Runder Tisch Kleingärten und Sport

Wettkampfgerechter Sport auf dem Tempelhofer Feld, informeller Sport auf dem Gleisdreieck

Am Montag, den 12. 04. 2010 fand die vierte Sitzung des Runden Tisches zum Thema Sport – Kleingärten statt. Das Ergebnis: als einzig mögliche Fläche für wettkampfgerechten Fußball wurde der Standort zwischen U1 und U2 auf dem Potsdamer Güterbahnhof identifiziert. Gleichzeitig wurde jedoch auch deutlich, dass dieser Standort bei der Senatsverwaltung und bei vielen Bürgern auf vehemente Ablehnung stößt. Bürgermeister Schulz wird nun auf Basis der Arbeit des Runden Tisches eine Beschlussvorlage in die Bezirksverordnetenversammlung einbringen. Inhalt: wenn wettkampfgerechter Sport auf dem Gleisdreieck, dann zwischen den beiden Hochbahnen der U1 und U2, besser sei er jedoch auf dem Tempelhofer Feld platziert. Durch die intensive Diskussion am Runden Tisch über das Tempelhofer Feld als neuen Standort für wettkampfgerechten Sport wurde deutlich, dass auch die Vertreter der Sportverbände und der Sportverwaltung dieses Ergebnis mittragen.

Zum Diskussionsverlauf der vierten Sitzung: Neu in der Runde waren Herr Dr. Stöß, der als Stadtrat für Finanzen, Kultur, Bildung und Sport die Nachfolge von Frau Klebba angetreten hat und Herr Henrik Thomson, der Leiter der VIVICO in Berlin.

An die VIVICO richtet sich die erste Frage. Wären rund 90 m ein ausreichender Abstand zwischen einem wettkampfgerechtem Sport und der geplanten Baufläche der VIVICO an Dennewitz- und Flottwellstraße? Im Prinzip ja, war die Antwort von Herrn Thomson, vorausgesetzt die Erschließung und die Nebenanlagen des Sportplatzes (Umkleide) würden richtig dargestellt. Dr. Schulz brachte dazu den §15 Baunutzungsverordnung ins Spiel (Anlagen . . .  sind unzulässig, wenn von ihnen Belästigungen oder Störungen ausgehen können). Hierauf betonte Herr Thomson den „Entwicklungsgedanken“, nämlich dass das Bauvorhaben der VIVICO vorher schon formuliert gewesen sein, das Sport jetzt erst als Nutzungsvorschlag aufgekommen sei, folglich sei der Sport der Störfaktor. Wer die Planungsgeschichte des Geländes kennt, weiß natürlich, dass es anders war. Ursprünglich war der Sport im Norden vorgesehen, dort wo heute das fast leerstehende Parkhaus Debis steht. Später rutschte der Sport auf dem Plan nach Süden. Der aktuell gültige Flächennutzungsplan von 1998 zeigt den Sport zwischen den Hochbahnen der U1 und U2, also auf der Fläche, die seit Herbst vergangenen Jahres als Alternativstandort am Runden Tisch diskutiert wurde. Erst Anfang der 2000er Jahre rutschte die Sport ganz nach Süden auf die Fläche der Kleingärten, auf den Standort, der sich dann als unbrauchbar herausstellte.  Unbeantwortet ließ Herr Thomson, wie die VIVICO zu den kleinen Bolzplätzen steht, die auf der Platzfläche in Höhe der U1 geplant sind.

