Konstruktive Politik

Kleingärten gerettet – Sport statt Eiger-Nordwand

Mit großer Mehrheit haben die Ausschüsse Stadtplanung, Sport und Umwelt in ihrer gemeinsamen Sitzung am Mittwoch, den 23. 06.  für die Beschlussvorlage des Bezirksbürgermeisters zum Thema Sport/Kleingärten/Gleisdreieck gestimmt. Damit sind die Kleingärten gesichert. Für den Sport wird als Alternative vorgeschlagen das Yorckdreieck –  dort soll ein Sportplatz auf dem Dach eines Baumarktes errichtet werden – und das Tempelhofer Feld. Für das Tempelhofer Feld hatte die Senatsverwaltung zugesichert, dass dort 4 – 6 wettkampfgerechte Sportplätze entstehen werden. Die Abgeordneten der Grünen, der Linken und der CDU stimmten für die Beschlussvorlage, die der SPD und der FDP dagegen.
In der Diskussion betonte Bezirksbügermeister Schulz die großen Chancen, dies sich nun ergeben. Statt eines Hochhauses, dass baurechtlich im Yorckdreieck möglich wäre und dann wie eine „Eiger Nordwand“ den zukünftigen Gleisdreieck-Park verschatten würde, würde dort nur eine niedrige Bebauung enstehen, die stadtklimatisch vorteilhaft sei und die für den Park wichtige Sichtachsen freihalte. Der Sportplatz auf dem Dach entstehe ohne weitere Belastungen der bezirklichen Kasse. Dies sei sehr wichtig angesichts der angespannten Haushaltlage.

Klaus Trappmann von der Kleingartenanlage POG betonte die sachliche Atmosphäre in den Sitzungen des Runden Tisches, die schließlich zu dieser Beschlussvorlage geführt hat. Damit habe die Politik Großes geleistet. In einem scheinbar unlösbaren Konflikt seien doch Lösungen für die  verschiedenen Seiten  gefunden worden.

Herr Hahn vom Landesportbund (LSB) sah das anders. Aus seiner Sicht sei es am Runden Tisch von vornherein abgemacht gewesen, dass der Sport rausgedrängt werden solle. Er vermisse einen Kompromiss, in dem auch die Kleingärtner etwas geben müßten. Die Sportplätze auf dem Tempelhofer Feld seien keine echte Alternative, ihre Finanzierung nicht gesichert. Ähnlich argumentierten Verteter der SPD. Auch sie unterstellten, der Runde Tisch habe nicht wirklich nach einem Kompromiss gesucht.

Kommentar: Beide, der LSB und die SPD waren ja beim Runden Tisch dabei. Die SPD mit ihrer Sportstadträtin Frau Klebba, später mit  Dr. Jan Stöß, ihrem Nachfolger als Sportstadtrat. Der Runde Tisch hat sich sehr ernsthaft mit den räumlichen Alternativen für den Sport auf dem Gleisdreieck auseinandergesetzt. Dabei hatte sich der Standort zwischen den beiden Hochbahnen der U1 und der U2 auf dem Postdamer Güternbahnhof als der einzig machbare herausgestellt. Doch dieser Standort stieß auf heftigen Widerstand bei der Senatsverwaltung und bei vielen Anwohner, die Bürgerinitiative Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck hat sich darüber defacto gespalten. Wenn nun LSB und SPD die fehlende Kompromissbereitschaft einfordern, wo waren denn ihre Vorschläge für diese Kompromisse am Runden Tisch? Es gab keine solchen Vorschläge.  Nun im Nachhinein Forderungen aufzustellen, ohne sich über deren Realisierbarkeit Gedanken zu machen, das ist keine konstruktive Politik.

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Ein Kommentar zu “Kleingärten gerettet – Sport statt Eiger-Nordwand

  1. Kurz als Kommentar zum Kommentar: Da möchte man doch auch noch mal an den Beginn der Aktivitäten zum Erhalt der Kleingärten erinnern, die im Jahr 2007 eben auch daraus resultierten, dass Frau Klebba (damals SPD-Stadträtin) mit Beamten aus den Bezirksämtern Mitte und Tempelhof-Schöneberg sowie Teilnehmern des LSB schon länger eine hinter verschloßenen Türen tagende Arbeitsgruppe betrieb, die sich mit der Schaffung zweier Sportplätze auf dem Gelände der Kleingartenkolonie POG beschäftigte, was nur zufällig bekannt wurde.
    Erst der – aus diesem Armutszeugnis der dafür verantwortlichen PolitikerInnen resultierende – Protest der KleingärtnerInnen und ihrer UnterstützerInnen bewirkte, dass die seit 1946 existierenden Kleingärten und die dort zum Teil seit Generationen aktiven PächterInnen seitens der Politik überhaupt wahrgenommen wurden.
    Leider war es eben so, dass die legendäre „Fläche C“ (u. a. die Kleingärten) in den damals zur Umgestaltung des Gleisdreiecks vorliegenden Plänen nur als weiße Fläche existierte und von der Politik und dem LSB sozusagen als frei disponibel angesehen wurde.
    Das war und ist aber sicherlich kein Fehler der KleingärtnerInnen, deren Interesse am Erhalt ihrer Gärten sicherlich all‘ denen verständlich sein wird, die diese innerstädtisch einmalige Kleingartenkolonie kennen.
    Die seitens interessierter Kreise gern angeführte Legende, dass es den KleingärtnerInnen einzig darum gegangen wäre, ihre Parzelle zu erhalten, lässt bewusst aus, dass diese z. B. allein schon aus den Gründen des Naturschutzes und ihrer klimatologischen Funktion heraus schützenswert waren und sind.
    Dass sich bei einem Termin im Bezirksamt F’hain-K’berg im Herbst 2008 (auch Frau Klebba war anwesend) herausstellte, dass keine Sportplätze auf das Gelände der Kleingartenkolonie passen würden, sei da auch nur am Rande erwähnt.
    Dass die Verwaltung recht planlos plante und auch darüber Hoffnungen beim LSB auf Sportplätze an diesem Ort schürte, ist nicht den KleingärtnerInnen anzulasten.
    Der Konflikt Sportplätze vs. Kleingärten wäre vermeidbar gewesen.

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