Vor fünf Jahren

Die Stadtbrache am Gleisdreieck böte Gelegenheit . . .

Von Katharina Rutschky
Für Landschaftsplaner ist das Gelände des Gleisdreiecks sicher eine nicht alltägliche, interessante Herausforderung. Alle Wettbewerbsbeiträge enthalten schöne Elemente, würdigen den historischen Charakter dieser Stadtbrache.
Was mir gar nicht gefällt: In allen Entwürfen werden auch die Benutzer mit entworfen. In vielen Einzelheiten, die ich nicht aufzählen möchte (Cafés, Aufzüge, Jugend-chill-outs, Skaterbahnen, Kunstmale etc.) macht sich aber auch ein Wahn breit, der von Kenntnissen der Parknutzung durch Menschen, geschweige denn durch Anwohner weit entfernt ist.
Was Menschen im Park machen wollen, könnte man im Tiergarten, auch im nahen Kreuzberger Viktoria-Park im Lauf der Jahreszeiten gut studieren. Bei fast jedem Wetter, sommers wie winters, sind Jogger, Radfahrer und Spaziergänger mit Hund anzutreffen- überall. Bei Sonnenschein werden Liege- und Spielwiesen, auch Grillplätze dann allerdings massenhaft gebraucht und genutzt. Auch Kinderspielplätze, von denen Kreuzberg nicht wenige hat. Sportplätze (für Boule, Basketball o.ä.) schon nicht – warum auch immer. Bei schlechtem Wetter und im Winter suchen wenige Menschen einen Park auf. Da sind Jogger, Radfahrer und Hundehalter ganz unter sich. Ich spreche aus der dreissigjährigen Erfahrung als Hundehalter, der so gut wie alle Berliner Parks  kennt.

Mit anderen Worten: Die Planungen sind samt und sonders an den Menschen vorbeigedacht. Von dem Geld, das zur Durchführung und zur Erhaltung gebraucht werden wird, gar nicht zu reden.
Die Stadtbrache am Gleisdreieck böte die Gelegenheit, im Unterschied zum klassischen Park, ein offenes Gelände mit Wegen und urbanen Inseln zu installieren, das den nachweisbaren Bedürfnissen der Stadtbewohner ebenso  wie dem historischen Charakter des Geländes genügt und seine interessante Anmutung (Stadtbrache) erhält.
Ein gutes Beispiel bot (vor der Umgestaltung zum „Park“, die noch läuft) das Gelände  hinterm Tempodrom. Es ginge alles  billiger, einfacher, und schöner wenn man nicht nur „Bürgerbeteiligung“ ermöglichte – der Zuspruch hält sich ja in Grenzen- sondern wenn die Planer mal berücksichtigten , was die Menschen im Park eigentlich wollen und machen. Hinschauen!
Mit freundlichen Grüssen
Katharina Rutschky
am 2. Juni 2006 zu den Ergebnissen des Landschaftsplanerischen Wettbewerbs Gleisdreieck

Katharina Rutschky bei Wikipedia

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