Der Sonntagspaziergang

Selten war es so schwer, eine Öffnung im Zaun zu finden, selten habe ich den Anhalter Güterbahnhof an einem Sonntag  so menschenleer gesehen.

Schließlich finden wir doch einen Zugang und fragen uns, hatte Grün Berlin nicht versprochen, dass während der Bauzeit eine Fläche von der Möckernstrasse aus öffentlich zugänglich bleibt?

Wir schauen uns die vorgeschlagenen Belege für die Wege im Park an. Ich muss an „Shared Space“ denken. In der Bergmannstraße und am Tauentziehn wird unter diesem Titel diskutiert, ob die verschiedenen Verkehrsteilnehmer nicht mehr aufeinander Rücksicht nehmen, wenn sie sich auf einer gemeinsamen Fläche bewegen. Am Gleisdreieck wird ein anderes Konzept verfolgt. Fußgänger, Jogger, Fahrradfahrer, jeder bekommt seinen eigenen Weg aus roten oder hellen Beton, aus Asphalt oder Sand. Mal sehen, was später an den Kreuzungspunkten passieren wird. Im Hintergrund sind die alten Pflastersteine aufgetürmt, die die letzten 150 Jahre hier die Oberfläche bildeten.

Ein Abstecher an den Rand zur Möckernstraße. Wir sehen den Durchbruch für die Treppenanlage in Höhe der Wartenbergstrasse und die Instandsetzung der Mauer. 75 + x  (vielleicht mal Nachzählen beim nächsten Besuch) Bäume wurden für diese Arbeit geopfert. Dabei sieht es so aus, als sei  – außer an den Stellen mit den Durchbrüchen – an der Mauer selbst nicht viel getan worden. Etwas neuer Zementschlamm auf der Schräge am Übergang zwischen der dünnen Mauer oben und der dicken Mauer unten, mehr ist nicht zu sehen.

Vorbei an aufgrissenen, ausgebaggerten Flächen gehen wir Richtung Süden. Der beliebte Kletterberg ist verschwunden, angeblich soll er asbesthaltigen Bauschutt enthalten haben. Wir passieren mehrere sogenannte „Vegetationsinseln“ und erreichen schließlich den „Naturerfahrungsraum“.

Die Vielfalt und  Großzügigkeit, die der  „Spielplatz Bewegungsbaustelle“ in den vergangenen Jahren hatte, ist hier nicht mehr zu finden. Ein Minifläche mit dem Apfelbaum im Zentrum, der am Vortag zum „Tag des Baumes“ dort gepflanzt worden ist. Später wird die Fläche noch durch die Wege mit den farbigen Betonplatten gefasst werden wird. Dann ist es wirklich nur noch eine Spielecke.

Von der Yorckstrasse geht es wieder nach Norden. Der Zaun, der das Wäldchen im Westen begrenzte, ist abgebaut worden, an der Grenze zum Gelände des Technikmuseums finden wir die Schneise, die als Vorbereitung für den Generalszug in das Wäldchen geschlagen wurde.

Bisher wurde nur  das Unterholz entfernt und ein paar Äste abgesägt. Es ist ein eindrucksvoller Raum im Wald entstanden. Hoffentlich bedeuten die roten Markierungspunkte, die an vielen Bäumen zu sehen sind, nicht schon wieder Abholzen.

Südlich der Ladestraße treffen wir auf die alte Bahnsteiganlage, die auch bei der Begehung im November letzten Jahres Thema war. Damals hieß es, dass einige Bäume auf der Rampe stehen bleiben sollten, nun ist alles weg.

Während auf dem Anhalter Güterbahnhof überall neue Zäune entstanden sind, sind auf dem Potsdamer Güterbahnhof viele Barrieren gefallen.  Am Golfplatz im Norden liegt der Bauzaun am Boden. Der offizielle Betrieb ist eingestellt, es sind aber ein paar informelle Golfspieler da, die über das ehemalige Schussfeld wandernd Golf spielen.

Weiter im Süden treffe ich neben der entstehenden Beachvolleyballanlage auf eine Gruppe 10 bis 12jähriger Jungs, die mit Fahrrädern und Spraydosen das Gelände erkunden. Erst haben sie etwas Angst vor dem Fotoapparat (wegen der Spraydosen). Ich zeige ihnen meine Fotos und und kann so ihre Befürchtungen entkräften.

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3 Kommentare zu “Der Sonntagspaziergang

  1. Selten war es so schwer, eine Öffnung im Zaun zu finden, selten habe ich den Anhalter Güterbahnhof an einem Sonntag so menschenleer gesehen.

    So ein Quatsch. Wir sind alle paar Tage auf dem Gelände, an vielen Seiten ist der Zaun schon seit vielen, vielen Wochen komplett weg oder runtergetreten, Trampelpfade ziehen sich überall durch, und auf der Baustelle sind stets WauWaus mit Herrchen und Frauchen anzutreffen. Inzwischen gibt’s dort ’nen richtigen Tourismus, so dass man nicht einmal mehr abseits und ungestört die Sonne geniesen kann. Die Bauwagen sind immer noch dort, Samstag stand sogar ein größeres Zelt.
    Und ja, von der Möckernstraße ist das Gelände zwar nicht behindertengerecht, jedoch weiterhin unübersehbar zugänglich.

  2. ich war heute da, ich habe mir alles angeguckt.
    wie kann man so etwas schönes so kaputt machen, so versschlimmbessern.

    ich hasse was da geschieht! es ist so sichtbar falsch! daran kann keiner glauben!
    das ist alles nur proportz, verwaltung und überstaltungsdrang.

    sprengt grünberlin. – heiner funken

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