Bezahlter und unbezahlter Vandalismus

Vor ein paar Tagen schon ist es passiert. Der Bauwagen der Bildhauer wurde mit einem großen Hebel umgekippt, Totalschaden, der Bauwagen für die Kinder wurde ebenfalls stark zerstört, Zäune umgeschmissen, überall Scherben. Cornelia Wimmer, die das Projekt „Naturerfahrungsraum“ auf dem Anhaltergüterbahnhof mit aufgebaut hat, beschreibt die Situation so:

Das Neueste vom Gleisdreieck – auch das Tor (siehe “Glöckner”) konnte sie nicht abschrecken: Besoffene Dumpfbacken haben ein Bild der Verwüstung hinterlassen: der “Kinder”-Bauwagen ist innen demoliert, der Bauwagen der Bildhauer ist völlig zerstört (muss abtransportiert werden, kennt Ihr jemand der das machen würde?) Glasscherben all over, Steinquader wurden zertrümmert, Zäune umgeworfen. Wenn Dummheit weh tun würde…
Eine Bitte an alle: Augen auf und reagieren, wenn Ihr “verdächtige” Subjekte bemerkt!
Wir lassen uns das Gleisdreieck doch nicht jetzt auch noch von irgendwelchen besoffenen Halbstarken kaputt machen!

Die Zerstörungswut scheint sich relativ ziellos auf alles erreichbare gerichtet zu haben. Dieser  nächtliche Vandalismus ist für das Gleisdreieck etwas Neues. Seit der Eröffnung der Parkfläche auf dem Anhalter Güterbahnhof im Jahr 2004 gab es das nicht. Jahrelang waren der selbst organisierte Spielplatz, die Bewegungsbaustelle mit Sandberg und Bauhölzern, die Hinweisschilder für die Felder mit den historischen Getreide- und Kartoffelsorten, die interkulturellen Gärten, die Bauwägen, die Galerie der Wildkräuter, mit den liebevoll hergestellten Schildern, einfach da. All dies stand Tag und Nacht schutzlos da. Es war so, als hätten diese Projekte über einen unsichtbaren Schutz verfügt. Abgesehen von kleineren Vorfällen – , Krähen pickten das Saatgut auf dem Getreidefeld weg, in den Gärten wurde ein Teil der Ernte geklaut und mal ein Tomatenstrauch abgeschnitten, ebenso verschwand die Bank aus Edelstahl, und einmal gab es ein ungelenkes Hakenkreuz auf einem Bauwagen, das schnell über pinselt wurde – abgesehen von diesen Vorfällen passiert nichts. Die Besucher respektierten die von Anwohnern entwickelten Aktivitäten.
Bis diese Aktivitäten von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung als privilegierte Nutzungen diffamiert und schließlich von den Bulldozern der Grün Berlin GmbH abgeräumt wurden.
Nun scheint der Park seinen Schutz verloren zu haben. Nach den bezahlten Vandalen kommen die unbezahlten Vandalen.

Share

2 Kommentare zu “Bezahlter und unbezahlter Vandalismus

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.