Zweites Thema war die Frage, können Kleingärten als ökologische Ausgleichsfläche nach Bundesnaturschutz anerkannt werden? Peter Ehrenberg, der Präsident des Landesverband der Gartenfreunde Berlin e. V. verwies auf die Praxis in anderen Bundesländern, wo dies schon möglich ist, Klaus Trappman von POG zitierte aus den dem „Tiefenseegutachten“ des  Bundesbauministeriums, das ebenfalls diese Haltung stützt. Frau Profé von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung lehnte jedoch Kleingärten als ökologische Ausgleichsflächen strikt ab mit dem Argument , dass durch Ausgleichsflächen ja zusätzliches Grün geschaffen werden müsse. Das Argument der Zusätzlichkeit wurde in der Diskussion bezweifelt, denn es ist ja gängige Praxis in Berlin, dass der Erhalt (also das Nichtabholzen!) von vorhandenem Grün als ökologische Ausgleichsmaßnahme gilt. Bestes Beispiel hierfür ist der Park am S-Bahnhof Priesterweg, der als Ausgleichsfläche für die Verkehrsanlagen im zentralen Bereich, also die Tiergartentunnel, festgesetzt wurde.
Marlies Funk von der Anwohnerinitiative forderte die Besinnung auf das „faktisch Wirksame“. Ökologisch wirksam sind natürlich die Gärten, eine multifunktionale Platzfläche mit 6000 m² aus Asphalt, die Grün Berlin GmbH im Westpark vorsieht, ist es nicht. Dass die Senatsverwaltung diesen 6000 m² Asphalt das Attribut „ökologische Ausgleichsfläche“ zubilligt, während sie es den Gärten verweigert, zeigt die bürokratisch pervertierte Handhabung des Bundesnaturschutzgesetzes durch die Verwaltung.
Drittes Thema war das Tempelhofer Feld. Nachdem deutlich geworden war, dass wettkampfgerechter Sport nur schwer am Gleisdreieck realisiert werden kann, äußerten die Sportvertreter die Befürchtung, dass ihr Anliegen in Tempelhof wieder auf die lange Bank geschoben würden. Stadtrat Dr. Stöß nannte das Datum 2117 für die Fertigstellung des Parks auf dem Tempelhofer Feld, dass aber viel zu spät für den Sport sei. Frau Profé (Senatsverwaltung) antwortete, dass 2017 das Datum für die internationale Gartenschau sei, die anderen Flächen aber schon viel früher genutzt werden könnten. Sie betonte, dass im zur Zeit laufenden Wettbewerb sechs Fußballplätze vorgesehen seien. Zum Vergleich: auf dem Gleisdreieck waren bei ca. 25 ha Park zwei Fußballplätze vorgesehen. Würde man diesen Anteil auf das Tempelhofer Feld hochrechnen, müssten dort nicht sechs sondern 20 Fußballplätze entstehen! Aber auch die Platzierung nur der sechs Fußballplätze wird nicht so einfach werden. Das machte die Diskussion am Runden Tisch deutlich. Am Columbiadamm und am Tempelhofer Damm stehen die Sportplätze in Konflikt zu projektierten, aber umstrittenen Bauflächen. Für den Standort am Tempelhofer Damm zugunsten des Bezirks Tempelhof-Schöneberg setzte sich der Vertreter des Landessportbundes ein. Es wurde deutlich, dass obwohl das Tempelhofer Feld riesig groß ist und erstmal alles möglich erscheint, noch jahrelang diskutiert und geplant werden könnte. Die am Sport interessierten Vereine und Verbände sollten Druck auf Verwaltung und Politik machen, um bald zu praktischen Lösungen zu kommen.

Die Folgen für das Gleisdreieck

Die Kleingärten können nun gesichert und in den Park integriert werden. Aber was wird aus dem Sport auf dem Gleisdreieck? Kein Fußball? Informell nutzbare Flächen für Sport sind zwar zugesichert worden. Die aktuelle Planung von Grün Berlin und Loidl sieht 17.000 m² Beachvolleyball (Nutzung für 10 Jahre gesichert) aber nur zwei kleine Bolzplätze auf der asphaltierten Platzfläche an der U1 vor. Das ist ein erbärmliches Angebot an einen Stadtteil, in dem Fußball unter den Jugendlichen die Sportart Nummer 1 ist. Bürgermeister Schulz verwies auf die Projektbegleitende Arbeitsgruppe Gleisdreieck, in der die Senatsverwaltung, Grün Berlin, Landschaftsarchitekten, gewählte Anwohnervertreter und inzwischen auch Vertreter der Quartiersräte vom Magdeburger Platz und des Schöneberger Nordens sitzen. Die Projektgeleitende AG soll nun eine bessere Lösung für den informellen Sport finden.

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5 Kommentare zu “Wettkampfgerechter Sport auf dem Tempelhofer Feld, informeller Sport auf dem Gleisdreieck

  1. „die Vivico ist für mich kein Gott auch kein Bösewicht
    aber gehören tut ihr das Land nicht sondern uns.Sie verwaltet nur Bundesbahnvermögern“

    Leider Nein!

    „Vivico ist ein Unternehmen der österreichischen CA Immo Gruppe.“
    s. http://www.vivico.de/presse/vivico-kurzdarstellung.html

    „CA Immo ist eine reine Publikumsgesellschaft. Der größte Einzelaktionär und zugleich starker Partner ist die Bank Austria mit einer 10%-igen Beteiligung. Der Streubesitz von rund 90% verteilt sich auf private und institutionelle Investoren. Und diesem Vertrauen fühlt sich CA Immo verpflichtet.“
    s. http://www.caimmoag.com/aktie/aktionaersstruktur/

    „Unsere Projekte reichen (…) bis hin zur Entwicklung neuer urbaner Zentren wie dem Lehrter Stadtquartier oder dem Gleisdreieck..“
    s. http://www.vivico.de/unternehmen/unternehmensstruktur/vivico-berlin.html

    Für das neue urbane Zentrum wird jetzt schonmal der urbane Aktivitätspark gebaut, den wir nach wie vor verhindern können, wenn wir ihn nicht wollen!

