktet zu werden.
    Annemarie Bauersfeld

  3. Liebe Elisabeth Meyer Renschhausen!
    Diese Zusammenstellung der jüngeren Geschichte des Gleisdreiecks mit den verschiedenen Aktionen von GärtnerInnen und AktivistInnen ist sehr gut gelungen und gibt einen guten Überblick auch als Richtweiser für ähnliche Projekte.

    Annemarie Bauersfeld

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