„Trauern um einen verlorenen Ort“

Das ist eine Überschrift aus der Pressemitteilung der Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck. Anlaß war die heutige Pressekonferenz der Senatsverwaltung, auf der der Beginn der landschaftsgärtnerischen Arbeiten für den Park gefeiert wurde.

Die Pressemitteilung im Wortlaut:

Die Grün Berlin GmbH organisiert seit 2 ½ Jahren den Planungs- und Bauprozess für den Park am Gleisdreieck. In der projektbegleitenden Arbeitsgruppe machten die beteiligten, gewählten Bürgervertreter folgende Erfahrungen:

1. Bürgerbeteiligung gescheitert

In allen Formen der Bürgerbeteiligung – ob Online-Dialog, Planungsworkshop vor Ort oder reprä­sentative Umfrage – waren die Ergebnisse klar: der Erhalt des gewachsenen Grüns und der Erhalt der historischen Spuren standen ganz oben auf der Wunschliste.
Grün Berlin GmbH, die Landschaftsarchitekten vom Atelier Loidl, und die Vertreter der Senatsver­waltung für Stadtentwicklung haben diese Ergebnisse der Bürgerbeteilung ignoriert. Die gewählten Anwohnervertreter/innen in der sogenannten projektbegleitenden Arbeitsgruppe mit ihren Argumen­ten wurden nie ernsthaft berücksichtigt.

2. Wir trauern um einen verlorenen Ort

Im östlichen Bereich des Anhalter Güterbahnhofs hatte sich in den letzten Jahrzehnten ein Art Heidelandschaft entwickelt. Ein Wechsel von alten gepflasterten Ladestraßen und ehemaligen Schienensträngen, alles grün überwachsen. Die ökologische Gutachterin Frau Dr. Markstein hatte mehrfach auf die hohe ökologische Bedeutung dieser offenen Landflächen mit Trockenrasen, Rosensträuchern und vielen Baumgruppen hingewiesen. Nun ist bis auf wenige „Vegetationsinseln“ alles weggebaggert worden. Berlin hat einen besonderen Ort verloren.

3. Bürgerbetreute Projekte im Park?

Die beiden Projekte „Naturerfahrungsraum“ und „interkulturelle Gärten“ gehen auf Initiative der Bürgerinitiativen zurück. Inzwischen sind sie Vorzeigeprojekte, die von Grün Berlin leider an wenig geeignete Ort verlagert wurden. Aus unserer Sicht sind Projekte, in denen Bürger selbst Verant­wor­tung übernehmen können, essentiell wichtig für einen modernen Park. Nur mit solchen Pro­jekten kann ein Park heute nachhaltig bewirtschaftet werden. Leider ist im neuen Parkkonzept kein Raum mehr für weitere „bürgerbetreute Inseln“.

4. Ausblick

Die Gestaltung des Parks auf der Westseite des Gleisdreiecks, dem Potsdamer Güterbahnhof, steht noch an. Dort kämpfen wir für den Erhalt der vorhandenen Kleingärten, ihre Integration in den Park und für eine vernünftige Lösung für den Sport.

Wir protestieren dagegen, dass Atelier Loidl und Grün Berlin nun auch den Flaschenhals (die wunderbare grüne Fläche, die südlich der Yorckstraße an den Anhalter Güterbahnhof anschließt) beplanen sollen. Durch ihre bisherige Arbeit haben sie sich für so eine Aufgabe disqualifiziert.

Dass die Grün Berlin GmbH auch Hausherr des zukünftigen Parks auf dem Tempelhofer Feld werden soll, sehen wir als ein schlechtes Omen für die dort angekündigte Bürgerbeteiligung.

pressemitteilung-agg-170909, PDF-Dokument

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3 Kommentare zu “„Trauern um einen verlorenen Ort“

  1. Auf dem Flaschenhalsgelände wurden schon diverse Bäume und Gleise markiert die umgenietet und rausgerupft werden sollen,das ganze sieht ziemlich konzeptlos aus,einfach mal ein paar Schneisen schlagen,mal sehen was bei rauskommt und was die Leute sagen.
    Dabei haben dort Habichte ihren Horst,die wird das wenig begeistern,und den Nabu noch viel weniger

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