  2. na ja liebe Zeterer,bin nun mal wieder mit der Nase voran gefallen weil ich nicht weiß welche gesetzlichen Grundlagen für die Verteilung von Fläche gilt.
    Stelle mir vor,daß außer Wohn-Gewerbe und Verkehrsflächen auch noch was zum leben oder überleben da sein muß und das ist nun mal der Strand unterm Pflaster.Kann den nicht mal ein Kenner dem diese Sachen bereits implantiert sind wenigstens für andere dieses periphere
    Wissen mittransportieren????????????
    Ich denke,daß neugierige Menschen dies durchaus wissen dürfen wieviel Platz die gewählte Verwaltung uns Wählern zubilligt.
    Und wiederholen möchte ich unermüdlich die Vivico ist für mich kein Gott auch kein Bösewicht
    aber gehören tut ihr das Land nicht sondern uns.Sie verwaltet nur Bundesbahnvermögern und diese Bahn ist noch keine AG also gehört dieser ganze Kriegsschutt zwischen und unter den Gleisen uns den zufällig in diesem Verwaltungsraum geborenen.

  3. Das ist spannend:

    Zitat aus dem Beitrag:

    „… Frau Profé von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung lehnte jedoch Kleingärten als ökologische Ausgleichsflächen strikt ab mit dem Argument , dass durch Ausgleichsflächen ja zusätzliches Grün geschaffen werden müsse. …“

    Frau Profé (immerhin Referatsleiterin „Freiraumplanung und Stadtgrün“ bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung) sagt, dass „… durch Ausgleichsflächen ja zusätzliches Grün geschaffen werden müsse.“

    Da liegt es doch nahe, zu prüfen, inwieweit dieses der zuständigen und verantwortlichen Senatsverwaltung auf dem Gleisdreieck gelungen ist.

    Interessierte können sich vor Ort persönlich einen Überblick verschaffen.
    Wer verhindert ist oder das Gleisdreieck nicht kennt, kann sich allerdings auch hier anhand einer kleinen, aktuellen Fotodokumentation einen Eindruck verschaffen:
    => http://gleisdreieck-blog.de/2010/04/13/sonntagspaziergang-mit-der-grun-berlin-gmbh

    Interessant wäre es, wie Frau Profé denn diese Pressemitteilung des NABU wertet, die am 24.04.2009 zum Gleisdreieck veröffentlicht wurde:
    —————–
    Auszug:
    “[…] In die Parkgestaltung auf dem Gleisdreieck fließen rund 24 Millionen Euro, die für den ökologischen Ausgleich der negativen Umweltauswirkungen durch die Bebauung des Potsdamer Platzes bestimmt sind. „Die über Jahrzehnte gewachsene Vegetation, mit ihren verwunschenen Wäldchen und Sträuchern, den artenreichen Trockenrasen und die besonderen Biotope der alten Gleisanlagen und Schotterflächen in großem Umfang im Wortsinn ’dem Erdboden gleich zu machen’ ist ökologische Bestandsvernichtung, aber in keinem Fall als Ausgleich zu akzeptieren“ […]

    Quelle: => http://berlin.nabu.de/presse/pressemitteilungen/index.php?popup=true&show=441&db=presseservice_berlin
    —————–
    Sicher bin ich mir allerdings, dass – auch – Sie es tunlichst vermeiden wird, dazu ein Wort zu verlieren.
    Deutlich schwerer würde es ihr bzw. der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung vermutlich fallen, dazu konkret eine schriftliche Entgegnung zu formulieren.

    Da ziehen es die für die Umgestaltung verantwortlichen Damen und Herren in der Verwaltung doch vor, Ansprüche und Ziele (auch zur sog. Bürgerbeteiligung) zu formulieren, die einer Überprüfung viel zu häufig nicht standhalten, so diese umgesetzt wurden und werden.

    Planer planen.
    Verwaltungen verwalten.
    Die BürgerInnen haben … … zu halten.


    Frau Dr. Elisabeth Meyer-Renschhausen veröffentlichte einen interessanten Beitrag in der Umweltzeitung: DER RABE RALF (04/05.09)
    => http://www.schattenblick.de/infopool/umwelt/fakten/ufasa184.html

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